US-Behörden Strafen Telehealth-Unternehmen hart ab

by | Apr 16, 2024

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Nach immensen Datenschutzverletzungen und unlauteren Kündigungspraktiken muss der US-Telehealth-Anbieter Cerebral mindestens sieben Millionen US-Dollar Strafe zahlen.

 

Es ist ein deutliches Signal, das die amerikanische Federal Trade Commission (FTC) und das Justizministerium nun an die Verbraucher im Land gesendet haben: Telemedizin-Anbieter Cerebral, spezialisiert auf mentale Gesundheit, muss nun sieben Millionen US-Dollar Strafe zahlen, weil er sensible und persönliche Gesundheitsdaten seiner Nutzer für Werbezwecke missbraucht hat.

Ende letzten Jahres wurde bekannt, dass das Unternehmen die Daten von 3,1 Millionen Patienten – darunter auch Bewertungen zur psychischen Gesundheit – an Werbetreibende und Social-Media-Plattformen wie Facebook, Google und TikTok weitergegeben hat. Cerebral räumte nun ein, dass Namen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Geburtsdaten, IP-Adressen und andere demografische Daten sowie Daten aus der Online-Selbsteinschätzung zur psychischen Gesundheit betroffen sind.

Dem haben Verbraucherchutz und Justiz nun einen Riegel vorgeschoben: „Wie in der Beschwerde der FTC dargelegt, hat Cerebral die Privatsphäre seiner Kunden verletzt, indem es deren sensiblen psychischen Gesundheitszustand im Internet und auf dem Postweg preisgab”, sagte die FTC-Vorsitzende Lina M. Khan. „Um diesem Missbrauch zu begegnen, ordnet die FTC ein erstmaliges Verbot an, das Cerebral die Verwendung von Gesundheitsdaten für die meisten Werbezwecke untersagt.”

Fragwürdiges Geschäftsmodell

Dass überhaupt Patienten die Online-Dienste von Cerebral nutzen, ist überraschend. Denn einmal registriert, stecken die Patienten in einem Art Abo-Modell, für das sie ohne Kündigung fortlaufend zahlen, egal, ob sie Services in Anspruch nehmen. Außerdem müssen für die Registrierung eine Menge persönlicher Daten angegeben werden, darunter die Privat- und E-Mail-Adressen, Geburtsdaten, Krankengeschichten und Rezepte, Zahlungskonto- oder Führerscheinnummern sowie Informationen über Behandlungspläne, Apotheken- und Krankenversicherungspläne und andere personenbezogene Daten wie ihre religiösen oder politischen Überzeugungen oder ihre sexuelle Orientierung.

Bei dermaßen vielen Daten liegt die Vermutung eines Missbrauchs nahe, weshalb der ehemalige CEO von Cerebral, Kyle Robertson, sich ebenfalls den Vorwürfen stellen muss, Datenschutzvorgaben nicht eingehalten und bei Kündigungsrichtlinien getäuscht zu haben. Die Vorwürfe gegenüber Cerebral und Robertson gehen sogar soweit, dass gegen den Opioid Addiction Recovery Fraud Prevention Act of 2018 (OARFPA) verstoßen wurde, indem unlautere und betrügerische Praktiken in Bezug auf Behandlungsdienste für Substanzkonsumstörungen angewandt wurden.

Vorbehaltlich der Zustimmung des zuständigen Gerichts muss Cerebral rund 5,1 Millionen US-Dollar zahlen, um Kunden für die teilweise betrügerischen Stornierungspraktiken zu entschädigen. Die zivilrechtliche Strafe wurde auf zehn Millionen US-Dollar festgesetzt, die allerdings nach Zahlung von zwei Millionen US-Dollar ausgesetzt wird, da das Unternehmen den vollen Betrag nicht aufbringen kann. Die Vermutung liegt nahe, dass Cerebral diese Konfrontation mit den US-Behörden wirtschaftlich nicht überleben wird.

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