Umfrage: KI statt Arzt?

von | Juli 14, 2026

Anhoren

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Für fast jeden dritten Befragten ist es vorstellbar, nach einer KI-Diagnose auf den Arztbesuch zu verzichten, zeigt nun eine repräsentative Studie der Pronova BKK.

 

 

46 Prozent der Deutschen fragen vor dem Arztbesuch die KI nach einer Diagnose – 36 Prozent sogar mehrfach. Das zeigen die Ergebnisse der repräsentativen Studie „KI-Nutzung im privaten Alltag 2026“ der Pronova BKK, für die rund 3.500 Männer und Frauen ab 18 Jahre befragt wurden. Für insgesamt 62 Prozent der Befragten ist es demnach zumindest vorstellbar, ihr gesundheitliches Problem manchmal ausschließlich mit dieser medizinischen KI-Diagnose zu lösen, statt in die Arztpraxis zu gehen. Die Hälfte davon hat schon sogar nach der KI-Befragung teilweise häufiger auf einen Arztbesuch verzichtet.

Vor allem für jüngere Generationen werden Diagnosen von ChatGPT und Co. selbstverständlicher. 54 Prozent der 18- bis 29-Jährigen haben die KI dem Besuch in der Praxis bereits vorgezogen. Und besonders überraschend: Selbst von denjenigen, die doch in die Sprechstunde gehen, sind nicht alle überzeugt von der Einschätzung der Fachleute. 62 Prozent der unter 30-Jährigen haben eine Empfehlung der Medizinerinnen und Mediziner schon von der Technologie überprüfen lassen.

Dr. med. Anke Hurst, Fachärztin für Innere Medizin und Beratungsärztin bei der Pronova BKK, sieht hier allerdings eine große Gefahr: „KI kann veraltete, unvollständige und schlicht falsche Informationen liefern, denn sie arbeitet oft nicht mit geprüften Quellen und aktuellen Leitlinien. Darüber hinaus kennt sie nur die von Patientinnen und Patienten eingegebenen Daten. Wenn wichtige Angaben fehlen, weil Nutzende sie nicht als relevant erachten, kann auch die Antwort nicht zuverlässig sein.”

KI keine Frage des Alters

Was die Umfrage außerdem zeigt: Auch ältere Generationen nutzen KI für Gesundheitsfragen – wenn auch noch nicht so exzessiv die die Jüngeren. Insgesamt nutzen 86 Prozent der unter 30-Jährigen KI für gesundheitliche Fragen, doch auch schon rund jede und jeder vierte über 60-Jährige bittet ChatGPT und Co. um medizinischen Rat. Und: 87 Prozent der Nutzenden, die bereits gesundheitlichen Rat bei einer KI eingeholt haben, sind mit diesen Empfehlungen auch zufrieden. Wer trotz KI-Befragung den Weg in die Arztpraxis gefunden hat, hat nicht selten unterschiedliche Informationen von Mensch und Maschine erhalten. In diesen Fällen folgt etwa jede und jeder Vierte der KI und ignoriert die Empfehlung der Ärzteschaft. Bei den 50- bis 59-Jährigen, die KI und Ärzteschaft befragt haben, ist es sogar rund jede und jeder Dritte.

„Heute fragen viele die KI, weil sie leicht verfügbar ist und schnell verständliche Antworten liefert. Menschen tendieren dazu, Ergebnissen von Maschinen zu vertrauen. Die ausformulierten Erklärungen klingen oft sehr überzeugend und erwecken einen verlässlichen Eindruck. Aber dieser Eindruck kann täuschen”, betont Dr. med. Anke Hurst noch einmal. „Daher gilt: Nicht blind auf die KI vertrauen, bei ungewöhnlichen Beschwerden im Zweifel lieber einmal mehr ärztlichen Rat einholen als einmal zu wenig.”

KI erklärt verständlicher

Immerhin finden die Befragten den Rat der Ärzteschaft zuverlässiger als den der KI. Allerdings liegt der große Vorteil der KI aus Sicht der Befragten in der verständlichen Erklärung und der Möglichkeit, ausführlicher nachfragen zu können. Das sehen übrigens mehr Frauen als Männer und mehr der über 60-Jährigen so. 40 Prozent der Älteren, die KI bereits für medizinische Fragestellungen genutzt haben, empfinden es bei der Technologie als einfacher, ausführlich nachzufragen. Dafür hat auch die Pronova BKK-Beratungsärztin Verständnis: „Nicht alle sind geübt oder trauen sich, in Arztgesprächen Unklarheiten direkt anzusprechen.“ Eine medizinisch geprüfte KI könnte demnach ohne Zeitdruck Begriffe erklären, Informationen wiederholen und helfen, Wissen zu vertiefen. „Da bietet sich Potenzial für die Zukunft“, ist Dr. Hurst überzeugt. Wirklich wichtige Fragen sollten trotzdem direkt mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin geklärt werden. Denn er oder sie kann einschätzen, welche Informationen für die jeweilige Person in ihrer Situation relevant sind.

Für den nächsten Arztbesuch hat die Beratungsärztin daher einen Tipp: „Fragen aufschreiben, zum nächsten Praxisbesuch mitnehmen und auch die Antworten notieren.” Denn auch das zeigt die Umfrage: Kommen Patientinnen und Patienten mit ihren Fragen in die Praxis, machen sie gute Erfahrungen. 56 Prozent sehen als großen Vorteil gegenüber der KI, dass Arzt oder Ärztin mehr Verständnis für die persönliche Situation aufbringen. Zudem sind 55 Prozent der Befragten der Ansicht, die Informationen der Ärzteschaft sind zuverlässiger – nur zehn Prozent sagen das über die KI. Somit spüren die Deutschen bereits, dass sie bei ernsten medizinischen Themen besser nicht nur auf die Technologie setzen sollten.

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