Noch nie standen so viele Menschen in Deutschland der Organ- und Gewebespende positiv gegenüber. Doch die Mehrheit hat ihre Entscheidung nicht schriftlich festgehalten – mit potenziellen Folgen für Betroffene.
85 Prozent der Bevölkerung befürworten die Organspende – ein Höchstwert. Das zeigt die aktuelle Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Doch trotz dieser hohen Akzeptanz haben nur 45 Prozent der Befragten ihre Entscheidung in einem Organspendeausweis oder einer Patientenverfügung dokumentiert.
Viele Befürworter, wenig Verbindlichkeit
Während sich 62 Prozent der Befragten bereits eine Meinung zur Organspende gebildet haben, hat ein Drittel der Bevölkerung noch keine Entscheidung getroffen. Besonders problematisch: 16 Prozent derjenigen, die sich für oder gegen eine Organspende entschieden haben, haben dies bisher nicht schriftlich festgehalten.
Dr. Johannes Nießen, kommissarischer Leiter der BZgA, betont die Bedeutung einer klaren Dokumentation: „Eine positive Haltung allein reicht nicht. Es zählt, eine bewusste Entscheidung zu treffen und diese festzuhalten – im Organspendeausweis, der Patientenverfügung oder im Organspende-Register.“
Neues Register kaum bekannt
Seit März 2024 können Bürgerinnen und Bürger ihre Entscheidung zur Organ- und Gewebespende auch digital dokumentieren. Das Organspende-Register, das vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte geführt wird, bietet eine einfache und jederzeit änderbare Möglichkeit zur Festlegung. Doch bislang kennen nur 31 Prozent der Befragten diese Option.
Die Unsicherheit zeigt sich auch bei der Frage nach einer möglichen Registrierung: 31 Prozent gaben an, sich „ganz sicher“ eintragen zu wollen, während 48 Prozent noch unentschlossen sind.
Fehlannahmen und Informationslücken
Ein weiteres Problem sind hartnäckige Fehlinformationen. Fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) glaubt fälschlicherweise, dass es eine Altersgrenze für Organspender gibt. Tatsächlich entscheidet jedoch der Zustand der Organe, nicht das Alter.
Zudem wünschen sich 88 Prozent der Befragten die Möglichkeit zu einem persönlichen Gespräch über die Organspende – doch nur sieben Prozent wissen von der Existenz des Infotelefons der BZgA.
Rund 8.300 Menschen warten auf ein Spenderorgan
Die Befragung macht deutlich, dass trotz der hohen Zustimmung zur Organspende weiterhin Informationsbedarf besteht. Rund 8.300 Menschen in Deutschland warten derzeit auf ein lebensrettendes Spenderorgan. Die BZgA ruft deshalb dazu auf, sich aktiv mit dem Thema auseinanderzusetzen, sich zu informieren und die eigene Entscheidung verbindlich zu dokumentieren.



