Suizidrisiko bei Ärztinnen hoch

von | Sep. 2, 2024

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Eine Studie der MedUni Wien zeigt: Das Suizidrisiko für Frauen im Arztberuf ist im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung immer noch deutlich höher.

Vorab die erfreuliche Nachricht: Insgesamt sind die Suizidraten unter Ärzten im Laufe der Zeit zurückgegangen. Das zeigt nun eine aktuelle im British Medical Journal veröffentlichte Studie der MedUni Wien. Allerdings zeigt die Meta-Analyse auch, dass das Suizidrisiko für Frauen im Arztberuf nach wie vor deutlich höher ist als das der Allgemeinbevölkerung.

Das Forscherteam um Studienleiterin Eva Schernhammer, Leiterin der Abteilung Epidemiologie am Zentrum für Public Health hat dafür gemeinsam mit ihrer Kollegin und Erstautorin Claudia Zimmermann in Form einer Meta-Analyse der Ergebnisse von Beobachtungsstudien zwischen 1960 und 2024 untersucht, in denen die Suizidraten von Mediziner und der Allgemeinbevölkerung verglichen wurden. Insgesamt wurden 39 Studien aus 20 Ländern vor allem aus Europa, den USA und Australien einbezogen. Insgesamt berichteten sie über 3.303 männliche und 587 weibliche Suizide in den zwei Beobachtungszeiträumen zwischen 1935 und 2020 sowie zwischen 1960 und 2020.

Dabei zeigte sich, dass das Suizidrisiko bei männlichen Ärzten im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung nicht erhöht war. Bei Ärztinnen war das Suizidrisiko jedoch deutlich höher als in der Allgemeinbevölkerung – und zwar im 76 Prozent.

Insgesamt weniger Suizide

Die Analyse der zehn neuesten Studien im Vergleich zu älteren Studien ergab, dass die Suizidrate sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Ärzten im Laufe der Zeit zurückgegangen ist, obwohl die Rate bei weiblichen Ärztinnen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung weiterhin signifikant erhöht war (24 Prozent höher).

Und obwohl die genauen Ursachen für diesen Rückgang nicht bekannt sind, vermutet das Team dennoch, dass eine stärkere Sensibilisierung für psychische Gesundheit und die Unterstützung von Ärzten am Arbeitsplatz in den vergangenen Jahren eine Rolle gespielt haben könnten. Das hohe Maß an Variation (Heterogenität) zwischen den Studien deute ferner darauf hin, dass das Suizidrisiko von Ärzten in verschiedenen Populationen nicht einheitlich sei. Das führen die Autoren auf ein Ausbildung, Arbeitsumfeld in den verschiedenen Gesundheitssystemen sowie unterschiedliche Einstellungen und Stigmatisierungen in Bezug auf psychische Gesundheit und Suizid zurück.

Sozioökonomischer Status scheinbar nicht entscheidend

Eine zusätzliche Analyse ergab zudem eine signifikant (81 Prozent) höhere Suizidrate bei männlichen Ärzten im Vergleich zu anderen Berufsgruppen mit ähnlichem sozioökonomischem Status. Bei Ärztinnen sah das Verhältnis ähnlich aus, alleredings war die Zahl der in Frage kommenden Studien zu gering für eine separate Analyse.

Die Autorinnen räumen zudem mehrere Einschränkungen wie etwa den Mangel an Studien aus Ländern außerhalb Europas, der USA und Australiens und die wahrscheinlich zu geringe Zahl der Suizidfälle als Todesursache aufgrund von Stigmatisierung ein. Nichtsdestotrotz basiere die Analyse auf einer vollständigen Bewertung der verfügbaren Daten und untersuche eine Reihe von Faktoren als mögliche Ursachen für die Unterschiede.

Die Autoren fordern daher weitere Anstrengungen bei der Erforschung und Verhütung des ärztlichen Suizides, insbesondere bei Ärztinnen, und weisen darauf hin, dass künftige Forschungsarbeiten erforderlich sind, um etwaige Auswirkungen von Covid-19 auf die Suizidrate bei Ärzten in aller Welt zu bewerten.

Unterstützung bekommen Sie vom Präsidenten der Wiener und Österreichischen Ärztekammer Johannes Steinhart. Er äußerte sich besorgt angesichts der Studienergebnisse: „Wir können nicht hinnehmen, dass Ärztinnen im Vergleich zur Allgemeinheit einem derart hohen Suizidrisiko ausgesetzt sind.“ Da die Studienmacher davon ausgehen, dass sowohl eine stärkere Sensibilisierung für psychische Gesundheit als auch eine ausreichende Unterstützung der Ärzteschaft am Arbeitsplatz für einen Rückgang von Suizidgefährdung verantwortlich sein könnte, fordert Steinhart die Politik auf, noch stärker als bisher anzusetzen, damit Ärztinnen aus dieser Gefahrenzone herauskommen: „Jene, die unser solidarisches Gesundheitssystem jeden Tag am Laufen halten, dürfen nicht die Leidtragenden dieses Systems sein.“

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