Uniklinik Ruppin in Schieflage

by | Dec 5, 2023

@ukrb

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Ein drohender Millionenverlust zwingt die Uniklinik Ruppin zur Schließung von zwei Fachabteilungen – nicht die erste Klinik in Brandenburg, die ihre Versorgung einschränken muss.

 

Was ist los in Brandenburg? Mit dem Universitätsklinikum Ruppin schränkt eine weitere Klinik im Bundesland ihre Versorgung ein. Als Grund nennt der Betreiber Pro Klinik Holding hohe finanzielle Verluste. Für 2023 rechnet man bislang mit einem Minus von 8,3 Millionen Euro, für 2024 mit einem ähnlich hohen Verlust. Um hier vorzubeugen, werden zum Jahresende die beiden Fachabteilungen für Hals-Nasen-Ohrenerkrankungen und für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie geschlossen. Mit den betroffenen Mitarbeitern rede man derzeit.

Gunnar Pietzner, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, macht die unzureichende Krankenhausfinanzierung für die millionenschweren Fehlbeträge verantwortlich: „Wir sehen die Fortsetzung einer Abwärtsspirale. Der kontinuierlichen Verschlechterung der Rahmenbedingungen für die Leistungserbringung der Krankenhäuser durch überproportional steigende Kosten und Aufwände für die medizinische Versorgung, Regulierung und Bürokratie steht eine stagnierende, inflationsbedingt rückläufige Erlössituation gegenüber.“

Nicht die erste Klinik in Brandenburg

Mit dieser Einschätzung steht Pietzner nicht alleine da. Erst Mitte November hat das brandenburgische Elbe-Elster Klinikum aufgrund finanzieller Schwierigkeiten Einschränkungen in der Versorgung bekanntgeben müssen. An einem der drei Standorte, konkret in Finsterwalde, wird die stationäre Versorgung bis auf die psychiatrische Abteilung sowie eine medizinische Basis- und Notfallversorgung komplett eingestellt. Am Standort Herzberg werde die Gynäkologie, die Geburtshilfe sowie die Pädiatrie eingestellt. Das Defizit dort: rund neun Millionen im laufenden Jahr. Die Auslastung an den drei Standorten läge hingegen nur bei 50 Prozent.

Ende November hat zudem das Krankenhaus am Naemi-Wilke-Stift in der Grenzstadt Guben im Landkreis Spree-Neiße mit sofortiger Wirkung die Notfallversorgung eingeschränkt. Ab sofort wird dort von 20 Uhr bis 8 Uhr am Folgetag nur die gesetzliche Mindestbesetzung für Notfälle vorgehalten. Auch hier sind Finanzierungsprobleme der Grund.

Brandenburg: Stimmungsbarometer für den Rest der Republik?

Die Probleme der Kliniken in Brandenburg verdeutlichen mehrere Aspekte: Zum einen haben wir in Deutschland mittlerweile ein massives Problem, eine qualitativ hochwertige stationäre Versorgung in der Fläche aufrechtzuerhalten. Denn Brandenburg ist mit 2,57 Millionen Einwohner zwar das zehntgrößte Bundesland, hat rund um Berlin aber eindeutig einen „Speckgürtel“. Ansonsten sähe die Einwohnerzahl von 87 pro Quadratkilometer vermutlich anders aus. Zum Vergleich: Rein rechnerisch leben in Deutschland 232 Menschen pro Quadratkilometer.

Das zweite Problem, das sich auch anhand dieser drei Beispiele herauskristallisiert und das neben den Verantwortlichen in den Kliniken unter anderem auch die Landesärztekammer Brandenburg mit Nachdruck fordert: Wir brauchen eine rasche Umsetzung der Krankenhausreform mit entsprechender Sicherheit für die Versorgung in der Fläche – inklusive einer Vorschaltfinanzierung, um die aktuell gravierenden finanziellen Engpässe zu überbrücken. Kammerpräsident Dipl.-Med. Frank-Ullrich Schulz spricht für Brandenburg bereits von einem Schaden für die Patientenversorgung durch die unzureichende Finanzierung.

Hellhörig sollte Bundesgesundheitsminister Lauterbach vor allem auch deshalb werden, weil es im Fall Ruppin eine Universitätsklinik getroffen hat. Und die sollen in seiner Vision einer Krankenhausreform ja so etwas wie der Kern sein, um den sich viele kleinere (Versorgungs)Satelliten dann drehen. In jedem Fall zeigt die Causa Brandenburg, dass es Zeit wird, in Punkto Krankenhausreform von der Theorie in die praktische Umsetzung zu kommen, sonst drohen vermutlich weitere Schließungen.

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