Durch die von Donald Trump verhängte Haushaltssperre für ausländische Hilfsprogramme stecken weltweit Millionenwerte an medizinischen Hilfsgütern fest. Betroffen sind unter anderem HIV- und Tuberkulose-Medikamente sowie medizinischer Sauerstoff.
Die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, am ersten Tag seiner Amtszeit die US-Entwicklungshilfe (USAID) einzufrieren, hat massive Folgen für die globale Gesundheitsversorgung. Laut mehreren Quellen sind lebenswichtige Medikamente und medizinische Hilfsgüter im Wert von Hunderten Millionen Dollar in Lagern, auf Schiffen oder an Häfen blockiert – und drohen unbrauchbar zu werden.
Während einige Programme durch nachträgliche Ausnahmeregelungen wieder anlaufen konnten, bleibt die Situation in vielen Ländern kritisch. Die komplizierte globale Lieferkette für USAID-finanzierte medizinische Güter wurde durch die Haushaltssperre abrupt unterbrochen – mit gravierenden Folgen für Patientinnen und Patienten.
Kliniken drohen Versorgungsengpässe
Besonders betroffen sind Länder mit hohen Infektionsraten von HIV und Tuberkulose. Jerry Amoah-Larbi vom Ghana National TB Voice Network warnt, dass viele Kliniken in Westafrika bereits in wenigen Wochen keine Medikamente mehr haben werden.
„Bis Ende des Monats werden uns die Behandlungen für Tuberkulose ausgehen“, sagt Amoah-Larbi. In abgelegenen ländlichen Gebieten droht die Lage besonders dramatisch zu werden. Auch HIV-Patientinnen und -Patienten könnten Schwierigkeiten bekommen, ihre Behandlung fortzusetzen, was die Verbreitung der Krankheit zusätzlich beschleunigen könnte.
Millionenwerte an Hilfsgütern blockiert
Ein USAID-Auftragnehmer erklärte gegenüber Reuters, dass derzeit medizinischer Sauerstoff und Zubehör im Wert von 20 Millionen Dollar in der Lieferkette festhängen. Diese Vorräte könnten Hunderttausende Patientinnen und Patienten mit lebensbedrohlichen Atemwegserkrankungen versorgen, doch der Transport und die Installation der Infrastruktur sind gestoppt.
Die US-Entwicklungsfirma Chemonics reichte diese Woche eine Klage gegen die Regierung ein, in der sie angibt, dass medizinische Güter und Medikamente im Wert von 240 Millionen Dollar nicht ausgeliefert werden können. Da viele dieser Produkte empfindlich auf Temperatur- und Lagerbedingungen reagieren, steigt mit jeder Verzögerung das Risiko, dass die Medikamente verderben oder gestohlen werden.
Ein mit den USAID-Lieferketten vertrauter Beamter erklärte, dass zu jedem Zeitpunkt bis zu 3.000 Container mit Malaria- und HIV-Tests, Medikamenten, Verhütungsmitteln und weiteren Gesundheitsgütern auf hoher See oder in Häfen feststecken könnten. Diese Unsicherheit gefährdet nicht nur laufende Behandlungen, sondern auch präventive Maßnahmen wie Malaria-Schutzprogramme, die auf Insektizidnetze angewiesen sind.
Komplizierte Wiederaufnahme der Hilfsprogramme
Obwohl das US-Außenministerium mittlerweile einige „lebensrettende“ Hilfsprogramme wieder anlaufen ließ, bleibt die Situation vielerorts angespannt. Ein internes Regierungsmemo, das Reuters vorliegt, zeigt, dass die Zahlungssysteme für USAID-Projekte weiterhin abgeschaltet sind – was Organisationen daran hindert, ihre Arbeit wieder aufzunehmen.
Zusätzlich hat die Trump-Administration tausende USAID-Mitarbeitende in den Zwangsurlaub geschickt und einige Funktionen der Behörde ins Außenministerium verlagert. Dies erschwert die Wiederaufnahme der Programme erheblich und lässt Zweifel aufkommen, ob die 90-tägige Haushaltssperre wirklich nur eine vorübergehende Maßnahme ist oder ob es sich um eine strukturelle Umgestaltung der US-Entwicklungshilfe handelt.
Folgen werden Monate zu spüren sein
Selbst wenn die USAID-Programme in den nächsten Wochen vollständig wieder aufgenommen würden, würde es mindestens sechs Monate dauern, bis sich die Lieferketten stabilisieren, warnt Prashant Yadav, Experte für globale Gesundheitsversorgung am Council on Foreign Relations.
„Weitere Lieferungen zu senden, macht derzeit wenig Sinn“, so Yadav. Die aktuelle Blockade könnte langfristige Auswirkungen auf die medizinische Versorgung in vielen Ländern haben – mit potenziell tödlichen Folgen für tausende Menschen.
Neben den unmittelbaren Auswirkungen auf Patientinnen und Patienten stellt sich auch die Frage, wie nachhaltig die USAID-Beschränkungen sind. Viele humanitäre Organisationen befürchten, dass diese Maßnahmen langfristig die Struktur der globalen Gesundheitsversorgung schwächen könnten. Besonders Länder, die stark auf externe Unterstützung angewiesen sind, könnten dadurch langfristig destabilisiert werden – ein Risiko, das weit über die aktuellen Lieferengpässe hinausgeht.



