Übernahmen dominieren den Apothekenmarkt

von | Sep. 5, 2024

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Neugründungen von Apotheken seinen selten und teuer. Auch deshalb würden Übernahmen dominieren, zeigt nun eine Auswertung der Deutschen Apotheker- und Ärztebank.

 

Komplette Neugründungen von Apotheken sind selten. Das zeigt nun eine Auswertung der Deutschen Apotheker und Ärztebank, apoBank. Lediglich vier Prozent der 2023 von der Bank begleiteten Gründungen fanden an einem neuen Standort statt – davon gerade einmal ein Prozent Existenzgründungen und drei Prozent Filialbildungen. Eine mögliche Ursache identifiziert man bei der apoBank in den vergleichsweise hohen Kosten: Während Investitionen für eine Apothekenneugründung viele Jahre bei etwa einer halben Million Euro lagen, zeigt die jüngste Analyse, dass der Investitionsaufwand 2023 deutlich auf durchschnittlich 763.000 Euro angestiegen ist.

„Der massive Sprung dürfte insbesondere Folge der hohen Inflation der letzten Jahre sein. Die Anschaffungskosten sind stark gestiegen“, sagt Daniel Zehnich, Leiter des Bereichs Gesundheitsmarkt und Beteiligungen bei der apoBank. „Hinzu kommt, dass die wenigen Apothekerinnen und Apotheker, die noch neu gründen, sich überwiegend auf vermeintlich attraktive Standorte und Ärztehäuser konzentrieren. Hier sind sie dann auch bereit, hohe Investitionen in Kauf zu nehmen.“

Übernahmen dominieren

Die meisten Apothekengründungen sind allerdings klassische Übernahmen von Existenzgründern. 2023 waren es 56 Prozent, die eine Apotheke übernahmen, um sich selbständig zu machen. Aber auch hier steigen die Kosten, zeigt die Analyse. Die Gesamtinvestitionen für eine erstmalige Niederlassung wachsen seit Jahren tendenziell an. 2023 sind sie im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent gestiegen und haben damit einen neuen Höchststand erreicht. Insgesamt haben Apotheker für Kaufpreis (530.000 Euro), Warenlager (120.000 Euro) und sonstige Investitionen (63.000 Euro) in Summe durchschnittlich 713.000 Euro in die Hand genommen.

Und auch die seit Jahren beobachtete große Bandbreite bei den Übernahmepreisen bestehe weiterhin, heißt es von der apoBank. Sie reicht von unentgeltlichen Übernahmen, bei denen ausschließlich das Warenlager gekauft wird, bis hin zu siebenstelligen Beträgen. Laut apoBank-Analyse gab 2023 etwa jeder zehnte Existenzgründer weniger als 50.000 Euro aus. Auf der anderen Seite zahlte jede beziehungsweise jeder Siebte einen Übernahmepreis von mindestens einer Million Euro.

Filialgründung durch Übernahme am teuersten

Verglichen mit den anderen Gründungsformen flossen mit 831.000 Euro die höchsten durchschnittlichen Gesamtinvestitionen 2023 in die Gründung von Filialen durch Übernahme bestehender Apotheken. Auch die Kaufpreise waren hier mit 629.000 Euro deutlich höher als bei den Existenzgründern mit Einzel- beziehungsweise Hauptapotheke. Insgesamt 31 Prozent der Gründer kauften 2023 eine Apotheke, um diese als Filiale in einen Verbund zu integrieren.

Auffällig ist, dass sich mit 70 Prozent vor allem Männer für die Filialbildung entscheiden: „Insgesamt scheint sich hier die Entwicklung zu verfestigen, dass Frauen nicht im gleichen Maße wie ihre männlichen Kollegen über Filialen wachsen möchten. Auf der anderen Seite suchen aber diejenigen expansionsbereiten Apothekerinnen und Apotheker primär größere und noch gut prosperierende Apotheken, die sich auch optimal in einen Verbund integrieren lassen“, führt Zehnich weiter aus.

Vor allem Männer gehen das Risiko ein und gründen Apotehekenfilialen

Apothekerinnen auch bei Investitionen zurückhaltender

Ein Vergleich zwischen den Geschlechtern offenbart auch, dass sich die ohnehin schon vorhandenen Unterschiede bei der Investitionsbereitschaft im Jahr 2023 noch deutlicher auseinanderentwickelt haben: Obwohl die durchschnittlichen Gesamtinvestitionen gestiegen sind, haben die Apothekerinnen mit 621.000 Euro für die Gründung im Schnitt weniger ausgegeben als im Vorjahr (635.000 Euro). Der Anstieg ist also primär darauf zurückzuführen, dass ihre männlichen Kollegen mit durchschnittlich 809.000 Euro deutlich mehr investiert haben.

Die apoBank-Analysen zeigen grundsätzlich eine zunehmende Zurückhaltung bei Apothekerinnen: Nachdem der Frauenanteil unter den Existenzgründern lange Zeit bei rund 60 Prozent lag, ist gerade in den letzten beiden Jahren ein signifikanter Rückgang erkennbar. 2022 waren nur noch 48 Prozent der Existenzgründenden Frauen, 2023 mit 51 Prozent nur unwesentlich mehr. So bleiben die Apothekerinnen weiterhin deutlich unterrepräsentiert, wenn man den hohen Frauenanteil unter den angestellten Approbierten in Apotheken (81 Prozent) berücksichtigt.

„In den zahlreichen Gesprächen mit unseren pharmazeutischen Kundinnen und Kunden erleben wir derzeit erhebliche Unsicherheit, was insbesondere in den geplanten gesundheitspolitischen Maßnahmen begründet liegt“, fasst Zehnich zusammen. „Gerade auch viele Apothekerinnen scheinen hier offenbar noch sensibler zu reagieren – auch weil die wirtschaftlichen und strukturellen Perspektiven für die Apotheke vor Ort nicht geklärt sind.“

Die Analyse berücksichtigt eine Stichprobe von rund 400 Apothekengründungen, die durch die apoBank 2023 begleitet wurden. Die Daten wurden anonymisiert ausgewertet.

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