Telemedizin: Versorgungsqualität stimmt

von | Nov. 19, 2024

Anhoren

Teilen

 

Eine Studie der University of Florida zeigt: Diabetespatienten erhalten dieselbe Versorgungsqualität und haben Vertrauen in telemedizinische Behandlung.

Telemedizin in der Diabetesversorgung? Ja, zeigt die Auswertung einer Studie an der University of Florida. Patienten, die ihren Arzt via Telemedizin konsultieren, erhalten dieselbe Versorgungsqualität, haben Vertrauen in das Gesundheitssystem und erleben dieselbe patientenzentrierte Kommunikation wie Patienten, die vor Ort in einer Praxis behandelt werden.

Die Ergebnisse legen nahe, dass Telemedizin auch weiterhin in die Diabetesversorgung integriert werden sollte, erklärt der Hauptautor der Studie, Young-Rock Hong, Ph.D., M.P.H., Assistenzprofessor am UF College of Public Health and Health Professions’ Department of Health Services Research, Management and Policy an der University of Florida: „Der Ausnamezustand während der Corona-Pandemie hat den Zugang zur Telemedizin und deren Kostenerstattung erheblich ausgeweitet. Allerdings laufen in den USA viele dieser Vorteile nach dem Ende des öffentlichen Gesundheitsnotfalls am 31. Dezember 2024 aus, was die Verfügbarkeit der Telemedizin ohne weitere Maßnahmen einschränken könnte.“

Hohe Akzeptanz bei Patienten

Das wäre ein Nachteil für das Gesundheitswesen und für die Patienten, glauben die Studienautoren, die ihre Ergebnisse im Magazin BMJ Open veröffentlicht haben, denn etwa die Hälfte der Patienten mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes nutzen aktuelle Telemedizin für ihre Versorgung. „Telemedizin beseitigt Hindernisse wie die Entfernung zum Arzt und erleichtert die Diabetesversorgung“, fügt Ashby Walker, Ph.D., leitender Autor der Studie, Assistenzprofessor für Forschung, Management und Politik im Gesundheitswesen an der UF PHHP und Direktor für Initiativen zur Förderung der Chancengleichheit im Gesundheitswesen am UF Diabetes Institute, hinzu.

Es sind aber nicht nur die Patienten, die profitieren. Eine frühere Studie desselben Teams hat ergeben, dass mehr als 80 Prozent der amerikanischen Ärzte beabsichtigen, Telemedizin auch nach der Pandemie weiterzuführen.

Nutzer von Telemedizin sind jünger und weiblich

Für die aktuelle Studie analysierten die Forscher Daten aus der 2022 erschienenen Health Information National Trends Survey, einer vom National Cancer Institute gesponserten, landesweit repräsentativen Erhebung, die Informationen über Gesundheitskommunikation und Wissen über alle Gesundheitszustände sammelt. Unter den Menschen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes, die an der Umfrage teilnahmen, waren die Nutzer von Telemedizin mit größerer Wahrscheinlichkeit jünger, weiblich, hatten ein höheres Haushaltseinkommen, waren krankenversichert und lebten in Ballungsgebieten, verglichen mit Menschen mit Diabetes, die Telemedizin nicht nutzen.

Obwohl die Telemedizin auch dazu beigetragen hat, den Zugang zu medizinischer Versorgung für Menschen in ländlichen Gebieten zu erleichtern, gibt es laut Hong noch Defizite, die es zu beseitigen gilt: „In ländlichen Gebieten fehlt es oft an der notwendigen Breitbandinfrastruktur für zuverlässige Video-Telehealth-Konsultationen. Außerdem verfügt diese Bevölkerungsgruppen über ein geringeres Maß an digitaler Kompetenz, was die Annahme von Telehealth-Technologien erschwert.

Hier gilt es aus Sicht der Forscher nachzubessern, um das Ungleichgewicht zwischen Stadt und Land auszugleichen – für einen gerechten Zugang zu Gesundheitsdiensten, insbesondere für Patienten mit Diabetes in ländlichen Gebieten, die oft größere Schwierigkeiten beim Zugang zu spezialisierter Versorgung haben.

Politik sollte Spielräume erweitern

Die Forscher hoffen, dass ihre Ergebnisse die politischen Entscheidungen im Bereich der Telemedizin beeinflussen können, um die während der Covid-19-Pandemie für die öffentliche Gesundheit eingerichteten Spielräume zu erweitern. Ohne entsprechende Maßnahmen, so Hong, könnten beispielsweise Beschränkungen in Bezug auf den geografischen Standort des Patienten oder des Leistungserbringers wieder eingeführt werden, und die Vergütungssätze für telemedizinische Dienste könnten auf einen niedrigeren Satz zurückfallen. „Die langfristige Popularität der Telemedizin wird von der weiteren Unterstützung durch die Politik sowie von den Vergütungsstrukturen und natürlich davon abhängen, wie gut sie in die routinemäßige Diabetesversorgung integriert wird“, schließt Hong ab.

Das könnte Sie auch interessieren

PNOG: Kollaps vorerst abgewendet

  Nach tagelangem Koalitionsstreit konnte ein Kollaps der Pflegeversicherung vorerst abgewendet werden. Der Beschluss zum Pflegeneuordnungsgesetz zeigt aber auch: grundlegende Reformen werden es schwer haben. Es war das erste größere „Nachbeben“ nach den...

  Nach tagelangem Koalitionsstreit konnte ein Kollaps der Pflegeversicherung vorerst abgewendet werden. Der Beschluss zum Pflegeneuordnungsgesetz zeigt aber auch: grundlegende Reformen werden es schwer haben. Es war das erste größere „Nachbeben“ nach den...