Zahlreiche Krankenhäuser in Großbritannien am Limit  

von | Jan. 8, 2025

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Grippe und Atemwegserkrankungen bringen britische Kliniken an ihre Belastungsgrenzen. Zahlreiche Patienten müssen mit Wartezeiten rechnen.

 

Über ein halbes Dutzend Krankenhäuser von Liverpool bis nach Cornwall melden aktuell „Critical Incidents“ – ein Status, der immer dann ausgerufen wird, wenn eine Klinik oder ein Dienst nicht mehr ordnungsgemäß funktioniert. In der Regel sind diese Art kritischer Vorfälle auf ein besonders hohes Patientenaufkommen, Personalmangel oder beides zurückzuführen. Die Konsequenz: Aufnahmestopp.

Zuletzt haben die beiden Universitätskliniken in Liverpool und Birmingham einen „Critical Incident“ vermeldet. Vor allem die Notaufnahme werden mit Grippe- und Atemwegsinfektionen überrannt, heißt es dort.

Oliver Zuzan, medizinischer Direktor des Royal Liverpool University Hospital, warnte bereits gestern in einer Erklärung, dass das medizinische Personal zwar hart daran arbeite, die Menschen so schnell wie möglich zu behandeln, einige aber länger warten müssen, während die kränksten Patienten behandelt werden. „Wenn es sich nicht um einen medizinischen Notfall handelt, sollten Sie in Erwägung ziehen, andere Dienste in Anspruch zu nehmen, etwa Ihren Hausarzt, die örtliche Apotheke oder ein ambulantes Zentrum“, versucht die Klinik Patienten auf Alternativen aufmerksam zu machen.

Kollabiert der NHS?

Schon vor Weihnachten hatten sich die in Kliniken behandelten Grippefälle auf über 5.000 vervierfacht, berichtete der britische Gesundheitsdienst NHS vergangene Woche. „Die Flutwelle der Grippe in diesem Winter hat dazu geführt, dass mehr als dreimal so viele Patienten wie im letzten Jahr im Krankenhaus waren, was den NHS unter enormen Druck setzt“, sagte Gesundheitsminister Wes Streeting zur aktuellen Situation.

Der Druck auf den NHS ist allerdings nicht nur saisonal hoch, was die Regierung mit neuen Partnerschaften und Vereinbarungen versucht zu regulieren. Der britische Premierminister Keir Starmer hatte erst am Montag Pläne zum Abbau der immens langen Wartelisten für der Krankenhäuser vorgestellt. Ziel ist es, die Wartezeit für Operationen und andere geplante Eingriffe auf 18 Wochen zu reduzieren. Dafür wurden nun Vereinbarungen mit dem unabhängigen Gesundheitssektor getroffen, der mit Kapazitäten aushelfen soll. „Wenn die Wartelisten auf 7,5 Millionen angewachsen sind, werden wir nicht zulassen, dass Ideologie oder alte Vorgehensweisen uns daran hindern, das Leben der Menschen wieder in Ordnung zu bringen“, gab sich Starmer kämpferisch.

Adressiert werden zunächst spezielle Behandlungsbereiche wie die Gynäkologie, wo aktuell 260.000 Frauen auf eine Behandlung warten. Ein weiterer Schwerpunkt wird die Orthopädie sein, wo über 40 Prozent der Patienten länger als die angestrebten 18 Wochen warten.

„Millionen von Patienten müssen unannehmbar lange auf eine Behandlung warten, weil der NHS 14 Jahre lang vernachlässigt wurde. Diese Regierung wird alle verfügbaren Hebel in Bewegung setzen, damit die Patienten wieder rechtzeitig behandelt werden“, betont auch Gesundheitsminister Streeting.

Ob Starmer und Streeting allerdings auch über die Mittel verfügen, dermaßen große Hebel in Bewegung zu setzen, wird sich zeigen müssen. Die wachsende Anzahl der „Critical Incidents“ unterstreicht nämlich einmal mehr, wie marode das System tatsächlich ist.

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