Viel Musik in der Biotech-Branche

by | Feb 13, 2024

Anhoren

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Ein Blick auf die Börsen und M&A-Aktivitäten zeigt: Biotech steht dieser Tage nicht nur bei Investoren hoch im Kurs.

 

„Follow the money“ ist ein Ausspruch, der rund um die Watergate-Affäre in den USA entstanden ist – der aber ungeachtet dessen auch in einem anderen Kontext äußert hilfreich ist. Nämlich immer dann, wenn man wissen möchte, wo das so genannte „next big thing“ entstehen könnte.

Und wenn man im Gesundheitswesen dieser Tage dem Geld folgt, landet man zwangsläufig bei Biotech. Vergangene Woche hat beispielsweise Kyverna Therapeutics den Sprung auf das Parket geschafft und damit für ordentlich Aufsehen gesorgt. Das US-Unternehmen konzentriert sich auf die Entwicklung von Zelltherapien für Patienten mit Autoimmunerkrankungen. Und hier hat sich der Bedarf in den vergangenen Jahren rassant gesteigert. Von 2012 bis 2018 ist allein der Anteil gesetzlich krankenversicherter Menschen in Deutschland mit einer Autoimmunerkrankung von 3,5 auf vier Prozent gestiegen. Das heißt, 2018 waren 2,9 Millionen Versicherte betroffen – ein Zuwachs von 500.000 Patienten seit 2012.

Entsprechend hoch ist man bei Kyverna vor dem IPO an die Preisgestaltung gegangen. 14,5 Millionen Stammaktien zu einem Erstausgabepreis von 22 US-Dollar hatte man anvisiert und sich damit einen Bruttoerlös von 319 Millionen US-Dollar erhofft. Ursprünglich war der Verkauf von elf Millionen Aktien in einer Preisspanne von 17 bis 19 US-Dollar geplant. Das die neue Preisspanne allerdings nicht übertrieben war, sollte dann das Börsendebüt bestätigen: In einer Mitteilung nach der Börsennotierung, gab Kyverna bekannt, dass der geplante Bruttoerlös erziel werden konnte. Zudem besteht noch die Möglichkeit, den Erlös um weitere knapp 50 Millionen US-Dollar zu erhöhen, wenn die Zeichner auch das 30-tägige Angebot zum Kauf der weiteren 2,17 Millionen Aktien annehmen. Das Nasdaq-Debüt konnte Kyverna dann sogar mit einem Kurs von 34,25 US-Dollar pro Aktie feiern, also noch einmal einer deutlichen Steigerung gegenüber dem IPO-Preis von 22 US-Dollar. Mittlerweile hat sich der Kurs bei etwa 30 US-Dollar eingependelt.

Auch Merger und Acquisitions nehmen zu

Dass in der Biotech-Branche gerade einiges an „Musik“ drin ist, wie es so schön heißt, zeigt zudem auch ein Blick auf die Übernahmeseite. Der Schweizer Pharmakonzern Novartis will mit der Übernahme der bei München ansässigen Morphosys die eigene Onkologie-Pipeline auffüllen. Anfang Februar hatte Novartis das Übernahmenagebot in Höhe von 2,7 Milliarden Euro gemacht. Aktionäre von Morphosys würden damit 68 Euro pro Aktie von den Schweizern erhalten. Der Angebotspreis entspricht einer Prämie von 94 Prozent, beziehungsweise 142 Prozent auf den volumengewichteten Durchschnittskurs des letzten Monats, respektive der letzten drei Monate zum unbeeinflussten Schlusskurs am 25. Januar 2024 – dem Tag, bevor erste Gerüchte über eine potenzielle Transaktion aufkamen, heißt es aus München. Vorstand und Aufsichtsrat haben für das Angebot gestimmt.

Ob es zu der Übernahme kommt, hängt jetzt von der rechtlichen Prüfung ab. Bei Morphosys geht man von rund acht Wochen aus, bis die Finanzaufsicht Bafin und die Wettbewerbsbehörden das Angebot geprüft haben. Man rechne allerdings nicht mit wettbewerbsrechtlichen Schwierigkeiten, sodass die Übernahme noch in der ersten Jahreshälfte abgeschlossen werden könnte.

Aktuell ist die Aktie von Morphosys – beflügelt durch die Übernahme – ein Aufstiegskandidat für den MDax – aus dem sich das Unternehmen dann allerdings auch genauso schnell wieder verabschieden könnte, wenn die Schweizer übernehmen.

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