Tierexperimentelle Forschung in Gefahr?

by | Mar 6, 2024

Anhoren

Teilen

 

Die geplante Änderung des Tierschutzgesetzes könnte Forscher in der Tierversuchsleitung strafrechtlich belangen. AWMF fordert neue Abstimmung.

 

Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AMWF) hat Bedenken am neuen Referentenentwurf zur Änderung des Tierschutz- und Tiererzeugnisse-Handels-Verbotsgesetzes geäußert. Dieser enthalte strafrechtliche Risiken für Wissenschaftler in der Tierversuchsleitung und mögliche Eingriffe in die Forschungs- und Lehrfreiheit. Die Arbeitsgemeinschaft plädiert daher: Die Forschung müsse in einer Anpassung durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) stärkere Berücksichtigung finden. 

Forschenden drohen strafrechtliche Konsequenzen

Vor allem die in dem Entwurf geregelten strengeren Strafen bewertet die AMWF als bedenklich. Diese würden eingeführt, ohne die Rechtssicherheit für Forschende zu gewährleisten. So begrüße man zwar die Stärkung des Tierschutzes durch das neue Gesetz, betont jedoch, dass der aktuelle Vorschlag noch rechtliche Unsicherheiten für Versuchsleitende aufweist.

Noch kommt die Wissenschaft nicht komplette ohne tierexperimentelle Forschung aus, bestätigt auch Dr. Rolf Hömke, Forschungssprecher beim Verband der forschenden Pharma-Unternehmen: „Langfristiges Ziel ist, so viele Versuche wie möglich mit immer weniger Tieren oder ganz ohne Tiere durchzuführen. Organoide, also im Labor aus Zellen gezüchtete Miniorgane, Computersimulationen von Körpervorgängen sowie die Computeranalyse neuer Wirkstoffe mit Hilfe von Machine Learning helfen dabei. Ob damit irgendwann alle Tierversuche ersetzt werden können, ist aber jetzt noch nicht absehbar.“ Gesamtorganismen verhielten sich anders als ihre Einzelteile. Deshalb sei es auch weiterhin unumgänglich einige Tests mit lebenden Tieren durchzuführen. Sie einfach wegzulassen, wäre hinsichtlich möglicher Folgen für Menschen verantwortungslos und deshalb auch verboten.

Einschränkung der Forschungs- und Lehrfreiheit

Bei der AWMF begrüße man das Verbot der Zurschaustellung von Tieren mit bestimmen Merkmalen nach §11 Absatz 1 grundsätzlich. „Allerdings könnte dies dazu führen, dass das Verbot auch bei Bilddaten in Lehrbüchern, Fachaufsätzen und wissenschaftlichen Vorträgen Anwendung finden könnte. Das widerspricht massiv der Forschungs- und Lehrfreiheit und erschwert eine sachliche Aufklärung über Tierversuche“, sagt der Geschäftsführer der AWMF, Dennis Makoschey.

Das könnte Sie auch interessieren

Pilotprojekt ErwiN gestartet

Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern schließen sich zusammen, um neue Wege für die medizinische und pflegerische Versorgung älterer und chronisch kranker Menschen zu finden.

Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern schließen sich zusammen, um neue Wege für die medizinische und pflegerische Versorgung älterer und chronisch kranker Menschen zu finden.

da Vinci-Single-Port und neue Professur in Mainz

Die Universitätsmedizin Mainz baut ihre Robotik-gestützte Chirurgie weiter aus und ist damit die erste Universitätsklinik in Deutschland, die über das da Vinci Single-Port-System verfügt.