Umfrage: Pharmaindustrie unzufrieden mit Wirtschaftsstandort

von | Apr. 13, 2026

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Eine Umfrage der Branchenorganisationen VAA und DECHEMA zeigt: Fach- und Führungskräfte der Chemie- und Pharmaindustrie wünschen sich eine andere Standortpolitik.

 

Die Antworten sprechen eine deutliche Sprache. Der Verband angestellter Akademiker und leitender Angestellter der chemischen Industrie e.V. (VAA) sowie DECHEMA – Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V. haben ihre Mitglieder zum Wirtschaftsstandort Deutschland befragt. Und die Stimmung ist getrübt. Vor allem aufgrund der anhaltenden Energiekrise, die durch den Iran-Krieg noch einmal deutlich verschärft wurde, drohe der Chemie- und Pharmaindustrie ein weiteres Jahr ohne Perspektive, glauben die befragten Mitglieder.

Direkt nach den Energiekosten folgt laut Umfrage allerdings auch schon die Bürokratie als Hemmnis für Wachstum und Innovation. Für den zweiten Vorsitzenden des VAA Dr. Christoph Gürtler ist das insofern brisant, weil sich die aktuellen Ergebnisse mit denen aus 2025 decken. Er sagt, dass industriepolitisch damit ein Jahr verloren gegangen sei: „Wir laufen Gefahr, hochqualifizierte, für die deutsche Resilienz wichtige Arbeitsplätze in Deutschland nicht mehr sichern zu können. Daher brauchen wir endlich eine Standort- und Wirtschaftspolitik, die nicht weiter kleckert, sondern klotzt.“

Außerdem gibt der VAA zu bedenken, dass der Krieg im Iran erst nach der Befragung eskaliert ist, das Stimmungsbild dürfte sich damit weiter verdunkelt haben. Die Ergebnisse wurden zwischen Dezember 2025 und Februar 2026 erhoben.

Positiver Standortfaktor: Fachkräfte

Es gibt aber auch Licht innerhalb der Umfrageergebnisse. Leicht im Aufwind im Vergleich zur Bewertung aus dem vergangenen Jahr sehen die Fach- und Führungskräfte die Verkehrs- und Digitalinfrastruktur sowie die Verfügbarkeit von Fachkräften. Die vorhandene Produktionsinfrastruktur und das Ausbildungsniveau der Fachkräfte wurden erneut als wichtige Standortfaktoren positiv bewertet.

Stärken und Schwächen sehen die Umfrageteilnehmenden bei der Positionierung der deutschen Chemie- und Pharmabranche im internationalen Wettbewerb: Während die Ausbildung im MINT-Bereich von fast 60 Prozent der Befragten als im Vergleich sehr gut oder eher gut bewertet wird, sind es im Hinblick auf die Erneuerungsfähigkeit nur 14 Prozent.

„Unsere größte Stärke sind die exzellent ausgebildeten und kreativen Köpfe in unserem Land“, erklärt DECHEMA-Geschäftsführer Dr. Andreas Förster. „In ihnen steckt die Innovationskraft, die wir für die Erneuerung des Standorts brauchen.“ Damit sie sich entfalten könne, müssen jedoch die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. „Die Umfrage ist deshalb kein Grund zur Resignation, sondern ein klarer Auftrag: Jetzt gilt es, die Voraussetzungen zu schaffen, damit technologische Lösungen entstehen, die unsere Wettbewerbsfähigkeit sichern. Darin liegt der Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft.“

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