„Wenn die Wirtschaft einbricht, entwickeln sich defensive Aktien gut“

by | Jan 9, 2024

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Die großen Investmenthäuser gehen von einer „weichen Landung“ für die US-Wirtschaft in 2024 aus, wovon Werte aus dem Gesundheitssektor profitieren könnten.

Wie entwickeln sich Wirtschaft und Aktienmärkte in 2024? Dieser Frage widmen sich traditionell die Chefstrategen und Anlageexperten der großen Investmenthäuser zum Jahresbeginn. Interessante Impulse für den Gesundheitssektor kommen aktuell beispielsweise von der US-Investmentbank Morgan Stanley, wo Chief Investment Officer Mike Wilson von einer sogenannten „weichen Landung“, englisch „soft landing“, für die US-Wirtschaft ausgeht.

Konkret verbirgt sich dahinter ein Abschwächen der Wirtschaft nach einer starken Konjunkturphase – nur eben moderat und nicht abrupt. Wilson hält sowohl eine weiche Landung mit schwachem Wachstum als auch eine weiche Landung mit einer sich schnell wieder beschleunigenden Wirtschaft für möglich. Auch eine Rezession sei noch nicht komplett vom Tisch – die Wahrscheinlichkeit schätze man aktuell bei 30 Prozent ein. Jedoch spreche nach der letzten Sitzung der US-Notenbank Fed im Dezember einiges für eine weiche Landung mit einer schnell wieder anziehenden Wirtschaft. Im Fall einer weichen Landung mit moderatem Wachstum seien defensive Wert wie Versorger oder das Gesundheitswesen interessant. „Wenn die Wirtschaft einbricht, entwickeln sich defensive Aktien gut“, sagt er.

Noch optimistischer blicken die Strategen von Goldman Sachs auf die US-Wirtschaft und schätzen die Wahrscheinlichkeit für eine dortige Rezession sogar nur bei 15 Prozent ein: „Wir erwarten für 2024 mehrere Rückenwinde für das globale Wachstum, darunter ein starkes Wachstum der realen Haushaltseinkommen, eine geringere Belastung durch geld- und fiskalpolitische Straffung, eine Erholung des verarbeitenden Gewerbes und eine größere Bereitschaft der Zentralbanken, bei einer Wachstumsverlangsamung Zinssenkungen vorzunehmen.”

Eine Lanze für defensive Gesundheitswerte brechen zudem auch Andy Acker und Dan Lyons von Janus Henderson Investors. Demnach seien defensive Aktien aus dem Gesundheitswesen in 2023 bei den Anlegern zwar in Ungnade gefallen, das könne sich aber ändern, da sich weiterhin höhere Zinssätze auf die Wirtschaft auswirken und möglicherweise das Wachstum verlangsamen könnten. „Da die Kursgewinnverhältnisse im Gesundheitswesen unter dem Marktdurchschnitt liegen, könnten attraktive Bewertungen das langfristige Renditepotenzial des Sektors steigern.“

Großes Potenzial sehen die beiden Spezialisten zudem bei Medikamenten zur Gewichtsreduktion, allen voran bei den sogenannten GLP-1-Agonisten. Diese Therapien wirken durch Nachahmung von Darmhormonen, die den Appetit regulieren, und haben bei den Patienten zu einem beispiellosen Gewichtsverlust geführt – zwischen 15 und mehr als 20 Prozent. „Wir glauben, dass die GLP-1-Medikamente die bisher größte Absatzmöglichkeit in der Biopharmabranche darstellen könnten, mit einem Umsatz von über 100 Milliarden US-Dollar bis zum Ende des Jahrzehnts“, heißt es von Janus Henderson. Gleichzeitig hätten die Medikamente aber auch Befürchtungen um die Zukunft von Medizinprodukten und Medikamenten zur Behandlung verwandter Krankheiten – von Schlafapnoe über Herzerkrankungen bis hin zu orthopädischen Erkrankungen – geweckt. Die Realität dürfte jedoch weitaus nuancierter sein, glauben Acker und Lyons: „Wir halten die Kurzschlussreaktion, die die Aktien von Medizinprodukten und bestimmten Biotech-Unternehmen einbrechen ließ, für übertrieben.” Es könnte es Jahrzehnte dauern, bis GLP-1 die Nachfragekurve drehe.

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