USA: Finanzkollaps nach Hackerangriff

by | Mar 7, 2024

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Die Ransomware-Attacke auf den US-Anbieter Change Healthcare sorgt bei Ärzten nun für ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten.

 

Dass Cybersecurity im Gesundheitswesen eine deutlich höhere Priorität eingeräumt werden muss, fordern Experten schon länger. Allen Zweiflern liefert das US-Gesundheitswesen nun einen Grund: Knapp zwei Wochen nach dem Ransomware-Angriff auf die United-Health-Tochter Change Healthcare stecken zahlreiche Ärzte in einer finanziellen Krise. Denn mit dem System, dass die Angreifer lahmgelegt haben, prüfen Ärzte den Versicherungsschutz der Patienten, reichen Anträge ein und werden darüber bezahlt.

Der Druck ist offensichtlich mittlerweile so groß, dass Kliniken und Ärzte die US-Regierung bereits aufgefordert haben, finanzielle Hilfe zu leisten. Die wiederum versprach, ihre Medicare-Vertragspartner zu flexiblen Zahlungsbedingungen zu bewegen.

Praxen vor dem Kollaps

Wie dramatisch die Lage ist, berichten einige Praxen dem Nachrichtendienst Reuters in den USA. Die Finanzchefin einer auf Krebs-, Infektions- und Autoimmunerkrankungen spezialisierten Praxis spricht von einer drohenden Katastrophe. Die Kosten ihrer Praxis lägen zwischen 500.000 und einer Million US-Dollar pro Tag für Chemotherapien und andere intravenöse Medikamente. Die hätte man in den vergangenen Wochen aus dem Cashflow zahlen müssen, der aber irgendwann zu Neige gehe. „Wenn wir das nicht in den Griff bekommen, können wir keine Patienten behandeln, weil wir kein Geld haben, um die Arbeitskräfte zu bezahlen und unsere Türen offen zu halten”, sagte sie.

Nach Angaben der American Medical Association (AMA) sind viele Praxen im ganzen Land seit dem Hack nicht mehr in der Lage, Versicherungsansprüche zur Erstattung einzureichen. United-Health teilte am Dienstag hingegen auf seiner Website mit, dass 90 Prozent der Anträge bearbeitet werden, aber dass es immer noch „eine Reihe” von Anbietern gibt, die keine Anträge einreichen oder keine Zahlungen erhalten können.

Noch nicht alle Systeme wieder am Laufen

Dass die Systeme rund um die Versicherungsansprüche der Mediziner noch nicht wieder laufen, liegt laut United-Health auch daran, dass parallel die Verbindung zum Apothekendienst wieder hergestellt werden muss. Auch dieser Bereich ist von der Cyberattacke betroffen. Man hoffe, dass man hier bereits am heutigen Donnerstag Fortschritte erziele. Von den Beeinträchtigungen im Apotheken-System sind vor allem die Patienten betroffen, da viele der Einzelhandels-Apotheken in den USA seit dem Hack Probleme mit den Rezepten haben.

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