USA: Veränderte Kommunikation fördert Impf- und Wissenschaftsskepsis

von | Mai 5, 2026

Anhoren

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Die veränderte Kommunikation der US-Gesundheitsbehörde CDS sorgt dafür, dass die Impf- und Wissenschaftsskepsis in den USA steigt, zeigt eine aktuelle Studie der Universität Wien.

 

Impfungen hängen weder ursächlich noch statistisch mit Autismus zusammen. Das ist der klare wissenschaftliche Konsens. Das US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. Dazu eine andere Meinung hat, war schon vor seiner Berufung ins Amt klar. Er hat auch dafür gesorgt. Dass die offizielle Kommunikation der US-Gesundheitsbehörde CDC verändert wurde. Dort heißt es jetzt nämlich, dass ein Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus nicht ausgeschlossen werden kann.

Dieser vermeintlich kleine kommunikative Unterschied hat jedoch große Wirkungen, wie ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Universität Wien nun zeigen konnte. In einer groß angelegten Online-Studie mit rund 3.000 Erwachsenen in den USA untersuchten die Forschenden, wie sich diese veränderte Kommunikationsstrategie der US-Gesundheitsbehörde CDC auf die Wahrnehmung von Impfungen und auf die Impfbereitschaft auswirkt. Die Ergebnisse sind klar: Wer die veränderte Mitteilung liest, war weniger bereit sich impfen zu lassen.

Kommunikation wirkt

Für die Studie wurden in einem Experiment die Teilnehmenden verschiedenen Gruppen zugeteilt und bekamen unterschiedliche Versionen der CDC-Homepage zu lesen. Ein Teil der Teilnehmenden las die frühere Version der CDC-Mitteilung, in der der wissenschaftliche Konsens klar benannt wurde: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus. Eine andere Gruppe erhielt die neu eingeführte Version, die Unsicherheit hinsichtlich eines möglichen Zusammenhangs von Impfungen und Autismus betont. Eine dritte Gruppe erhielt keine entsprechende Mitteilung.

Neben der deutlich gestiegenen Impfskepsis zeigte sich auch ein deutlicher Vertrauensverlust in die Gesundheitsbehörde, der die Befürwortung von wissenschaftsfeindlichen Denkweisen fördert. Die gesellschaftlichen Folgen einer solchen Kommunikation sind also vielfältig.

Die Forscherenden plädieren für neue Richtlinien, die eine sorgfältige und evidenzbasierte Kommunikation von Gesundheitsbehörden sicherstellen. Die Ergebnisse wurden aktuell im renommierten Fachmagazin Science veröffentlicht.

Sinkende Impfbereitschaft hat Folgen

„Unsere Studie zeigt, dass die Art der Kommunikation selbst ein Risikofaktor sein kann”, fasst die Psychologin Alina Schneider von der Universität Wien die Ergebnisse zusammen. “Es geht nicht darum, wissenschaftliche Unsicherheit grundsätzlich zu verschweigen. Entscheidend ist, dass sie passend zur tatsächlichen Evidenz kommuniziert wird – besonders bei Themen, zu denen es bereits einen breiten wissenschaftlichen Konsens gibt”, ergänzt Cornelia Betsch von der Universität Erfurt und dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

Denn: Eine sinkende Impfbereitschaft ist nicht folgenlos für die öffentliche Gesundheit. „Selbst ein moderater, aber anhaltender Rückgang der Impfquote könnte zu mehr vermeidbaren Erkrankungen, höherer Belastung des Gesundheitssystems und steigenden gesellschaftlichen Kosten führen”, sagt die ebenfalls an der Studie beteiligte Lau Lilleholt von der Universität Kopenhagen.

Auswirkungen reichen über das Impfthema hinaus

Solche Kommunikationsverschiebungen können jedoch noch breitere gesellschaftliche Folgen haben. Die Mitteilung verringerte nicht nur das Vertrauen der Teilnehmenden in die Gesundheitsbehörde CDC. Zugleich stieg die Zustimmung zu typischen Strategien der Wissenschaftsleugnung – also zu Denkweisen, die Desinformation begünstigen, etwa durch selektives Zitieren von Studien, unrealistische Beweisforderungen oder verschwörungsnahes Denken.

Das Fazit ist klar: Änderungen in der Gesundheitskommunikation sind keine bloßen Formalien, sondern können reale Auswirkungen auf Vertrauen, Einstellungen und Verhalten haben.

„Wenn Unsicherheit kommuniziert wird, sollte dies immer zusammen mit einer klaren Einordnung in den gesamten Forschungsstand und einer eindeutigen Handlungsempfehlung geschehen”, fordert Studienleiter Robert Böhm.

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