US-Senatsausschuss bestellt Pharma-CEO ein

by | Feb 9, 2024

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Drei Vorstandsvorsitzende von großen Pharma-Konzernen mussten dem US-Senat Rechenschaft über Medikamentenpreise ablegen. Zugeständnisse wurden keine gemacht.

 

Die USA müssen die Kosten für ihr Gesundheitssystem dringen reduzieren und Medikamentenpreise sind eine mögliche Stellschraube. Deshalb wurden nun die drei CEO von Bristol Myers Squibb, Merck und Johnson & Johnson nun vor den Senatsausschuss für Gesundheit, Bildung, Arbeiten und Renten (HELP) zitiert. Brisant: Merck-CEO Robert Davis und der Chef von Johnson & Johnson, Joaquin Duato, haben erst nach Androhung einer Vorladung zugesagt.

Der Streitpunkt zwischen den Pharma-Unternehmen und dem US-Senat: Die Preise für identische Medikamente sind in den USA auf einem deutlich höheren Niveau als in anderen Ländern. Der US-Radiosender WHBY hat im Vorfeld der Anhörung einmal recherchiert, dass der Blutdrucksenker Januvia in Frankreich etwa 200 US-Dollar kostet, in den USA hingegen 6.900 US-Dollar.

Und genau das war das Ziel des Vorsitzenden des HELP-Ausschusses Senator Bernie Sanders: Die Manager dazu verpflichten, die Preise auch in den USA auf das niedrigere Niveau anderer Länder zu senken. Geglückt ist das im Rahmen der gestrigen Sitzung nicht. Die CEO räumten zwar ein, dass sie auch in den Ländern mit deutlich niedrigeren Preisen noch Gewinne machen, Preissenkungen wollte dennoch keiner von ihnen versprechen. Vielmehr machten sie die sogenannten Pharmacy Benefit Manager (PBM) für die hohen Preise verantwortlich. Sie sind eine Art Zwischenhändler, die mit den Arzneimittelherstellern verhandeln. Sanders konterte, indem er die Milliardengewinne der Pharmakonzerne ansprach, die in Aktienkäufe und Dividenden geflossen seien – und zwar in deutlichem höherem Ausmaß als in Forschung und Entwicklung.

Politisch aufgeheizt ist die Debatte auch deshalb, weil die Biden-Regierung aktuell für den staatlichen Gesundheitsplan Medicare über Medikamentenpreise verhandelt. Hier geht es insbesondere um den Inflation Reduction Act für Menschen ab 65 – eine Entlastung, die beispielsweise für die Bevölkerung, die beispielsweise auch in Australien sehr gut funktioniert.

Gestartet sind die Verhandlungen erst dieses Jahr und auch erst für zehn verschreibungspflichtige Medikamente. In Kraft treten sollen die Preise dann 2026. Die Pharmaindustrie hatte sich lange dagegen gewehrt, die US-Regierung nach Verabschiedung des Gesetzes sogar verklagt – Bristol Myers Squibb, Merck und Johnson & Johnson gehörten dazu.

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