Ergebnisse einer US-Studie deuten darauf hin, dass die Nutzung von Telemedizin in Krankenhäuser ein Indiz für digitale Kapazität ist.
Wird Telemedizin in Kliniken genutzt, ist auch die Bereitschaft höher, KI einzusetzen. Zu dieser Schlussfolgerung kommt eine im Journal of Medical Internet Research veröffentlichte Studie von Harvard-Researcher Lingbo Liu. Demnach ist das Telemedizin-Volumen der stärkste Prädiktor für den Einsatz Künstlicher Intelligenz in Krankenhäusern – und zwar sowohl im klinischen als auch im administrativen Bereich. Insgesamt hat sich Liu über 6.000 amerikanische Akutkrankenhäuser für seine Auswertung angeschaut. Luis Schlussfolgerung: Die Nutzung von Telemedizin durch Krankenhäuser könnte auf eine umfassendere digitale Kapazität hindeuten.
Mithilfe von Modellen des maschinellen Lernens und Sensitivitätsanalysen stellte der Autor fest, dass das Telemedizinvolumen stärker mit der Einführung klinischer KI zusammenhängt als mit der Einführung operativer KI. Die prognostizierte Wahrscheinlichkeit einer hohen klinischen KI-Einführung stieg steil an, sobald Krankenhäuser ihr Telemedizinvolumen von einem niedrigen Niveau aus erhöhten, und stagnierte dann bei höheren Volumina.
Auf die Frage, warum Telemedizin und die Einführung von KI zusammenhängen, hat Lui folgende Vermutung: Die Bereitstellung von Telemedizin erfordert digitale Infrastruktur wie eine digitale Patientenaufnahme, Terminplanung, Dokumentation oder die Integration elektronischer Patientenakten – also genau die Art von Infrastruktur, die auch klinische KI-Tools unterstützt.
Eine geografische Analyse ergab zudem, dass Häuser in ländlichen Regionen sowohl beim Einsatz von Telemedizin als auch von KI hinter hängen. Bei vergleichbarem Telemedizinvolumen zeigten ländliche Krankenhäuser einen schwächeren Zusammenhang zwischen dem Telemedizinvolumen und der prognostizierten klinischen KI-Nutzung als Krankenhäuser in Ballungsräumen. Das deutet aus Sicht von Lui darauf hin, dass Telemedizinkapazitäten allein die Lücken in der KI-Bereitschaft möglicherweise nicht schließen können. Die Ergebnisse stimmen mit früheren Berichten über Ungleichheiten beim Zugang zu Breitband und Telemedizin in den Vereinigten Staaten überein.
Da es sich um eine Querschnittsstudie handelt, lässt sich nicht feststellen, ob der Ausbau der Telemedizin der Einführung von KI vorausgeht oder diese verursacht. Dennoch deuten die Ergebnisse darauf hin, dass telemedizinische Kapazitäten als praktischer Indikator für die allgemeine digitale Bereitschaft eines Krankenhauses dienen können und dass Muster bei der Einführung von Telemedizin Aufschluss darüber geben können, welche Organisationen Gefahr laufen, den Anschluss zu verlieren. Kliniker und Führungskräfte im Gesundheitswesen – insbesondere in ländlichen und strukturell benachteiligten Regionen – müssen möglicherweise zunächst die IT-Infrastruktur im Gesundheitswesen, das technische Personal und die Unterstützung bei der Umsetzung ausbauen, um uneingeschränkt an digitalen Innovationen im Gesundheitswesen teilhaben zu können.



