Vernetzte Kliniken, wachsende Risiken: Cybersicherheit und Kostendruck in Einklang bringen

von | Juni 1, 2026

Anhoren

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Weniger Komplexität dank integrierter Systeme und mehr Sicherheit bei weniger Aufwand. Was in puncto IT- und Cybersicherheit fast schon zu einfach klingt, ist für Gastautor Thomas Maxeiner von Palo Alto Networks der Weg in die Zukunft, den vor allem Plattformlösungen frei machen. 

 

Das Gesundheitswesen gehört zu den sensibelsten Sektoren der kritischen Infrastruktur. Krankenhäuser verwalten Patientendaten, betreiben vernetzte Medizingeräte und sind auf eine stabile IT-Verfügbarkeit angewiesen. Fällt ein System aus, sind nicht nur Daten gefährdet, sondern auch die medizinische Versorgung und damit Menschenleben. Die EU-Mitgliedstaaten meldeten im Jahr 2023 insgesamt 309 schwerwiegende Cybersicherheitsvorfälle im Gesundheitssektor, mehr als in jedem anderen kritischen Bereich. 54 Prozent der Ransomware-Vorfälle zwischen 2021 und 2023 entfiellen auf Cybersicherheitsvorfälle im Gesundheitswesen. Worauf müssen Krankenhäuser vor diesem Hintergrund der aktuellen Bedrohungen also achten?

Angriffe nehmen zu, Schutz hinkt hinterher

Die Ursachen für die wachsende Angriffsfläche sind struktureller Natur. Ein Forschungsteam des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie SIT hat die IT-Sicherheit von Krankenhausinformationssystemen untersucht und Lücken in der Datenübertragung, der Zugangsverwaltung sowie bei der Verteilung von Software-Updates identifiziert. Dahinter stecken vor allem zwei Probleme: fehlende Ressourcen und über Jahre gewachsene, heterogene IT-Landschaften. Veraltete Geräte, auslaufende Betriebssysteme und fehlende Sicherheitsupdates gehören in vielen Häusern zum Alltag.

Hinzu kommt die rasante Verbreitung vernetzter Medizingeräte. 2024 lag das globale Marktvolumen vernetzter Medizingeräte laut eines Berichts von Emergen Research bei 30,5 Milliarden US-Dollar. Bis 2034 soll es auf 78,2 Milliarden US-Dollar steigen, bei einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 9,6 Prozent. Das betrifft unter anderem Ultraschallgeräte und MRT-Stationen bis hin zu Wearables. Die Geschwindigkeit der Vernetzung übersteigt die Geschwindigkeit der Absicherung. Laut dem Palo Alto Networks „State of OT Security“-Report liegen die Kosten für die Behebung einer einzigen Sicherheitsverletzung bei einem vernetzten Asset zwischen 10.000 und 50.000 US-Dollar.

Knappe Budgets, wachsende Pflichten

IT-Sicherheit ist ein kontinuierlicher Prozess, der Investitionen, Personal und klare Zuständigkeiten erfordert. Verantwortliche stehen dabei unter doppeltem Druck: Die Bedrohungslage verschärft sich, und regulatorische Anforderungen nehmen zu.

Besonders die EU-Medizinprodukteverordnung (MDR) und die zweite EU-Richtlinie zur Netzwerk- und Informationssicherheit (NIS2) erhöhen den Handlungsbedarf. Die MDR verpflichtet Hersteller, Cybersicherheit über den gesamten Lebenszyklus eines Medizinprodukts zu gewährleisten. Für Einrichtungen mit knappen Mitteln ist das eine erhebliche Belastung, zumal Verstöße Bußgelder und Reputationsschäden nach sich ziehen können.

Eine Plattform statt vieler Einzellösungen

Der Incident Response Report 2026 von Unit 42 zeigt, dass 87 Prozent der untersuchten Sicherheitsvorfälle drei oder mehr Angriffsflächen betrafen. Eine fragmentierte Sicherheitsarchitektur ist gegen solche mehrdimensionalen Angriffe strukturell im Nachteil. Der Ausweg aus diesem Dilemma liegt in der Konsolidierung.

Statt isolierter Einzellösungen setzen zukunftsorientierte Einrichtungen auf integrierte Plattformen, die Endpunkte, Identitäten, KI-Anwendungen, Netzwerke, Cloud-Umgebungen und IoMT-Geräte (Internet of Medical Things) gemeinsam abdecken. Solche Plattformen nutzen künstliche Intelligenz, um Anomalien frühzeitig zu erkennen, Risiken zu bewerten und Gegenmaßnahmen automatisiert einzuleiten. Infizierte Geräte werden vom Netz getrennt und verdächtige Datenbewegungen blockiert. Einheitliche Regelwerke und zentrale Dashboards sorgen für Transparenz, ohne dass jedes Ereignis manuell bewertet werden muss.

Weniger Aufwand, bessere Ergebnisse

Der wirtschaftliche Aspekt einer plattformbasierten Strategie ist für Kliniken unter Kostendruck besonders relevant. Integrierte Lösungen senken Lizenzkosten und Schulungsaufwand. Zudem vereinfachen sie die Wartung. Die britische Klinikgruppe Nuffield Health senkte durch den Einsatz einer Plattformlösung den Zeit- und Ressourceneinsatz für ihr Sicherheitsmanagement um 50 Prozent, sicherte mehr als 1.000 Zugangspunkte mit automatisierten Alerts und verzeichnete im ersten Jahr nach der Einführung keine Netzwerkausfälle.

Das steht im direkten Kontrast zu den Kosten eines erfolgreichen Angriffs. Laut dem IBM Cost of a Data Breach Report 2025 belaufen sich die globalen Durchschnittskosten eines Datenlecks im Gesundheitswesen auf 4,88 Millionen US-Dollar, ein Anstieg von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr.

IT-Sicherheit als Teil der Patientenversorgung

Im Krankenhaus sollte IT-Sicherheit ein integraler Bestandteil der Patientenversorgung sein. Wenn Ransomware OP-Pläne blockiert, Labordaten nicht mehr abrufbar sind oder ganze Standorte vom Netz genommen werden müssen, ist die medizinische Versorgung direkt gefährdet. Sicherheit wird zu einem Qualitätsmerkmal, das das Vertrauen von Patienten in eine Einrichtung mitbestimmt.

Kliniken, die frühzeitig auf Plattformlösungen setzen, schaffen operative Freiräume: Sicherheitsteams können strategischer arbeiten, Audits effizienter durchlaufen und neue digitale Dienste sicher einführen.

Der strategische Blick lohnt sich

IT-Sicherheit muss kein Kostentreiber sein. Wer Komplexität abbaut und auf integrierte Systeme setzt, erzielt mit weniger Aufwand bessere Sicherheitsergebnisse. Für Kliniken bedeutet das: keine Einzelmaßnahmen mehr nebeneinanderstellen, sondern strategisch konsolidieren. Sicherheit, Compliance und Wirtschaftlichkeit lassen sich so besser vereinbaren. Der erste Schritt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme der eigenen IT-Landschaft und die Bereitschaft, bestehende Ansätze zu hinterfragen.

 

Thomas Maxeiner ist Director Technical Solutions | Public Sector Germany bei Palo Alto Networks und verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in den Bereichen Cybersecurity, Systems Engineering und Enterprise Software. Zuvor war er unter anderem in verschiedenen Führungspositionen bei McAfee tätig, zuletzt als Director Enterprise Technology Specialists EMEA.

 

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