Tag der Frauengesundheit: 87 Prozent wünschen sich Berücksichtigung des Geschlechts

von | Mai 28, 2026

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Zum heutigen Tag der Frauengesundheit zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag des AOK-Bundesverbands: Die große Mehrheit der Ärztinnen und Ärzte wünscht sich eine geschlechtergerechte Medizin.

 

Die Medizin hatte viele Jahrzehnte ein ambivalentes Verhältnis zu Frauen. Als Ärztinnen würden sie nichts taugen, zu emotional, zu wenig rational, weshalb man sie lange vom Medizinstudium ausschloss. Und als Forschungsobjekte taugten sie eh nichts, diese weiblichen Hormone mit ihren Schwankungen bringen halt auch jede kontrollierte Versuchsanordnung durcheinander. An dieser Einstellung hat sich inzwischen zwar maßgeblich etwas verändert, aber diese „Gender Health Gap“, die durch die lange Vernachlässigung des weiblichen Geschlechts entstanden ist, haben wir noch nicht überwunden. So wurden beispielsweise erst im April dieses Jahres die Nervenbahnen der Klitoris erstmals ausführlich kartographiert. Wie die im Penis verlaufen, weiß die Medizin natürlich schon seit Jahrzehnten.

Anlässlich des heutigen Internationalen Tags der Frauengesundheit hat der AOK Bundesverband nun eine Forsa-Studie in Auftrag gegeben, die zeigt, dass der Großteil (87 Prozent) der Medizinpraktizierenden in Deutschland sich sehr wohl eine bessere Berücksichtigung des Geschlechts wünscht. Allerdings geht die Wahrnehmung dieses Problems, auch das zeigen die Umfrageergebnisse, zwischen Männern und Frauen zum Teil sehr deutlich auseinander.

Wahrnehmung der Geschlechter sehr heterogen

So gaben insgesamt zwar 32 Prozent aller befragten Ärztinnen und Ärzte an, dass während des Medizin-Studiums „gar keine” Inhalte dazu vermittelt wurden, dass sich Erkrankungen bei Frauen und Männern unterschiedlich äußern können, ein dezidierter Blick auf die Antworten nach Geschlecht zeigt allerdings, dass 39 Prozent der Ärztinnen und nur 25 Prozent der Ärzte diese Ansicht teilen.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Frage, ob es im Berufsalltag schon einmal als Nachteil empfunden wurde, dass geschlechtsspezifische Medizin in den Studien-Curricula kaum auftaucht. 54 Prozent der Ärztinnen sagten „schon oft” oder „manchmal”, aber nur 34 Prozent der männlichen Kollegen teilen diese Meinung ebenfalls. Und auch zwischen den Altersgruppen zeigen sich Unterschiede: So gaben weniger Ärztinnen und Ärzte unter 45 Jahren an, dass geschlechtsspezifische Unterschiede im Studium gar nicht vermittelt wurden (20 Prozent), bei den Befragten ab 55 Jahren sagten dies 45 Prozent.

„Frauengesundheit gerät zwar immer stärker in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit, aber um diese wirklich systematisch zu stärken, braucht es eine konsequente Verankerung von geschlechtsspezifischen Aspekten in Forschung, Lehre und Versorgung”, sagt die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann, die ein Problem auch in der Besetzung von medizinischen Führungspositionen sieht, die nach wie vor überwiegend Männer bekleiden, obwohl zwei Dritte der Medizinstudierenden Frauen sind. „Wir brauchen also endlich Strukturen, die Gleichberechtigung innerhalb medizinischer Karrierepfade ermöglichen. Und solange wir das nicht erreicht haben, müssen sich schon jetzt Männer, vor allem solche in Schlüsselpositionen, für Frauengesundheit stark machen”, betont Reinmann noch einmal eindringlich.

Ärzteschaft wünscht sich Anpassung der Leitlinien

Eine hohe Zustimmung sowohl von Ärzten als auch von den Ärztinnen gibt es allerdings bei der Frage, ob geschlechtsspezifische Aspekte stärker in den medizinischen Leitlinien berücksichtigt werden sollten. 87 Prozent der Befragten wünschen sich dies (Frauen: 92 Prozent; Männer 82 Prozent).

Orientierung zum Thema ließe sich auch über Fortbildungen erreichen, zumal Ärztinnen und Ärzte zu einer regelmäßigen Teilnahme verpflichtet sind. Allerdings hat der Umfrage zufolge mit 67 Prozent eine deutliche Mehrheit noch nie eine Fortbildung zur unterschiedlichen Behandlung von Männern und Frauen besucht. Als Gründe dafür wurde vor allem ein Mangel an Angeboten angegeben (44 Prozent), 38 Prozent sehen keine Relevanz für ihr Fachgebiet, für 29 Prozent sind andere Themen wichtiger.

Ein breites Problembewusstsein in der Ärzteschaft besteht hingegen bei Zulassungsstudien von Arzneimitteln. In Deutschland gibt es keine Verpflichtung dazu, Frauen entsprechend ihres Anteils an Erkrankten in frühen Studienphasen, in denen es um Dosierungen und Toxizität geht, einzuschließen und die Ergebnisse geschlechtsspezifisch auszuwerten. Auch für sogenannte Phase-3-Studien, bei denen es um Sicherheit und Wirksamkeitstests an einer großen Personen-Gruppe geht, fehlt die Verpflichtung. 81 Prozent der Ärzteschaft findet dies sehr oder eher problematisch.

Reiman glaubt, dass die Politik gefragt ist: „Wir brauchen dringend eine bessere Datengrundlage in der Forschung. Studien sollten geschlechtsspezifisch ausgewertet werden, um Nebenwirkungen von Arzneimitteln bei Frauen und Männern zu minimieren. Dabei geht es nicht um kleine Unannehmlichkeiten, sondern um teils ernsthafte, dauerhafte Folgeschäden, die entstehen, weil Geschlechtsunterschiede bei der Zulassung von Medikamenten unzureichend untersucht werden. Dass Frauen nicht einfach nur kleine Männer sind, muss endlich angemessen berücksichtig werden.”

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