Wird Digitalisierung zur Gefahr für die Gesundheit?

von | März 25, 2026

Anhoren

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Gerade für das Gesundheitswesen können neue Technologien wie die KI große Vorteile bringen. Gleichzeitig belasten sie das System allerdings auch, wie Studien zeigen.

 

 

Für den Mutterkonzern von Facebook, Instagram und Whatsapp sind es vermutlich nur Peanuts. Und doch könnte die Jury im US-Bundesstaat New Mexico eine Tür aufgestoßen haben. Dort ist Meta nämlich gerade zu einer Strafe in Höhe von 375 Millionen US-Dollar verurteilt worden. Der Grund: Kindswohlgefährdung. Die Geschworenen schlossen sich der Auffassung der Staatsanwaltschaft an, das man bei Meta sehr wohl um die Gefahren weiß, die auf den Social Media-Plattformen des Unternehmens gerade auf Kinder und Jugendliche lauern, etwa sexuelle Ausbeutung oder Auswirkungen auf die psychische Gesundheit. Meta mache falsche oder irreführende Aussagen und stelle damit den eigenen Profit über das Wohl der Kinder und Jugendlichen. Mit gewissenlosen Geschäftspraktiken nutze Meta die Verletzlichkeit und Unerfahrenheit von Kindern in unfairer Weise aus, heißt es in der Begründung aus New Mexico.

Dass Geschworene und Staatsanwalt mit dieser Einschätzung genau richtig liegen, bestätigt nun auch eine aktuelle Studie der Krankenkasse DAK-Gesundheit sowie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Dort sieht man einen gefährlichen Trend bestätigt. Neben Gaming, Social Media und Streaming erhöhen mittlerweile auch KI-Chatbots den riskanten Medienkonsum bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland.

1,5 Millionen jungen Menschen betroffen

Fast acht Prozent der Minderjährigen nutzen KI-Anwendungen gegen ihre Einsamkeit. Bei Jugendlichen mit depressiver Symptomatik liegt der Anteil über 30 Prozent. Die Studie analysiert erstmals auch die Nutzung und Risiken von KI-Chatbots für Kinder und Jugendliche in Deutschland. Insgesamt bleibt die Mediensucht auf einem hohen Niveau: Jedes vierte Kind zeigt eine riskante Social-Media-Nutzung oder Abhängigkeit. Insgesamt sind hochgerechnet rund 1,5 Millionen junge Menschen betroffen. Auch deshalb begrüßt DAK-Chef Andreas Storm breite Debatte über Social-Media-Risiken in Deutschland und Europa und fordert ein schnelles Handeln. Es brauche Geschwindigkeit bei der Gesetzgebung.

„Die anhaltend hohe Mediensucht zeigt den großen Handlungsbedarf. Für eine sinnvolle Altersregulierung braucht es jetzt eine rasche gesetzliche Regelung bis zur Sommerpause. Damit erste Maßnahmen dann bereits im kommenden Schuljahr greifen, sollten wir unabhängig von einer EU-weiten Lösung handeln“, sagt DAK-Vorstandschef Storm.

Chatbots sind keine Freunde

Vor allem die generative KI entwickelt sich in puncto Gesundheit auch zu einem Fluch. Denn die Studie zeigt, dass sich bereits bis zu etwa zehn Prozent der Kinder und Jugendliche an Chatbots wenden, um sich von negativen Gefühlen abzulenken, Einsamkeit zu lindern oder vertrauliche Dinge zu besprechen.

Schaut man auf junge Menschen, die bereits eine depressive Symptomatik aufweisen, steigen die Zahlen deutlich an. Fast 33 Prozent von ihnen geben in der Studie an, einem Chatbot Dinge zu erzählen, die sie sonst niemandem oder nur engen Freundinnen und Freunden anvertrauen würden. Ebenfalls 33 Prozent sind der Meinung, dass ein Chatbot sie besser verstehe als ein echter Mensch. Diese Zahlen verdeutlichen, dass sich parasoziale Beziehungsmuster entwickeln.

„Primär kommerziell motivierte KI-Chatbots bergen besondere Risiken für Kinder und Jugendliche – etwa im Rahmen der Verarbeitung privater Daten, der Inhaltsauswahl oder bestimmter Handlungsempfehlungen“, sagt Dr. Kerstin Paschke, Studienleiterin und ärztliche Leiterin des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) am UKE. „Durch die Imitation menschlicher Kommunikation und die häufig bestätigenden Reaktionen, sollen intensive Nutzungsmuster gefördert werden. Hierdurch können junge Menschen im Rahmen einer sogenannten parasozialen Beziehung eine emotionale Bindung zum Chatbot entwickeln, die mit größeren psychischen Belastungen einhergeht und problematische Nutzungsmuster begünstigen kann.

Vor diesem Hintergrund warnt Dr. Michael Hubmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und JugendärztInnen e.V. (BVKJ), dass die Nutzung digitaler Medien zwar ein komplexes gesellschaftliches Thema sei, dass sich nicht allein durch Altersgrenzen lösen lasse. Komplexität dürfe jedoch nicht zur Ausrede werden, auf regulatorische Maßnahmen zu verzichten: „Kinder und Jugendliche brauchen im digitalen Raum wirksamen Schutz“. Und der muss zwingend auch die Konzerne und Betreiber selbst in die Verantwortung nehmen. Das aktuelle Urteil in den USA ist da vielleicht der erste Schritt.

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