Von medizinischen Wundern lernen

by | Mar 25, 2024

Anhoren

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Gibt es vielleicht doch Regeln bei den Ausnahmen? Dieser Frage geht ein französisches Startup nun nach, an dem auch die Berliner Charité beteiligt ist.

 

Medizinische Wunder gibt es immer wieder. Ein aktueller und wirklich spektakulärer Fall ist der 13-jährige Lucas aus Belgien, bei dem mit sechs Jahren diffuse intrinsische Ponsgliome diagnostiziert werden, ein seltener, aber besonders aggressiver Tumor, der üblicherweise bei Kindern auftritt und sich im unteren Teil des Hirnstamms bildet. Die Prognose ist sehr schlecht. Nach zwei Jahren leben in der Regel nur noch zehn Prozent der Kinder, nach fünf Jahren weniger als ein Prozent. Lucas ist also eine echte Sensation. Sieben Jahre nach der Erstdiagnose gilt er heute als geheilt – als erster Mensch überhaupt mit dieser Krankheit.

Haben Ausnahmen Gemeinsamkeiten?

Fälle, wie der von Lucas, gibt es immer wieder. „Against all odds“, wie Phil Collins 1984 sang. Die Frage ist nun, ob diese Ausnahmen vielleicht doch etwas gemeinsam haben. Und dieser Frage will das französische Startup Cure 51 nun nachgehen. Die Vision: Das Forschungsprogramm liefert Ergebnisse, mit deren Hilfe Therapien für bislang hoffnungslose Krebsfälle entwickelt werden können.

15 Millionen Euro hat das Biotech-Unternehmen dafür nun in einer vom Venture Capital Unternehmen Sofinnova Partners geleiteten Seed-Finanzierungsrunde eingesammelt. Weitere Investoren sind Hitachi Ventures GmbH, Life Extension Ventures, der französische Internet-Milliardär Xavier Niel sowie Oliver Pomel, CEO und Mitbegründer von Datadog, ein US-Softwareunternehmen für Cloud-Anwendungen.

Kohorten-Daten sollen Überlebensmechanismen entschlüsseln

Cure 51 will mit dem frischen Kapital die erste globale Datenbank für Überlebende normalerweise tödlich verlaufender Krebserkrankungen aufbauen, um die molekularen Prozesse zu erforschen, die diese Menschen trotz hochaggressiver Tumore überleben lassen. Die so gewonnenen Erkenntnisse sollen dann idealerweise in Präzisionsmedizin oder gar neue Wirkstoffe münden. Und natürlich setzt Cure 51 hierfür auf neuste KI-Analysetechniken. 50 Krebszentren weltweit werden dafür mit den Franzosen zusammenarbeiten. Vier renommierte Onkologie-Zentren sind bereits seit Gründung im März 2022 mit an Bord: Die Berliner Charité, das Gustave Roussy Institute in Paris, das Leon Bérard Center in Lyon sowie das Vall d’Hebron in Barcelona.

Zum Start sollen die Krankenakten von 1.300 Patienten untersucht werden, die mindestes drei bis fünf Jahre nach ihrer Krebserkrankung noch am Leben sind. Spannend wird sein, was die KI in den Daten dieser medizinischen „Ausreißer“ finden wird und was die moderne Forschung daraus machen kann. Der Ansatz ist jedoch schon mal erfrischend – sich nicht auf die Krankheitsmechanismen zu konzentrieren, sondern darauf, wie „man“ wieder gesund wird.

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