„Wir werden in diesem Jahr verstärkt einen Fußabdruck hinterlassen“

by | Jan 23, 2024

Jeremy Dähn ist Chief Digital Officer und Geschäftsbereichsleiter Digitale Geschäftsmodelle bei den Johannitern sowie Chair der HIMSS DACH-Community

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Die HIMSS DACH-Community will 2024 durchstarten – mit einem erweiterten Steering Committee, mit neuen Formaten und Veranstaltungen sowie dem wichtigen internationalen Austausch, erklärt Jeremy Dähn.

 

Herr Dähn, Sie sind Vorsitzender der deutschsprachigen HIMSS-Community, deren Ziel es ist, eine neue Vision für das deutsche Gesundheitswesen zu entwickeln und diese anschließend mit einer Strategie und einem Fahrplan zu begleiten. HIMSS ist in den USA, aber auch international zu einem Synonym für den digitalen Fortschritt im Gesundheitswesen geworden. Wie profitiert die DACH-Community davon und wie viel von diesem Enthusiasmus färbt ab?

Zunächst einmal aus einer ganz persönlichen Perspektive: sehr viel. Denn das ist der Grund, warum ich mich so stark für den Auf- und Ausbau der DACH-Community engagiere. Die HIMSS bringt aus ihrer Historie heraus Komponenten mit, die ich in Deutschland lange vermisst habe. Das heißt nicht, dass wir in Deutschland nicht auch eigene starke und erfolgreiche Initiativen haben. Aber der Reifegrad, den die HIMSS mit ihren EMRAM-Modellen zur Messung des Digitalisierungsgrades in Krankenhäusern inzwischen erreicht hat, ist einfach einzigartig. Nicht ohne Grund sind die Erfahrungen der HIMSS auch hierzulande im Rahmen der ersten KHZG-Messung in den DigitalRadar eingeflossen.

Was macht das EMRAM-Modell aus Ihrer Sicht so einzigartig?

Dass die Kliniken aus dem Stufenmodell transparent konkrete Handlungsempfehlungen ableiten können, um den eigenen digitalen Reifegrad zu verbessern. Daraus ergibt sich dann ein konkreter Fahrplan, der die nächsten Schritte klar aufzeigt. So wird jeder auf seiner Entwicklungsstufe abgeholt. Und über die diversen Querverweise können die Häuser unmittelbar sowohl die Patientensicherheit als auch die Mitarbeiterzufriedenheit steigern.

Ein Großteil der Kliniken in Deutschland hat beim ersten DigitalRadar nicht sonderlich gut abgeschnitten. Ein konkreter Fahrplan kann demnach auch hierzulande nicht schaden…

Das ist richtig. Rund 80 Prozent der Kliniken hierzulande würden bei EMRAM gerade einmal die niedrigste Stufe Null erreichen. Das liegt aber vor allem daran, dass der deutsche Weg bisher ein anderer war. Es ging nie darum, papierlose Krankenhäuser wie in den USA zu schaffen. Wichtige Themen wie Medikationssicherheit oder Entscheidungsunterstützungsprogramme, die bei EMRAM fest verankert sind, kommen in Deutschland erst sukzessive in den Kliniken an – auch, weil das Potenzial für ein Mehr an Patientensicherheit erkannt wird.

Es geht bei der HIMSS Dach-Community also vor allem auch darum, auf vorhandene Expertise zurückgreifen zu können?

Ganz genau. HIMSS steht aus meiner Sicht vor allem für Thought Leadership auf internationaler Ebene. Sie zeigt auf, welche Lösungen in welchen Ländern funktionieren und das rund um den Globus – in Europa, den USA, Australien und Neuseeland oder auch im arabischen Raum. Jede dieser Regionen hat einen ganz anderen Stand der Digitalisierung und steht vor anderen Herausforderungen – und doch ist das Modell der HIMSS überall übertragbar und liefert die notwendigen Handlungsempfehlungen.

Gibt es eine konkrete Zielsetzung oder Meilensteine, die die HIMSS DACH-Community erreichen soll – beispielsweise einen deutlichen Digitalisierungsschub im stationären Sektor?

Wir erhoffen uns vor allem, die Strahl- und Umsetzungskraft der HIMSS nach Deutschland zu bringen und auch zu zeigen, dass das, was wir hier in Deutschland machen, schon gut ist. Wenn wir diese gute Basis dann aber noch um die Themen erweitern, in denen die HIMSS führend ist, ergeben sich völlig neue Möglichkeiten. Ich glaube sogar, dass wir als starke Wirtschaftsnation zu einer der führenden Gesundheitsnationen in Europa werden können – eben auch mit Hilfe der HIMSS.

Derzeit entsteht ein Steering Committee mit ausgewählten Experten. Was bringen die an Expertise und Wissen in die DACH-Community ein?

Das Steering Committee gibt es seit 2019, allerdings in kleinerer Form, was unter anderem der Corona-Pandemie geschuldet war. Jetzt bauen wir dieses Gremium deutlich aus. Ziel ist es vor allem, auf eine möglichst breit gefächerte Expertise zurückgreifen zu könne – das heißt beispielsweise, dass die Kliniksektor genauso vertreten ist, wie Startups und innovative neue Konzepte, Journalisten genauso zu Wort kommen, wie Patienten. Ziel des Steering Committees ist es vor allem, Themen schon mal vorzudenken und zu diskutieren, um diese dann wiederum breiter in die Community tragen zu können.

Wer kann sich innerhalb der HIMSS DACH Community engagieren?

Grundsätzlich jeder, dem ein fortschrittliches und effizientes Gesundheitswesen am Herzen liegt. Es gibt viel zu tun, um die Gesundheitsversorgung zu verbessern, daher ist jede helfende Hand willkommen. Wir haben beispielsweise eine LinkedIN-Gruppe, wo ein aktiver Austausch stattfindet und werden auch in diesem Jahr verstärkt mit sogenannten Side-Events bei großen Veranstaltungen und eigenen Publikationen einen Fußabdruck hinterlassen.  

Wie ist der Austausch mit der internationalen HIMSS Community – vor allem auch innerhalb Europas?

Das europäische Ausland schaut derzeit natürlich sehr genau auf Deutschland, weil wir hier im Vergleich nach wie vor sehr gut aufgestellt sind – beispielsweise mit Blick auf die Krankenhausbetten. Im Ausland wird dennoch wahrgenommen, dass der Reformdruck steigt, weshalb unsere nächsten Schritte genau beobachtet werden. Andersherum können aber auch wir von den Lessons Learnt anderer Nationen profitieren, etwa von denen in Großbritannien, wo während der Corona-Pandemie viel stärker mit den wenigen vorhandenen Betten gehaushaltet werden musste und daher in der telemedizinischen Überwachung wichtige Erkenntnisse gesammelt werden konnten. Kurzum: Der Austausch ist da und aus meiner Sicht für alle Seiten gewinnbringend.

 

Jeremy Dähn ist Chief Digital Officer und Geschäftsbereichsleiter Digitale Geschäftsmodelle bei den Johannitern, mit 19 Akut-, Rehabilitations- und Fachkrankenhäusern, 11 Kliniken und 95 Altenpflegeheimen einer der größten gemeinnützigen Krankenhausträger in Deutschland. Dähn ist verantwortlich für die Förderung der digitalen Transformation, die Umsetzung neuer digitaler Geschäftsmodelle sowie die Unterstützung von Innovationsprojekten. Zudem ist er Chair der HIMSS DACH-Community.

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