Zi-Praxis-Panel: Jahresüberschüsse rückläufig

von | Dez. 18, 2024

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Stark steigende Personalkosten, inflationsbedingte Preissprünge – das Zi-Praxis-Panel zeichnet aktuell kein gutes Bild für Niedergelassene.

 

Schwächere Einnahmen bei hoher Inflation. In dieser Gemengelage seien die Jahresüberschüsse der rund 80.000 ärztlichen und 29.000 psychotherapeutischen Praxen 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 4,8 Prozent gesunken, rechnet das Zi-Praxis-Panel (ZiPP) nun vor. Die Gesamteinnahmen der Praxen stiegen 2022 im Vergleich zum Vorjahr lediglich um 3,4 Prozent. 2021 hatte dieser Wert vor allem aufgrund der Covid-19-Impfkampagne noch bei neun Prozent gelegen. Auffällig sei zudem der weiterhin hohe Kostenanstieg in den Praxen: Nach dem sprunghaften Anstieg um 7,5 Prozent im Jahr 2021 lag der Anstieg im Jahr 2022 noch einmal bei 5,2 Prozent. Insgesamt haben die Praxiseinnahmen von 2019 bis 2022 um 16,4 Prozent zugenommen. Im gleichen Zeitraum sind die Gesamtaufwendungen jedoch um 17,2 Prozent gestiegen. Damit bleibt der Kostenanstieg in den Praxen langfristig weiterhin stärker als die Einnahmenentwicklung. Der Effekt wird nur dadurch gemildert, dass die Einnahmen durch pandemiebedingte Sondereffekte im Jahr 2021 einmalig einen hohen Zuwachs erreichten.

Kostenfaktor Personal

Größter Kostenfaktor für die Praxen sind erneut die Ausgaben für Personal. Diese umfassten 2022 nahezu 58 Prozent der Gesamtaufwendungen. Nachdem sich der Anstieg der Personalaufwendungen 2020 noch auf 4,5 Prozent belief, erhöhten sich diese deutlich um 9,5 Prozent im Jahr 2021 und 9,1 Prozent im Jahr 2022. Von 2019 bis 2022 haben die Personalaufwendungen damit um 24,7 Prozent zugenommen. Die größten Kostensprünge gab es zudem bei Material und Labor (+14,5 Prozent) sowie bei der Miete für Praxisräume (+9,8 Prozent). Die Kostenentwicklung der Praxen lag damit systematisch über der allgemeinen Teuerungsrate.

Bei den Abschreibungen ist 2022 zudem ein deutlicher Rückgang um 12,5 Prozent zu beobachten. Zu erklären ist das unter anderem durch eine rückläufige Investitionstätigkeit der Praxen in den Jahren 2020 und 2021. Diese führt im Vergleich zum Vorjahr zeitversetzt zu verringerten Abschreibungen für 2022. Die Einnahmen aus kassenärztlicher Tätigkeit stiegen über den Beobachtungszeitraum um insgesamt 18,4 beziehungsweise um jährlich 5,8 Prozent. Hingegen lag die Zuwachsrate bei den Privateinnahmen mit 5,2 Prozent zwischen 2019 und 2022, respektive 1,7 Prozent jährlich deutlich unter dem Durchschnitt.

Keine attraktiven Bedingungen mehr

Beim Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung sieht man auf dieser Basis eine breite ambulante ärztliche Versorgung in Gefahr, dass es an einer soliden wirtschaftlichen Basis mangele. Zwar sei die gesetzliche Krankenversicherung nach wie vor die wichtigste Einnahmequelle der Praxen und die daraus bedingten Einnahmen würden auch stärker steigen als die aus der Versorgung privat Versicherer, betont Zi-Vorstandsvorsitzender Dr. Dominik von Stillfried. Dennoch könne man nicht sagen, dass die Krankenkassen derzeit attraktive Bedingungen für die selbständige Tätigkeiten in der Niederlassung schaffen. Als Grund nennt er, dass die vereinbarte Anhebungen der Preise für ärztliche Leistungen die Kostensteigerung nicht kompensieren können, was aktuell sogar ein reales Minus resultiere.

„Leider hält diese unbefriedigende Entwicklung der Überschüsse seit Jahren an. Zudem sind die Niedergelassenen zunehmend unzufrieden mit den Arbeitsbedingungen: Mehr Bürokratie und mehr Aufwand für eine dysfunktionale Digitalisierung bedeuten weniger Zeit für Patientinnen und Patienten. Dies begünstigt den schleichenden Rückzug der Leistungsträger aus der medizinischen Versorgung“, ist von Stillfried überzeugt. Schon jetzt würden die Patienten die Auswirkungen einer seit Jahren verfehlten Gesundheitspolitik der Bundesregierung spüren.

Keine positiven Zukunftserwartungen

Im Rahmen der Erhebung werden die Praxisinhaber regelmäßig auch um Bewertungen der Arbeitsbedingungen und um einen Ausblick auf die Zukunft gebeten. Zwar glaubten im ersten Halbjahr 2024 noch 48 Prozent der Befragten an eine aktuelle gute wirtschaftliche Lage und sieben Prozent sogar an eine sehr gute. Der Ausblick fällt jedoch zunehmend schlechter aus. Folglich fiel der ZiPP-Klimaindex, der die Bewertung der Befragten zur aktuellen wirtschaftlichen Lage und zu den Zukunftserwartungen zusammenfasst, besonders negativ aus: Mit einem Gesamtwert von -10,4 Anfang 2023 und sogar von -14,3 Anfang 2024 wurden klar die schlechtesten Werte der letzten zehn Jahre gemessen. „Die anhaltend hohe Arbeitsbelastung bei abnehmendem Zeitanteil für die Patientenversorgung sowie eine allgemein angespannte Personalsituation bedrücken die vertragsärztliche Versorgung Tag für Tag. Dies zeigt unser aktueller Bericht sehr deutlich“, unterstreicht von Stillfried.

Diese Wahrnehmung dürfte ausschlaggebend sein für die sich stark verschlechternde Lagebewertung der Praxisinhaber und dafür, dass viele von ihnen über ein vorzeitiges Ausscheiden aus der Versorgung nachdenken. „Insgesamt senden die Ergebnisse ein klares Signal an die Politik“, erklärte von Stillfried abschließend.

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