In puncto Wirksamkeit hat die Phase-III-Studie von Boehringer Ingelheim zu seinem neuen GLP1-Wirkstoff überzeugt. Allerdings feiert die Börse die Nebenwirkungen von Survodutide so gar nicht.
Eigentlich sind die Phase-III-Ergebnisse, die Pharmakonzern Boehringer Ingelheim jetzt zum Wirkstoff Survodutide, der Abnehmspritze, im New England Journal of Medicine veröffentlicht hat, gar nicht so schlecht. Gewichtsverlust gegenüber dem Ausgangswert nach 76 Wochen: 16,6 Prozent. Reduktion des viszeralen Fetts: bis zu 34 Prozent. Reduktion des Leberfetts: bis zu 63,1 Prozent. Und doch bricht der Aktienkurs von Zealand Pharma nun massiv ein. Der Kurs gilt als Indikator, weil die Dänen den Wirkstoff an Boehringer lizensiert haben und damit an den zukünftigen Erlösen beteiligt sind. Und Zealand-Aktien verloren nach Bekanntgabe der Ergebnisse zeitweise bis zu 25 Prozent. Das entspricht einem Börsenwert von fast 900 Millionen US-Dollar oder umgerechnet rund 780 Millionen Euro.
Warum also sind die Investoren nicht begeistert von Survodutide? Immerhin soll der Markt für Adipositas-Medikamente bis Ende der 2030er Jahre auf mehr als 100 Milliarden Euro wachsen, weshalb die Konkurrenz zu bereits am Markt befindlichen Produkten wie dem von Eli Lilly gerade von Investoren sehnsüchtig erwartet wird.
Der Grund sind hohe Abbruchraten aufgrund von Nebenwirkungen. 19 Prozent der Teilnehmer brachen die Behandlung wegen Magen-Darm-Beschwerden ab. In der Placebo-Gruppe lag dieser Wert lediglich bei 2,9 Prozent. Besonders kritisch: Mehr als 40 Prozent der Patienten berichteten über Erbrechen. Was Boehringer nicht kritisch sieht, weil die Ergebnisse sowohl mit vorherigen Studien als auch mit bekannten Klassenwirkungen übereinstimmen würden, bewerten Anleger und auch Analysten offensichtlich ganz anders. Von Barclays heißt es beispielsweise, die Daten seien enttäuschend, weil Sicherheit und Verträglichkeit das zentrale Problem bleiben würden.
Dass Wirkstoffstudien mitunter zu extremen Kursschwankungen führen können, kennt man in Kopenhagen allerdings schon. Vor zwei Jahren wurden die Studienergebnisse von Survodutide noch mit einem Kursfeuerwerkt gefeiert, weil es bisher nur wenig wirksame Medikationen bei einer sogenannten Fettleber gab. Im März dieses Jahres brach der Aktienkurs dann schon einmal um rund 30 Prozent ein, als die Studienergebnisse von Petrelintide, eine Alternative oder Ergänzung zu GLP1-Wirkstoffen die Investoren nicht überzeugte. Immerhin wurde da auch Entwicklungspartner Roche abgestraft, weil die Schweizer im Gegensatz zu Boehringer Ingelheim ebenfalls börsennotiert sind.



