An der Universitätsmedizin Göttingen setzt man auf den israelischen Anbieter MDClone und seine ADAMS-Plattform für die Weiterentwicklung des Datenintegrationszentrums.
Klinische Daten für Forschung, Versorgung und Qualitätsmanagement sollen an der Universitätsmedizin Göttingen künftig einfacher und sicherer nutzbar sein. Dafür setzt man nach eigenen Angaben als erstes Krankenhaus in Deutschland und der Europäischen Union auf die ADAMS-Plattform des israelischen Anbieters MDClone. Die Plattform soll auf das bestehende Datenintegrationszentrum UMG-MeDIC aufsetzen und dann alle Daten zusammenführen.
Die UMG übernimmt damit ein Modell der Datennutzung, das bereits an führenden internationalen Gesundheitseinrichtungen – etwa an der UChicago Medicine, dem Manchester University NHS Foundation Trust oder dem Sheba Medical Center – eingesetzt wird.
„Mit ADAMS wollen wir unsere Dateninfrastruktur noch stärker für unsere Mitarbeitenden nutzbar machen“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Brück, Sprecher des Vorstandes, Vorstand Forschung und Lehre und Dekan der Medizinischen Fakultät der Universitätsmedizin Göttingen.
Daten als Zukunftsfaktor
Gerade in einem zunehmend anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeld wird Innovation zu einem entscheidenden Faktor für die Zukunftsfähigkeit von Krankenhäusern, ist man in Göttingen überzeugt. „Daten können uns dabei helfen, Versorgungsprozesse besser zu verstehen, Verbesserungspotenziale zu identifizieren und medizinische Qualität und Wirtschaftlichkeit datenbasiert gemeinsam weiterzuentwickeln“, führt Prof. Brück weiter aus.
ADAMS steht für: Ask (Fragen), Discover (Entdecken), Act(Handeln), Measure (Messen) und Share. Der israelische Anbieter MDClone ist mit ADAMS vor allem in den USA, Kanada und Israel bereits breit in Kliniken im Einsatz.
Die Plattform bietet Mitarbeitern die Möglichkeit, longitudinale klinische Daten in einem kontrollierten und sicheren Rahmen eigenständig zu explorieren und Fragestellungen zu untersuchen, ohne für jede Analyse auf zentrale IT- oder Analytics-Ressourcen angewiesen zu sein. Damit sollen Daten schneller für Forschungsfragen, die Weiterentwicklung von Behandlungspfaden, Qualitätsverbesserungen und die Analyse klinischer Prozesse genutzt werden können.
Synthetische Daten für stärkeren Datenschutz
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf synthetischen Daten. Die ADAMS-Plattform kann auf Basis realer klinischer Daten synthetische Datensätze erzeugen, die deren statistische Eigenschaften abbilden, ohne reale Patientendatensätze weiterzugeben. Damit ergeben sich zusätzliche Möglichkeiten für Forschung, die Entwicklung und Erprobung von KI-Anwendungen sowie für Kooperationen mit anderen wissenschaftlichen Einrichtungen und externen Partnern.
„Deutschland hat mit der Medizininformatik-Initiative eine starke Grundlage für die Nutzung klinischer Daten geschaffen. Jetzt geht es darum, aus dieser Infrastruktur möglichst viel Nutzen für Forschung und Versorgung entstehen zu lassen“, sagt Bruno Lempernesse, CEO von MDClone. „International sehen wir, wie sich Gesundheitssysteme von der reinen Bereitstellung von Daten hin zu einer aktiven, organisationsweiten Datennutzung entwickeln. Die Universitätsmedizin Göttingen geht diesen Weg nun als erste Einrichtung in Deutschland und der EU.“
UMG-MeDIC wurde im Rahmen der bundesweiten Medizininformatik-Initiative (MII) aufgebaut. Mit ADAMS entwickelt die UMG diese bestehende Infrastruktur konsequent weiter und ergänzt sie um eine Nutzungsebene für Forschung, Versorgung und Qualitätsmanagement. Damit sollen die getätigten Investitionen auch über Förderperioden hinaus nachhaltig Wirkung entfalten.


