Tag der Apotheke: Keine Kompromisse bei Arzneimitteln

by | Jun 7, 2024

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ABDA und ADEXA warnen in einer Pressekonferenz anlässlich des Tags der Apotheke gemeinsam vor den Plänen des Bundesgesundheitsministeriums. Leistungskürzungen bei der Arzneimittelversorgung seinen nicht akzeptabel.

Es ist ein düsteres Bild, dass die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) und die Apothekergewerkschaft ADEXA auf ihrer Pressekonferenz in Berlin anlässlich des Tags der Apotheke zeichnen. Sie warnen ganz explizit vor den Reformplänen des Bundesgesundheitsministeriums, die vorsehen, dass in Apotheken keine Apotheker mehr anwesend sein müssen. Damit würden zahlreiche Leistungen in der Arzneimittelversorgung, wie beispielsweise individuelle Rezepturen, die Abgabe von Betäubungsmitteln oder Impfungen, für Millionen von Patienten wegfallen.

Und auch der wirtschaftliche Druck für die Apotheken sei immens, was die immer schneller sinkenden Anzahl an Apotheken unterstreiche. Was es nun brauche, sei eine spürbare Erhöhung des seit 2013 stagnierenden Apothekenhonorars von 8,35 Euro pro rezeptpflichtigem Arzneimittel, um den eklatanten Fachkräfte- und Nachwuchsmangel durch angemessene Gehälter und Tarifverträge abmildern zu können.

„Die Apotheken stehen zunehmend unter Druck: Neben den Personal- und Lieferengpässen sorgen eine Überbürokratisierung und der faktisch seit 2004 bestehende Stillstand beim Apothekenhonorar dafür, dass immer mehr Apotheken schließen”, sagt ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening. Dass es in den Städten ohnehin zu viele Apotheken gebe, hält sie für einen Mythos. Deutschland liege bei der Apothekendichte im EU-Vergleich auf einem der hinteren Ränge. „Wenn die vom Bundesgesundheitsministerium derzeit angedachten Eckpunkte zu einer Apothekenreform Realität würden, würde die Versorgung vor Ort in einem noch nie dagewesenen Maß ausgedünnt, ja sogar ganz aufs Spiel gesetzt.“

Apotheken für Nachwuchs attraktiv machen

Stattdessen fordern ABDA und ADEXA, den Markt zu stabilisieren und Neugründungen für junge Apotheker wieder attraktiv zu machen. Das könne mit „Scheinapotheken“ und einem Abbau der Kernkompetenzen sicher nicht gelingen – ein Seitenhieb in Richtung Lauterbach.

Untermauert werden die Forderungen mit einer Online-Umfrage, an der zwischen April und Juni knapp 41.000 Menschen in Deutschland teilgenommen haben. Davon sagen 94 Prozent ganz deutlich, dass sie auf die Apotheke vor Ort als Institution in der Primärversorgung nicht verzichten wollen. Jeweils 93 Prozent sind der Meinung, dass die in den Apotheken hergestellten Rezepturen sowie auch die Nacht- und Notdienste unbedingt erforderlich sind. Rund 94 Prozent der Umfrageteilnehmer würden eine Vergütungserhöhung begrüßen – auch damit die Eröffnung neuer Apotheken wieder attraktiv wird.

Tarifverhandlungen stagnieren

Und diese Erhöhung werde dringend benötigt, unterstreicht ADEXA-Bundesvorstand Andreas May: „Die Apotheken brauchen dringend mehr Geld! Sie brauchen vor allem eine angemessene, dynamische Vergütung von den Krankenkassen für die tägliche, unverzichtbare Leistung der Apothekenteams.“ Fakt sei allerdings auch, dass die Tarifverhandlungen für dieses Jahr praktisch seit letztem Herbst stagnieren.

Mit Blick auf die Reformpläne von Bundesgesundheitsminister Lauterbach sorgt sich May vor allem um die Belegschaften in den Apotheken: „Die PTA sind nach ihrer jetzigen Ausbildung weder in der Lage noch willens, eine Arzneimittelabgabestelle zu leiten – ich will in diesem Zusammenhang bewusst nicht von Apotheke sprechen.“ Außerdem gebe es schon heute zu wenig Pharmazeutisch-technische Assistenten, weshalb der aktuelle Vorschlag aus mehreren Gründen keine Lösung gegen das Apothekensterben sei.

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