Verbände warnen vor Versorgungsengpässen im ländlichen Raum

by | Jan 15, 2024

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Kliniksterben, Ärzte- und Personalmangel: Die Frage, wie die Versorgung im ländlichen Raum in Zukunft gestaltet werden soll, wird dringender, warnen verschiedene Verbände.

Es steht nicht gut um die medizinische Versorgung im ländlichen Raum, fürchtet der Deutsche Landkreistag. Es dürfe nicht sein, „dass sich die gesundheitliche Versorgung außerhalb der großen Städte verschlechtert. Das wäre eine Politik vorbei am Großteil der Bevölkerung“, sagte Präsident Reinhard Sager den Zeitungen der Funke Mediengruppe am Sonntag und verdeutlichte damit schon einmal die eigene Position für das heutige Gespräch zwischen Vertretern kommunaler Spitzenverbände und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach zur Klinikreform. Hier fordert Sager vor allem die Sicherheit, dass die Reform nicht zu übermäßigen Einschränkungen in der Fläche führt.

Von dem Treffen müsse ein deutliches Signal an die Krankenhäuser ausgehen, sich weniger um ihr wirtschaftliches Überleben sorgen zu müssen, mahnte Sager. Deren finanzielle Lage sei aktuell „teilweise desaströs“. Es drohten weitere Insolvenzen und die Schließung von Standorten. Deshalb fordert auch Sager konkret kurzfristige finanzielle Hilfen, um die inflationsbedingten Mehrkosten der Krankenhäuser auszugleichen.

Beistand bekommt der Präsident des Deutschen Landkreistages von Michaela Engelmeier, Vorstandsvorsitzende des Sozialverbandes Deutschland. Sie lässt über den LinkedIn-Account des Verbandes verlauten, dass das mengen- und leistungsorientierte System der Krankenhausfinanzierung zu einer dramatischen Schieflage in der stationären Gesundheitsversorgung führe: „Seit Jahren beherrschen Ökonomisierung und Privatisierung diesen sensiblen Bereich unserer Daseinsvorsorge. Deutschland braucht jetzt eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung, bei der die Patientinnen und Patienten im Mittelpunkt stehen.“

Gesundheitsversorgung müsse bedarfsgerecht, qualitativ hochwertig und wohnortnah sein. Vor allem stünde sie aktuell nicht flächendeckend zur Verfügung. Versorgungsangebote würden regional sehr unterschiedlich ausfallen, mit der Konsequenz, dass es in ländlichen und strukturschwachen Gebieten oft eine Unterversorgung, in Ballungszentren hingegen oft eine Überversorgung gebe. „Aber eine zukunftsfähige Versorgung wird nicht allein durch reine Umverteilung der Mittel gelingen. Aktien- und Kapitalgesellschaften verwenden schon viel zu lange Versichertengelder dafür, Renditen zu maximieren, anstatt sie zur Gesundheitsversorgung einzusetzen. Wir appellieren darum an alle, zusammen statt gegeneinander zu arbeiten – für eine bedarfsgerechte, zukunftsfähige und funktionierende Krankenhausversorgung auf dem Land und in der Stadt”, sagt Engelmeier.

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