Green Healthcare: Warum der Klimawandel zu einem Gesundheitsproblem wird

by | May 13, 2024

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Der Deutsche Ärztetag fordert es, der aktuelle DAK-Gesundheitsreport zeigt die ersten Folgen auf: Künftige Reformen im Gesundheitswesen müssen immer auch den Klimawandel berücksichtigen.  

 

Auch das ist ein zentraler Beschluss des 128. Deutschen Ärztetages: Klimaneutralität. Sie müsse bei allen anstehenden Reformen und Umstrukturierungen im Gesundheitswesen mitgedacht werden. Dafür brauche es Ressourcen – idealerweise in Form eines Sonderfonds, aus dem „der Umbau der Krankenhäuser zu klimaschonender Infrastruktur“, also zu Green Hospitals, unterstützt wird. „Alle Krankenhäuser sollen in die Lage versetzt werden, zeitnah ein Umweltzertifikat zu erwerben, das mit dem EMAS-Zertifikat des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit vergleichbar ist”, heißt es in dem Beschluss.

Dass derartige Forderungen durchaus berechtigt sind, unterstreicht der diesjährige DAK-Gesundheitsreport, der die Überschrift „Gesundheitsrisiko Hitze – Arbeitswelt im Klimawandel“ trägt und noch einmal unterstreicht, wie deutlich und vor allem direkt das Gesundheitswesen von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen ist.

In der Begründung, warum der diesjährige Report den Fokus auf das Thema Hitze legt, heißt es von der DAK: „Mit dem Klimawandel gehen nicht nur ökologische wie wirtschaftliche Herausforderungen einher, sondern er beeinflusst auch direkt die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen. Expertinnen und Experten warnen insbesondere vor den Folgen extremer Hitzewellen, die als Folge des Klimawandels vermehrt aufkommen. Es wird immer wichtiger, die damit einhergehenden Herausforderungen auch für die Arbeitswelt zu verstehen.“

Gesundheitliche Probleme bei Hitze

Laut DAK-Gesundheitsreport geben mittlerweile knapp 20 Prozent der Beschäftigten in Deutschland an, bei Hitze gesundheitliche Probleme zu haben. Dazu zählen eine allgemeine Abgeschlagenheit (68,5 Prozent), Schlafprobleme (68 Prozent), vermehrtes Schwitzen (64,8 Prozent) oder Kreislaufbeschwerden (64,7 Prozent). Auf den Krankenstand wirkt sich das allerdings noch nicht aus. Der Anteil derer, die wegen Hitze krankgeschrieben waren (0,98 Prozent) oder sich krankgemeldet haben (1,12 Prozent), ist noch verschwinden gering. 17 Prozent der Befragten gaben an, trotz hitzebedingter gesundheitlicher Probleme zur Arbeit zu gehen.

Allerdings führt extreme Hitze zu deutlichen Leistungseinbußen und Produktivitätsverlusten, zeigt der Report auf. Über die Hälfte der Befragten gab an, während Hitzeperioden nicht mehr so produktiv zu sein, 42 Prozent klagen über Konzentrationsbeschwerden. Und auch die Beschäftigten im Gesundheitswesen selbst belasten die veränderten Temperaturen durch den Klimawandel, zeigen die DAK-Daten. Der Anteil der in der Alten- und Krankenpflege Tätigen unter den Menschen, die durch Hitze während der Arbeit stark belastet sind, liegt bei 49,3 Prozent.

Auch klimabedingte psychische Belastungen nehmen zu

Susanne Moser, Direktorin und leitende Forscherin von Susanne Moser Research & Consulting in Hadley Massachusetts untersucht die Folgen des Klimawandels auf Menschen, insbesondere deren Psyche. Sie warnt vor der sogenannten Klima- und Ökotrauer. Wut, Angst, Trauer oder Hoffnungslosigkeit seien bei Jugendlichen mittlerweile massiv zu beobachten. Wobei auch ältere Generationen dem Klimawandel oft mit ähnlichen Gefühlen begegnen, weil sie sich Sorgen um ihre Kinder und Enkel machen, räumt Moser ein: „Hier kommen allerdings dann nicht selten auch Scham und Schuldgefühlt hinzu, dass beizeiten nicht mehr unternommen wurde. Und bei Menschen, die an der Thematik arbeiten – wie Klimaforscher, Umweltschützer oder auch auf Behördenseite – sehen wir zunehmend immer häufiger auch den klassischen Burn-out.“

Moser sagt, dass Problem im Kontext des Klimawandel sei, dass die Verantwortung gerne an das Individuum abgegeben wird: „Du hast es jetzt noch in der Hand, wenn du dein Verhalten änderst. Das ist eine überwältigende Verantwortung und alleine schon deshalb aus meiner Sicht nicht zielführend.“ Klar solle jeder mithelfen, aber dennoch brauche es einen gemeinschaftlichen Ansatz.

Insofern sind die Forderungen, die nun aus den Beschlüssen des Deutschen Ärztetages hervorgehen, schon einmal ein richtiger Schritt. Nun muss nur noch die Politik nachziehen, die nach Ansicht des Ärztetages „auf Bundes- und Landesebene entsprechende Programm auflegen und gesetzlich verankern“ müsse.

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