US-Gesundheitsausgaben: „Untragbar für Patienten, Arbeitgeber und Steuerzahler“

by | Feb 1, 2024

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Die erste Anhörung des Unterausschusses für Gesundheit des laufenden Jahres offenbart: Die Kosten, die das amerikanische Gesundheitssystem produziert, sind exorbitant hoch.

 

Es ist klingt zunächst nicht nach der ganz großen News: Der Unterausschuss für Gesundheit als Teil des US-Committee on Energy and Commerce hat gestern seine erste Sitzung des laufenden Jahres abgehalten. Dennoch lohnt es sich, genauer hinzuhören, was dort besprochen wurde. Denn wie der Vorsitzende Brett Guthrie in seiner Eröffnungsrede richtig betont, hat der Unterausschusses für Gesundheit einen der wichtigsten Jobs im US-Kongress – nämlich rund ein Fünftel der US-Wirtschaft zu beaufsichtigen.

Kein ganz leichtes Unterfangen, wie ein Blick auf die Ausgabenseite zeigt. Denn dort stehen 4,5 Billionen US-Dollar für das Jahr 2022. Guthrie und die Kollegen im Ausschuss rechnen damit, dass diese Kosten in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich noch schneller wachsen als das amerikanische Bruttoinlandsprodukt (BIP). „Wenn wir unter die Motorhaube schauen, können wir sehen, wie sich die Gesundheitsausgaben aufteilen: Krankenhäuser machen über 30 Prozent der Gesamtausgaben aus, ärztliche Leistungen etwa 20 Prozent und verschreibungspflichtige Medikamente weniger als 10 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben“, schlüsselt Guthrie auf.

Weiterhin rechnet man in den USA damit, dass das durchschnittliche Prämienwachstum auf dem privaten Markt zwischen 2024 und 2035 fünf Prozent pro Versicherten erreichen wird – nachdem die Medicaid-Ausgaben zwischen 2019 und 2022 bereits um 31 Prozent gestiegen sind. „Diejenigen, die über einen vom Arbeitgeber finanzierten Versicherungsschutz verfügen, müssen in der Folge mehr für ihre Gesundheitsversorgung zahlen oder können weniger Geld mit nach Hause nehmen, wenn sie sich für eine umfassendere Gesundheitsversorgung entscheiden“, analysiert Guthrie. Im Fall der Medicaid-Ausgaben würde es bedeuten, dass die Gesetzgeber der Bundesstaaten gezwungen sind, schwierige Entscheidungen zu treffen, ob sie bestimmte Gesundheitsdienste für gefährdete Patienten oder andere Kernfunktionen wie Bildungsdienste kürzen.

Versicherungssystem überdenken

Was die Zahlen nach Einschätzung des Unterausschusses außerdem deutlich zeigen: Es sei an der Zeit, einen anderen Weg zu gehen. „Derzeit liegt das durchschnittliche Haushaltseinkommen in den Vereinigten Staaten bei 74.580 Dollar. Der durchschnittliche Selbstbehalt für einen ACA-Referenzplan (Anmerkung der Redaktion: ACA steht für Affordable Care Act) im Jahr 2024 beträgt 5.241 Dollar. Das bedeutet, dass eine hart arbeitende Person im Durchschnitt 7,5 Prozent ihres Jahreseinkommens für die Gesundheitsversorgung ausgeben muss, bevor ihr Versicherungsschutz eine sinnvolle finanziellen Absicherung bietet“, rechnet Guthrie weiter vor. Oberstes Ziel sei es, die Kosten auf breiter Front zu senken und das können nur funktionieren, wenn alle Interessensvertreter über die Parteigrenzen hinweg zusammenarbeiten.

Die Vorsitzende des Energy and Commerce Committees Cathy McMorris Rodger glaubt, einen ersten Schritt zur Kostensenkung identifiziert zu haben: mehr Preistransparenz und führt die Sehkraft-Versicherung als Beispiel an. Hier würden dieselben Unternehmen die Produktion von Brillenfassungen und Brillengläsern kontrollieren, fast alle Labore besitzen und betrieben, die Ärzte beschäftigen und die unabhängigen Praxen besitzen. Ein klassisches Preismonopol, wo die mangelnde Transparenz höhere Behandlungskosten nach sich zieht. „Es gibt viele solcher Beispiele, weshalb wir die heutige Anhörung abhalten, um zu untersuchen, wie viel wir für verschiedene Teile des Gesundheitssystems ausgeben, und um mögliche Lösungen zu diskutieren, um die Kosten zu senken und Geld zurück in die Taschen der hart arbeitenden Amerikaner zu stecken“, sagt Rodgers.

Eine Sitzung des Ausschusses wird dafür aber vermutlich nicht reichen. Es braucht wie Guthrie richtig konstatiert einen starken politischen Änderungswillen. Und ob sich der in einem Wahlkampfjahr – vor allem in einem mit viel Polemik – finden lässt, ist fraglich. Dass die Gesundheitspolitik bei den Zahlen jedoch zum Wahlkampfthema werden wird, ist indes fast sicher.

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