Wenn Technologietransfer funktioniert, können auch Medizinstudenten Innovationen entwickeln, das zeigt nun ein Medizinstudent an der Universitätsmedizin Göttingen.
Es erleichtert die Entnahme von Lymphknoten aus dem Fettgewebe von Krebspatienten und verspricht eine genauere Diagnostik sowie gezieltere Therapieauswahl – ein Student der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) hat seine Erfindung nun in den USA zum Patent angemeldet und könnte damit gerade mit Blick auf die Pathologie die Behandlung der Patienten deutlich verbessern.
Denn gerade für individuell effektiv wirkenden Therapien ist es für die Medizin wichtig, das genaue Stadium des Krebses zu bestimmen. Ob sich dieser bereits auf umliegende Lymphknoten ausgebreitet hat ist dabei von besonderer Bedeutung. Denn wenn Krebszellen streuen, dann in der Regel auf Lymphknoten. Und ob derartige Metastasen vorhanden sind oder nicht, entscheidet nicht nur über die Prognose für die Patienten, sondern auch auf die Therapieform.
Lymphknoten werden operativ über Fettgewebe entnommen und anschließend pathologisch untersucht. Allerdings war die Aufbereitung des Gewebes bisher hochkomplex und arbeitsintensiv. Die Idee, Fettzellen durch kontrollierten Druck aufzubrechen, während die Lymphknoten intakt blieben, bestand schon länger. Aber erst ein Praktikum des Medizinstudenten Pedro Gebhardt Apalategui in der Pathologie der UMG und sein dadurch geweckter Erfindergeist, brachten jetzt den Durchbruch.
„Mit dem neuen Gerät werden die Fettzellen effektiv zerstört und das Probenvolumen optimal reduziert. Der Vorteil: Neben den Lymphknoten bleiben auch vermehrt kleinere Blut- und Lymphgefäße, Nerven und Immunzellen erhalten, aber auch Gewebe, in das sich bereits Krebszellen ausgebreitet haben sowie vernarbtes Gewebe, das bei chronischen Entzündungen entsteht“, erklärt Gebhardt Apalategui.
Lob vom Institutsdirektor
Prof. Dr. Philipp Ströbel, Direktor des Instituts für Pathologie der UMG, war an der Entwicklung des Geräts beteiligt. Er erklärt: „Der schonende Aufschluss ermöglicht es uns, auch kleinere Lymphknoten sicher aus dem Fettgewebe zu isolieren, welches vorher nur bedingt möglich war. Ich bin sehr beeindruckt, was Pedro Gebhardt Apalategui in seiner noch jungen Karriere bereits erreicht hat. Dieses Gerät wird maßgeblich dazu beitragen, die Diagnostik für viele Krebspatientinnen und Patienten weiter zu verbessern.“
Das Gerät wurde im Dezember 2025 in den USA zum Patent angemeldet und wird aktuell im Institut für Pathologie getestet. Perspektivisch soll es neben Darmkrebs, auch für die Diagnose von Brust-, Eierstock- und Gebärmutterhalskrebs einsetzbar sein.
In Göttingen ist man besonders stolz auf dieser Art des Technologietransfers. „Exzellente Wissenschaft und akademische Forschung sind die Grundlage des medizinischen Fortschritts“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Brück, Sprecher des Vorstandes und Dekan der Medizinischen Fakultät der UMG. „An der UMG ermutigen wir unsere Studierenden und Nachwuchswissenschaftler*innen, sich frühzeitig mit Translation auseinanderzusetzen, damit ihre Entdeckungen letztendlich den Patient*innen zugutekommen und die Versorgung verbessern.“



