Aktuelle Zahlen des Qualitätsmonitors des Wissenschaftlichen Instituts der AOK zeigen: Mindestmenge sorgen für die gewünschten Konzentrationseffekte.
Es ist eine einfache Rechnung: Mit der Anhebung der Mindestmengen für bestimmte Operationen werden insgesamt an deutlich weniger Kliniken Eingriffe durchgeführt. An den spezialisierten Zentren steigt die Anzahl an komplexen OPs hingegen deutlich. Das zeigt nun der Qualitätsmonitor des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), der mit den Daten für das Jahr 2024 aktualisiert wurde. Wo das Konzept hingegen nur kleine Fortschritte macht, seien Krebs-Operationen an den von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Krebszentren.
„Die Einführung und Anhebung der Mindestmengen für Krankenhäuser, die lebensbedrohliche Erkrankungen von Patientinnen und Patienten mit komplexen Operationen behandeln, führen zu dringend notwendigen Effekten: die Zahl der Krankenhäuser sinkt, während die Operationszahlen pro Standort steigen“, attestiert Helmut Schröder, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK. Notwendig seien die Effekte, weil spezialisierte Häuser die Erfahrung für hochkomplexe Leistungen sicherstellten und damit das Risiko für die Patientinnen und Patienten minimieren könnten. Dies zeige sich insbesondere bei operativen Behandlungen von vier Arten von Krebserkrankungen.
Deutlicher Konzentrationseffekt
Der Qualitätsmonitor zeigt, dass die neue Mindestmenge-Regelung beispielsweise bei Brustkrebs-Operationen den gewünschten Konzentrationseffekt erzeugt: Während 2020 noch knapp 10.700 Frauen mit Brustkrebs (15,2 Prozent aller Fälle) in Kliniken mit weniger als 100 Fällen pro Jahr operiert wurden, waren es 2024 nur noch 7.200 Frauen (9,6 Prozent aller Fälle). Die durchschnittliche jährliche Fallzahl je Klinik erhöhte sich von 122 im Jahr 2020 auf 166 im Jahr 2024, die Zahl der an der Versorgung beteiligten Kliniken sank in diesem Zeitraum um mehr als 20 Prozent (von 575 auf 449 Kliniken). Für Brustkrebs-Operationen ist vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) 2024 eine Mindestmenge von 50 Fällen pro Jahr eingeführt worden, die 2025 abermals auf 100 Fälle pro Jahr angehoben worden ist.
Bei Lungenkrebs-Operationen, für die seit 2024 eine Mindestmenge von 40 Fällen pro Jahr und seit 2025 von 75 Fällen pro Jahr gilt, war der Konzentrationsprozess noch stärker ausgeprägt. So wurden 2020 noch ein Drittel aller Fälle (rund 5.500 Patientinnen und Patienten) an Klinik-Standorten operiert, die weniger als 75 Lungenkrebs-Fälle pro Jahr vorweisen konnten. 2024 waren es nur noch 12 Prozent (rund 2.500 Patientinnen und Patienten). Die durchschnittliche Fallzahl je Klinik stieg von 2020 bis 2024 deutlich von 49 auf 71 Fälle pro Jahr, die Zahl der operierenden Kliniken sank von 372 Standorten im Jahr 2020 auf 294 im Jahr 2024.Ähnliche Effekte zeigen sich bei komplexen Operationen an der Bauchspeicheldrüse und der Speiseröhre.
„Die Datenreihen des Qualitätsmonitors zeigen eindrucksvoll, dass die Mindestmengen ein wirksames Instrument zur Bündelung von Krankenhaus-Leistungen an geeigneten Standorten sind“, betont Schröder und erwartet aufgrund der Erhöhung bestehender Mindestmengen weitere Konzentrationseffekte für die kommenden Jahre.
Steuerung in zertifizierte Krebszentren funktioniert noch nicht
Wenig Bewegung gibt es laut Qualitätsmonitor bei der Steuerung von Krebsfällen in Krankenhäuser, die als Krebszentren zertifiziert sind. Nachdem der Anteil der Brustkrebs-Operationen in nicht-zertifizierten Krankenhäusern in den Vorjahren noch deutlicher gesunken war, lag er 2024 – wie bereits im Vorjahr – bei elf Prozent. 2024 wurden insgesamt 8.255 Patientinnen mit Brustkrebs in nicht zertifizierten Zentren operiert. Ein Blick auf den Bundesland-Vergleich im Online-Portal zeigt, dass es in Sachsen-Anhalt einen besonders positiven Trend gab: Hier ging der Anteil der Operationen in nicht zertifizierten Zentren von 27 Prozent in 2023 auf zwölf Prozent in 2024 zurück.
Bei den Lungenkrebs-Operationen liegt der Anteil der Fälle, die in Zentren operiert werden, deutlich niedriger als bei Brustkrebs. So wurden 2024 insgesamt 57 Prozent der Behandlungsfälle (11.800 Fälle) in Lungenkrebszentren operiert, die von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert worden sind. Im Vergleich zu 2020 (51 Prozent, respektive 9.200 Fälle) ist nur ein leichter Trend nach oben zu verzeichnen.
„Die Verantwortlichen in den Ländern sollten die Zentralisierung von Krebsbehandlungen in zertifizierten Kliniken weiter vorantreiben, denn die Behandlung in diesen Zentren bietet klar belegte Überlebensvorteile für die Patientinnen und Patienten“, so Helmut Schröder. „Neben Fallzahlvorgaben müssen die zertifizierten Zentren zahlreiche weitere Kriterien zur Struktur- und Prozessqualität erfüllen und eine leitliniengerechte Behandlung gewährleisten.“



