Studie: Migranten nehmen nur selten psychologische Hilfe in Anspruch

by | Apr 15, 2024

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Neue Auswertungen der NAKO-Gesundheitsstudie zeigen: Besonders Migranten der ersten Generation gehen nur selten zum Psychiater oder Psychologen, während sie andere ärztliche Dienstleistungen genauso häufig nutzen. 

 

Es sind interessante Erkenntnisse, die Forscher unter Führung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und des Universitätsklinikums Heidelberg nun aus den Daten der NAKO-Gesundheitsstudie gezogen haben. Konkret verglichen sie die Angaben von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Die zentrale Erkenntnis: Besonders Menschen aus der ersten Zuwanderergeneration nehmen nur selten psychologische Hilfe in Anspruch, obwohl sie etwa vergleichbar oft bis geringfügig höher Dienste von Haus- und anderen Fachärzten nutzen.

Die Forscher führen das vor allem auf Sprachbarrieren zurück, die in der ersten Generation noch deutlich höher sind als in den darauffolgenden Generationen. Aber auch kulturelle Unterschiede würden die Auffälligkeit erklären, erklärt Letztautor der Studie Prof. Heiko Becher vom Heidelberger Institut für Global Health. Am geringeren Bedarf liege es nicht, unterstreicht Christian Wiessner, Erstautor der Studie und Wissenschaftler am UKE. „Im Zusammenspiel mit früheren Studien deuten unsere Erkenntnisse darauf hin, dass bei Migranten der ersten Generation ein ungedeckter Bedarf hinsichtlich psychosozialer Dienste in Deutschland besteht. Dieser Bedarf sollte durch die Förderung eines leichteren Zugangs und den Abbau von Barrieren angegangen werden.”

Solche Maßnahmen könnten beispielsweise den Einsatz von Dolmetscherinnen und Dolmetschern oder digitale Hilfsmittel umfassen, um die Abhängigkeit von Sprachkenntnissen zu verringern, aber auch die Ausbildung kultureller Kompetenzen bei Beschäftigten im Gesundheitswesen oder die Förderung der Gesundheitskompetenz von Migranten.

Die der Studie zugrundeliegenden Daten wurden mit einem persönlichen Interview und einem schriftlich auszufüllenden Fragebogen zwischen 2014 und 2019 gesammelt. 35.014 Menschen mit Migrationshintergrund aus 162 Ländern und 169.626 Nicht-Migranten haben an der Befragung teilgenommen. In der Auswertung berücksichtigten die Forscher die Vielfalt der verschiedenen Migrantengruppen. Die statistische Analyse vergleicht daher verschiedene Migrantengruppen auf Grundlage ihres Geburtslandes sowie Migranten der ersten und zweiten Generation und Nicht-Migranten. In der Befragung wurden genutzte ärztliche Leistungen bei Hausärzten, psychiatrischen Diensten und weiteren Fachärzten erfasst.

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