WHO-Berichte warnen vor Cyberangriffen und Desinformationen

by | Feb 7, 2024

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Neue Risiken für die Gesundheitssicherheit. Zwei Berichte warnen: Es braucht globale Allianzen, um Cybercrime und Desinformation effektiv zu begegnen.

 

Die Verfasser der zwei aktuellen Berichte zu Risiken für die Gesundheitssicherheit lesen sich wie das Who-is-Who eines Krimis: Weltgesundheitsorganisation (WHO), INTERPOL, das Büro der Vereinten Nationen für Drogen und Verbrechensbekämpfung (UNODC), das Büro der Vereinten Nationen für Terrorismusbekämpfung, das Internationale Rechenzentrum der Vereinten Nationen (UNICC), das Interregionale Forschungsinstitut für Kriminalität und Justiz der Vereinten Nationen und das CyberPeace Institut.

Konkret geht es um die weitreichenden Auswirkungen von Cyberangriffen auf das Gesundheitswesen in der Praxis. Während der COVID-19-Pandemie wurde die IT-Infrastruktur des Gesundheitswesens zunehmend zum Ziel solcher Angriffe, was die Krankenhäuser zeitweise daran hinderte, die dringend benötigte Pflege rechtzeitig zu leisten. Um die IT-Systeme wiederherzustellen und die gestohlenen Daten abzurufen, zahlten die Einrichtungen des Gesundheitswesens hohe Lösegelder, zeigt beispielsweise der erste Report „Untersuchung der Bedrohung des Gesundheitswesens durch Cyberangriffe während der COVID-19-Pandemie“.

Cyberkriminalität gemeinsam begegnen

„Cyberkriminalität in all ihren Formen entwickelt sich weiter und nimmt zu. Die COVID-19-Pandemie hat dies sichtbar gemacht”, sagte Glen Prichard, Leiter der Abteilung für Cyberkriminalität und Geldwäschebekämpfung beim UNODC. „Der Bericht macht deutlich, wie anfällig die Patientensicherheit für Cyberangriffe ist und wie viel Arbeit wir alle noch vor uns haben, um Leben zu schützen.”

Die WHO betont, dass die fortschreitende Digitalisierung im Gesundheitswesen leider auch zu einer Art digitaler Abhängigkeit führt, die in Teilen ohne sorgfältige Abwägung der neuen Risiken und ohne angemessene Investitionen in die Cybersicherheit voranschreitet.

Auch deshalb sei der Bericht ein Weckruf, sagt Sameer Chauhan, Direktor des UNICC: „Wir begrüßen den Vorschlag der WHO an die Mitgliedstaaten, die Cybersicherheit im Gesundheitssektor durch die Nutzung gemeinsamer Cybersicherheitskapazitäten zu stärken, ähnlich wie die gemeinsamen Bedrohungsdaten und Cybersicherheitsressourcen des UNICC für das UN-System. Wir sind bereit und gewillt, die WHO in dieser Hinsicht zu unterstützen.“

Desinformationen als Gefahr

Die WHO warnt in einem zweiten Bericht zudem vor gezielten Desinformationen, die in böswilliger Absicht gestreut würden. Die WHO nennt sie „Informationen als Waffe“, die ebenfalls während der Corona-Pandemie besonders zum Vorschein gekommen sind. Konkret untersucht der Bericht verschiedene Arten von Pandemie-Desinformation im Laufe der Zeit und wie die Täter die kognitiven Mechanismen ausnutzen, die auf ihr Publikums wirken. Die Motive der Täter: eine langfristige ideologische oder politische Agenda oder schnelle wirtschaftliche Gewinne. Dafür würden gezielte Desinformationen professionell ausgearbeitet und verbreitet, so dass die WHO und ihre Partner im Bereich der öffentlichen Gesundheit mit vielschichtigen Ansätzen ausgestattet werden müssen, um diesen Bedrohungen zu begegnen.

In jedem Fall begründen beide Berichte die dringende Notwendigkeit, sektorübergreifende Allianzen zu bilden. Denn nur so können die Vorteile neuer Technologien für eine bessere Gesundheit und ein besseres Wohlergehen genutzt werden, während gleichzeitig die ständig neuen Bedrohungen gezielt bekämpft werden können.

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