TUM richtet Ethikkommission für KI ein

by | Mar 20, 2024

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Eine neue Ethikkomission an der Technischen Universität München soll künftig die medizinische Ethikkommission entlasten und nicht-medizinische Forschungsprojekte prüfen.

 

Die Technische Universität München (TUM) hat eine neue Ethikkommission ins Leben gerufen, die sich ab sofort mit nicht-medizinischen Themen befassen soll. Die TUM reagiert damit auf den steigenden Bedarf an Ethikentscheidungen in den Bereichen Mensch-Technik-Interaktion, Künstliche Intelligenz, Datenschutz und Persönlichkeitsrechte. Der Schritt sei nötig, weil sich bereits jeder sechste Antrag an die bestehende Ethikkommission für medizinische Fragen um derartige Themen dreht. Tendenz steigend.

An der TUM ist man sich einig: Immer wenn Menschen Gegenstand der Forschung sind, ist ein Ethikvotum nötig. Die neue Fachgruppe, bestehend aus bis zu zehn stimmberechtigten Mitgliedern verschiedener Fachrichtungen, etwa aus den Bereichen Management, Sozial-, Natur- und Ingenieurwissenschaften, wird sich daher im Rahmen der neu gegründeten Ethikkommission mit einer Vielzahl unterschiedlicher Themen befassen. Dabei kann es um eine breite Palette an Projekte der Mensch-Technik-Interaktion gehen – etwa das autonome Fahren, Datenschutz und Persönlichkeitsrechte, persönliche Daten, die in der Künstlichen Intelligenz dafür genutzt werden, um Algorithmen zu trainieren, sowie Umfragen im sozialwissenschaftlichen Bereich, bei denen personenbezogene Daten erhoben werden.

Aufgabe der Kommission ist es, die technischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Forschungsansätze zu bewerten und gegebenenfalls Nachbesserungen einzufordern. „Es geht uns vor allem darum zu prüfen, ob ein Versuch unter dem Gesichtspunkt der guten wissenschaftlichen Praxis sauber durchgeführt wird“, erläutert Prof. Klaus Bengler von der TUM School of Engineering and Design, der die neue Fachgruppe der Ethikkommission leitet. Neben der Prüfung der wissenschaftlichen Integrität liegt der Fokus auf den potenziellen Folgen des Projekts für Menschen, Tiere und Umwelt. 

Eine Tür zwischen Forschern und Gesellschaft

In die inhaltliche Gestaltung der Forschung greift die Kommission bei ihrer Prüfung nicht ein: Übergeordnete Fragen zu „Dilemmasituationen“ beim autonomen Fahren etwa sind Sache des Deutschen Ethikrats. „Die Ethikkommission der TUM beschäftigt sich mit konkreten Einzelprojekten“, erläutert Prof. Georg Schmidt vom TUM Klinikum rechts der Isar, der die vor mehr als 40 Jahren gegründete Ethikkommission für den medizinischen Bereich leitet. „Sie öffnet gewissermaßen nach genauer Prüfung eine Tür zwischen den Ideen der Forschenden und der Gesellschaft und kann die Teilnahme von Probanden möglich machen.“

Um den Antragsprozess so einfach und unbürokratisch wie möglich zu gestalten, unterstützt die Software eTIC die Forscher. Statt auf verwaltungsintensive Bürokratie setze man auf das Vier-Augen-Prinzip, erläutert Prof. Bengler die auf Effizienz ausgelegte Herangehensweise. Und die zeigt Wirkung: Die durchschnittliche Bearbeitungszeit eines neuen Antrags durch die Ethikkommission beträgt 4,5 Tage. Nur bei fehlerhaften oder unzureichenden Anträgen kann die Entscheidung bis zu zwölf Monate auf sich warten lassen.

Druck von Fördergebern

Bislang wurden auch die nicht-medizinische Themen von der medizinischen Ethikkommission der TUM behandelt. Mittlerweile ist der Anteil der nicht-medizinischen Fragestellungen aber deutlich gestiegen. Im Jahr 2023 waren es 150 der 850 Anträge. Die Einführung der neuen Fachgruppe erhält aber nicht nur vor diesem Hintergrund Relevanz: Zwar gelten für Forschungsprojekte in nicht-medizinischen Bereichen häufig wenige strikte Gesetze und Berufsverordnungen, Fördergeber wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) erwarten dennoch zunehmend ein Ethikvotum – und das bereits bei Einreichung der Forschungsprojekte.

 

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