Ein größerer Arbeitsstreik am Universitätsklinikum Gießen und Marburg ist abgewendet. In nur drei Verhandlungstagen gelang eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.
Es war eine schnelle Einigung. Vertreter der Gewerkschaft Verdi und der Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH (UKGM) haben sich nach nur drei Verhandlungstagen auf einen neuen Tarifabschluss verständigt. Der gilt für die Beschäftigten der UKGM GmbH sowie der UKGM Service GmbH.
„Dieser Tarifabschluss ist ein wichtiges Signal an unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, ist sich der Vorsitzender der Geschäftsführung des UKGM, Dr. Gunther K. Weiß, sicher und betont noch einmal die schwierigen Rahmenbedingungen für Kliniken im aktuellen Umfeld. Man habe mit der Einigung nun eine verlässliche Perspektive bis Ende 2027 schaffen können.
Bei Verdi ist man hingegen überzeugt, dass der Streik der Beschäftigten maßgeblich zu dem nun erzielten Ergebnis beigetragen hat. „Dank der Streiks hat sich der Arbeitgeber nochmals bewegt“, betont ver.di-Gewerkschaftssekretär Fabian Dzewas-Rehm. „Das Tarifergebnis stellt einen vertretbaren Kompromiss da. Wir sind aber gewillt, die Arbeit im Krankenhaus weiterhin aufzuwerten und langfristig für die Bezahlung zu sorgen, die dieser gesellschaftlich wichtigen Arbeit angemessen ist.“
Vier Prozent mehr Lohn
Bereits zum 1. Mai 2026 werden die Tabellenentgelte für die Beschäftigten um vier Prozent erhöht. Gleichzeitig sorgen Mindestbeträge von 110 Euro beziehungsweise 125 Euro in den unteren Vergütungsgruppen dafür, dass insbesondere diese Beschäftigten überproportional profitieren. Eine weitere Erhöhung um 2,5 Prozent (mindestens 100 Euro) zum 1. Mai 2027 sichert die Einkommensentwicklung auch mittelfristig und schafft Planungssicherheit. Ergänzend dazu erhalten die Beschäftigten im Mai 2026 eine Einmalzahlung in Höhe von 200 Euro, Auszubildende 100 Euro, um kurzfristig eine zusätzliche finanzielle Entlastung zu schaffen.
Was Tarifverhandlungen standortunabhängig immer wieder zeigen: Schichtzulagen und die belastenden Wechselschichten sind aus Sicht der Belegschaft besonders wichtig. Auch hier konnte sich das UKGM mit Verdi einigen. Die Wechselschichtzulage wird deutlich auf 250 Euro monatlich erhöht. Darüber hinaus wird ab dem Jahr 2027 erstmals eine eigenständige Schichtzulage in Höhe von 100 Euro monatlich eingeführt. Damit werde den besonderen Anforderungen und Belastungen dieser Arbeitsbereiche gezielt Rechnung getragen, heißt es vom UKGM.
Auch einzelne Berufsgruppen würden gezielt gestärkt. Beispielsweise würden Hebammen in eine höhere Vergütungslaufbahn eingruppiert und erhielten zusätzlich eine monatliche Zulage von 450 Euro für ihre Tätigkeit im Kreißsaal. Darüber hinaus beinhaltet der Abschluss Verbesserungen für Auszubildende, deren Vergütungen in zwei Stufen um jeweils 100 Euro steigen. Für die UKGM Service GmbH wird zudem eine zusätzliche jährliche Sonderzahlung in Höhe von 25 Prozent eines Monatsgehalts eingeführt. Bestehende Angebote wie das RMV-Jobticket werden bis Ende 2027 fortgeführt.
Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit bis zum 31. Dezember 2027. Die Einigung steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der zuständigen Gremien.


