United Health: Riese im US-Gesundheitswesen

von | Nov. 22, 2024

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Spätestens seit dem Cyberangriff auf Change Healthcare ist US-Versicherer United Health auch in Deutschland bekannt. Nun klagt das Justizministerium, weil sich der Gesundheitsriese in der häuslichen Krankenpflege breit macht.

 

Was „too big to fail“ bedeutet, wissen wir seit der Finanzkrise, wo einige US-Banke gerettet werden mussten, die sich im Hypothekengeschäft verzockt hatten. Mit United Health haben die USA mittlerweile allerdings auch einen Player im Gesundheitswesen, der, wenn er denn strauchelt, ohne Übertreibung das ganze Land mit sich reißt. Genau das ist im Februar mit dem Cyberangriff auf die United Health-Tochter Change Healthcare passiert. Er jetzt, neun Monate nach der Ransomware-Attacke, seien die Clearinghouse-Dienste vollständig wiederhergestellt, teilte der Abrechnungsdienstleister gerade mit. Und dennoch ist nach wie vor in einigen Bereichen nur ein Teildienst drin. Die Kosten des Vorfalls belaufen sich mittlerweile auf 2,5 Milliarden US-Dollar – Tendenz steigend. Und United Health musste sogar ein Darlehensprogramm einrichten, um die finanzielle Schieflage einiger Anbieter abzufangen. 8,5 Milliarden sind hier geflossen. Viele Gesundheitsdienstleister sind mittlerweile allerdings zu anderen Abrechnungsdienstleistern abgewandert, weshalb Change Healthcare nun langsam versuchen muss, Geschäftsanteile zurückzugewinnen.

Übernahme in der häuslichen Pflege geplant

Indes ist die umtriebige Mutter United Health mit neuen Übernahmeideen beschäftigt, die nun sogar das US-Justizministerium auf den Plan gerufen haben. Gemeinsam mit den vier Bundesstaaten Marylad, Illinois, New Jersey und New York hat die Behörde Anfang des Monats sogar Klage eingereicht, um die Fusion zwischen der United Health-Tochter Optum und Amedisys, einem großen Anbiter von häuslicher Pflege und Hospizdiensten, noch zu verhindern. Die Übernahme steht seit 2023 im Raum. 3,3 Milliarden US-Dollar wären United Health die 500 Standorte in 32 US-Bundesstaaten von Amedisys wert.

Mit der Übernahme würde United Health dann rund 30 Prozent des Marktes kontrollieren, heißt es in der Klage, was quasi ein „Ausschalten“ des Wettbewerbs sei, der bislang die Versorgungsqualität hochhalte und für bessere Lähne sorge. „Wir klagen gegen diesen Zusammenschluss, weil Patienten in der häuslichen Krankenpflege und in Hospizen sowie deren Familien, die einige der schwierigsten Momente ihres Lebens erleben, erschwingliche und qualitativ hochwertige Pflegeoptionen verdienen“, sagte Generalstaatsanwalt Merrick B. Garland. „Das Justizministerium wird nicht zögern, rechtswidrige Konsolidierung und Monopolisierung auf dem Gesundheitsmarkt zu kontrollieren, die schutzbedürftigen Patienten, ihren Familien und den Beschäftigten im Gesundheitswesen zu schaden drohen.“

„Zusammenschluss wäre wettbewerbsfördernd“

Naturgemäß sieht das die United Health Group anders. Hier bewertet man die Fusion von Amedisys und Optum als wettbewerbs- und innovationsfördernd. „Wir werden uns energisch gegen die überzogene Auslegung der Kartellgesetze durch das Department of Justice wehren.“ Vermutlich hat auch der Ransomware-Angriff auf Change Healthcare dafür gesorgt, dass das Justizministerium aktiv wird. Denn dort hatte man bereits 2022 versucht, die Übernahme des Abrechnungsdienstleisters durch United Health zu verhindern. Ob damit auch die Gesundheitsdaten der 100 Millionen Amerikaner geschützt worden wären, ist heute natürlich reine Spekulation. Denn es waren am Ende eine fehlende Multifaktor-Authentifizierung und die insgesamt veralteten Systeme von Change Healthcare, die den Angriff überhaupt möglich gemacht haben.

Und auch hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Denn aktuell untersucht das Office for Civil Rights des US-Gesundheitsministeriums, ob Change Healthcare vor dem Ransomware-Angriff die HIPAA-Vorschriften vollständig eingehalten hat. Allerdings könnte es noch Jahre dauern, bis diese Untersuchung abgeschlossen ist. Denn genau wie noch nicht alle Systeme wiederhergestellt sind, hat Change Healthcare auch erst rund acht Monate nach dem Vorfall die tatsächliche Anzahl der betroffenen Patienten genannt. Im ursprünglichen Report waren einmal 500 genannt.

In jedem Fall zeigt der Fall United Health auf, welche Risiken mit einer derartigen Größe für das Gesundheitswesen einhergehen. Zwar hat die auch Vorteile – etwa die tiefen Taschen, aus denen scheinbar mühelos Darlehensprogramme und Angriffskosten bedient werden – unterm Strich scheint die Sorge des US-Justizministeriums jedoch berechtigt.

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