Seit gestern ruft die Gewerkschaft Verdi die Vivantes-Beschäftigten zum Streik gegen die „Zwei-Klassen-Belegschaft“ auf. Ob die heutigen Gespräche Einigung versprechen, bleibt fraglich.
Verdi spricht von einer „Zwei-Klassen-Belegschaft“, die man nicht länger hinnehmen möchte. Deswegen wird der Krankenhauskonzern Vivantes seit gestern bestreikt – Erzwingungsstreik nennt es Verdi. Konkret geht es um die tarifliche Gleichstellung der Beschäftigten in den Tochtergesellschaften. Zu den bestreikten Vivantes-Töchtern gehören die Gesellschaften für Reinigung, Küche, Garten- und Haustechnik sowie die Reha. Insbesondere die tarifliche Zusatzrente ist laut Verdi ein Konflikt-Thema, von drohender Altersarmut für viele Vivantes Beschäftigte ist sogar die Rede.
Verdi verweist auf den Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD von 2023, wo „versprochen“ wurde, „dass die Tochterfirmen der landeseigenen Krankenhäuser Charité und Vivantes wieder in die Krankenhäuser integriert werden, um damit die Spaltung der Belegschaft zu beenden.“
Vivantes hält dagegen. Pressesprecher Christoph Lang sagt, dass es in der genannten Koalitionsvereinbarung keinen direkten Bezug auf den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) gegeben habe, wohl aber die Aussage, dass man „für eine schrittweise Angleichung des Tarifniveaus von Tochterunternehmen landeseigener Unternehmen an das Tarifniveau ihrer jeweiligen Mutterunternehmen“ sorgen wolle. Und genau das bietet Vivantes in den laufenden Tarifverhandlungen an, sagt Lang, eine schrittweise Angleichung an 100 Prozent (Tabellen)Entgelt des TVöD bis Januar 2030. „Das entspricht einer Entgeltsteigerung von sieben Prozent schon im laufenden Jahr“, betont Lang. Vor dem Hintergrund des hohen Defizits von Vivantes, der aktuellen wirtschaftlichen Lage und dem angekündigten Sparpaket der Bundesregierung, das die Krankenhäuser hart treffen werde, sei das ein sehr weitgehendes Angebot. „Ver.di hat es bisher abgelehnt, über das Angebot auch nur zu verhandeln. Dafür fehlt uns jedes Verständnis“, sagt Lang.
Verhandlungen heute und Montag
Ein erster Verhandlungstag ist heute angesetzt, ein weiterer soll kommenden Montag folgen. Seit 11 Uhr findet auch eine erneute Kundgebung der Streikenden vor der CDU Landeszentrale statt. Für Verdi-Verhandlungsführerin Jana Seppelt ist jeder Streiktag ein Armutszeugnis für die politisch Verantwortlichen in Berlin: „Wir erwarten von der Vivantes Geschäftsführung, dass sie ihre Blockadehaltung endlich beendet. Vom Berliner Senat erwarten wir, dass er in seiner Funktion als Eigentümer seinen Beitrag leistet für eine Lösung des Tarifkonflikts.“
Vivantes-Sprecher Lang betont indes, dass die Tarifverhandlungen und die Rückführung der Belegschaft aus den Tochtergesellschaften zwei Paar Schuhe sind und letztere nicht Gegenstand der Verhandlungen sein kann. Dies wäre eine politische Entscheidung des Gesellschafters. „Bereits im April 2025 hat dazu eine Arbeitsgruppe der für Gesundheit und Finanzen zuständigen Senatsverwaltungen berichtet, dass die Rückführung unter aktuellen Bedingungen nicht umsetzbar ist“, so Lang.



