Venture Capital: Das bringt 2025 für das Gesundheitswesen

von | Jan. 7, 2025

Anhoren

Teilen

 

Die Experten von LRV Health wagen einen Ausblick auf die Themen, die allen voran das US-Gesundheitswesen in diesem Jahr maßgeblich prägen werden.

 

Es sind nur noch wenige Tage bis zur Amtseinführung von Donald Trump, was dieser Tage innen- wie außenpolitisch zu jeder Menge Fragezeichen führt. Auch die Gesundheitsversorgung im Land könnte sich deutlich verändern, fürchtet Ellen Herlacher, Partner bei der in Boston ansässigen Venture Capital Plattform LRVHealth. Auch deshalb behält sie die politischen Gegebenheiten sehr genau im Auge. „Die neue Regierung könnte die Mittel für Medicaid kürzen, was zu einer weiteren Abwanderungswelle von Bevölkerungsgruppen führen könnte, die bisher durch Medicaid abgedeckt waren“, glaubt die Expertin. Möglich wäre es aus Sicht von Herlacher auch, dass kleine und mittlere Unternehmen ihre Rolle als Anbieter von arbeitgeberfinanzierten Gesundheitsplänen neu bewerten und sich stattdessen dafür entscheiden, ihre Mitarbeiter an der Börse durch ICHRA-Programme zu subventionieren.

Herlachers Kollege Josh Flum, Managing Partner bei LRVHealth, glaubt zudem, dass die Apothekenausgaben in diesem Jahr in den politischen Fokus rücken werden. „Der Kostendruck nimmt weiter zu – einerseits aufgrund der wachsenden Zahl neu auf den Markt kommender Therapeutika, andererseits durch die weiter alternde Bevölkerung“, gibt Flum zu bedenken.

Programme unter der Lupe

Für Flum ist deshalb klar, dass die neue Trump-Administration sich vor allem jene Bereiche und Programme vornehmen wird, durch die beträchtliche Summen fließen und die bisher als undurchsichtig galten. Als Beispiele nennt der Experte das Pharmacy Benefit Manager- oder das 340B Drug Pricing-Programm. „Auch bereits eingeleitete Maßnahmen, wie das Medicare Drug Price Negotiation Program des Inflation Reduction Act, werden genau beobachtet werden, um ihre Auswirkungen besser zu verstehen“, sagt Flum.

Die Leittragenden seien Apotheken, wo der Druck auf traditionellen Geschäftsmodelle weiter steigt. Das hatte sich zuletzt bei der großen US-Apothekenkette Walgreens Boots Alliance gezeigt, die derzeit um Private Equity buhlt. Gänzlich schwarz sieht Flum für den Apothekenmarkt jedoch nicht. Er glaubt, dass der Druck durchaus auch zu Innovationen bei Preis-, Vertriebs- und Abwicklungsmodellen führen könnte: „Der Wunsch, mehr Therapeutika zu den Patienten zu bringen, wird eine neue Welle von Investitionen der Pharmaindustrie in Zugang und Patientenservices auslösen, was zu direkteren und kreativeren Partnerschaften zwischen diesen Unternehmen und den Leistungserbringern führt, die letztlich Einfluss auf die medizinische und therapeutische Versorgung der Patienten haben.“

Wagniskapital aufgebraucht

Unabhängig von den politischen Entwicklungen sieht Keith Figlioli, geschäftsführender Gesellschafter von LRVHealth, zwei weitere „bemerkenswerte Trends“ für Investitionen in die digitale Gesundheit in diesem Jahr: „Erstens werden die beträchtlichen Summen, die in den letzten anderthalb Jahrzehnten in Unternehmen des digitalen Gesundheitswesens geflossen sind, langsam verbraucht sein.“ In der Konsequenz würden viele wagnisfinanzierte Unternehmen nun „still und leise“ verschwinden. Als Beispiel nennt Figlioli Überflieger Forward Health, die trotz großer Finanzierungsrunden schlicht schließen mussten. Alternativ werde es einige Fusionen geben, was der zweite große Trend ist, den der VC-Experte sieht. Figlioli glaubt, dass der M&A-Markt im Gesundheitswesen 2025 vollständig erwachen wird, was sich an vielen Ankündigungen bereits auf der diesjährigen JP Morgen Healthcare-Konferenz vom 13. bis zum 16. Januar in San Francisco zeigen könnte. „Danach werden wir im Laufe des Jahres einen starken Aufschwung erleben. In der zweiten Jahreshälfte könnte sich sogar der Markt für Börsengänge von Gesundheitsunternehmen öffnen“, führt Figlioli weiter aus.

Realitätscheck für die KI

Der Chef von LRVHealth mahnt allerdings auch, dass 2025 die Realität viele Zukunftsvisionen einholen könnte – allen voran an der KI-Front, wo viele Pilotprojekte nicht so aufgehen, wie erhofft. Figlioli glaubt, dass sich gerade dort nur wenige Anwendungsfälle dauerhaft durchsetzen und damit in größerem Umfang zum Einsatz kommen werden.

Wo der Experte Potenzial für die KI sieht, ist die klinische Entscheidungsunterstützung: „Es wird einige Zeit dauern, aber diese ersten Anzeichen auf dem Gebiet der klinischen Entscheidungsunterstützung werden einen möglichen Weg aufzeigen, wie man das Problem des Burnouts und des Mangels an Arbeitskräften im Gesundheitswesen langfristig angehen kann.“ Er rät, auf frühe Finanzierungsankündigungen in 2025 zu achten, die diesen frühen, aber wachsenden Trend beleuchten werden.

Das könnte Sie auch interessieren

PNOG: Kollaps vorerst abgewendet

  Nach tagelangem Koalitionsstreit konnte ein Kollaps der Pflegeversicherung vorerst abgewendet werden. Der Beschluss zum Pflegeneuordnungsgesetz zeigt aber auch: grundlegende Reformen werden es schwer haben. Es war das erste größere „Nachbeben“ nach den...

  Nach tagelangem Koalitionsstreit konnte ein Kollaps der Pflegeversicherung vorerst abgewendet werden. Der Beschluss zum Pflegeneuordnungsgesetz zeigt aber auch: grundlegende Reformen werden es schwer haben. Es war das erste größere „Nachbeben“ nach den...