Wenn Private Equity in Kliniken einsteigt, verbessert sich die Rentabilität, ohne dass Qualität oder medizinische Versorgung beeinträchtig werden, zeigt eine neue Studie.
Der Einstieg privater Investoren wird – egal ob im ambulanten oder stationären Bereich – durchaus kritisch bewertet. Vor allem der Einstieg von Private Equity, gemeinhin gerne als Heuschrecke bezeichnet, in MVZ oder Kliniken ist in der Regel negativ konnotiert. Eine neue Auswertung der ESMT Berlin sowie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) zeigt nun jedoch: Gerade Krankenhäuser profitieren operativ – ohne dass Qualität oder medizinische Versorgung beeinträchtigt werden.
Für ihre Studie „Private Equity in the Hospital Industry“ haben Merih Sevilir von der ESMt Berlin und des IWH, Janet Gao von der McDonough School of Business der Georgetown University und Yongseok Kim von der Freeman School of Business der Tulane University Daten von 1.200 Krankenhausübernahmen in den USA zwischen 2011 und 2018 ausgewertet. Das ist die bislang umfassendste Analyse dazu, wie sich die Privatisierung auf den weiteren Betrieb der Kliniken, der Beschäftigungsverhältnisse, Preisstrukturen und Behandlungsergebnisse auswirkt.
Rentabilität steigt
Zunächst konnte das internationale Team zeigen, dass sich die operative Rentabilität der übernommenen Häuser verbessert und auch das medizinische Fachpersonal auf konstantem Niveau gehalten werden kann. Wenn Private Equity einsteigt, werden die Kosten signifikant gesenkt – etwa, weil in der Verwaltung eingespart wird. Dort sanken vor allem die Personalkosten langfristig im 33 Prozent. Die Schließungsraten stiegen hingegen nicht, zeigt die Studie, und auch die Preise für stationäre Leistungen blieben stabil. Ferner unterstreicht die Studie, wie privates Beteiligungskapital Restrukturierungen auch in Bereichen vorantreibt, die traditionell wenig externem Investitionsdruck oder Marktmechanismen ausgesetzt sind.
„Unsere Studie zeigt, dass Private-Equity-Gesellschaften Krankenhäuser nicht zerschlagen, wie oft befürchtet. Vielmehr verschlanken sie Verwaltungsstrukturen und schützen zugleich medizinisches Personal sowie zentrale Versorgungsleistungen“, sagt Merih Sevilir, Professor of Finance an der ESMT Berlin und Leiterin der Abteilung Gesetzgebung, Regulierung und Faktormärkte am IWH Halle.
Preise, Patientenstruktur, Versorgungsqualität – alles konstant
Aus den Versicherungsabrechnungen, auf die das Team zurückgreifen konnte, zeigt sich außerdem, dass weder die Behandlungspreise stiegen, noch eine Verlagerung hin zu jüngeren, wohlhabenderen oder gesünderen Patienten zu beobachten war. Auch bei der Patientenstruktur und Versorgungsqualität, darunter Sterblichkeit und Wiedereinweisungsraten, zeigen sich keine Veränderungen. Einziger negativer Effekt: Die Patientenzufriedenheit nahm ab, was die Autoren möglicherweise mit dem Abbau des Verwaltungspersonals in Zusammenhang bringen, weil so nicht-klinische Dienste weniger unterstütz werden.
Insgesamt deuten die Ergebnisse jedoch darauf hin, dass Private-Equity-Investitionen als Katalysator für Effizienzsteigerungen im Gesundheitswesen wirken können – ohne Einbußen bei der medizinischen Qualität, insbesondere durch den Abbau übermäßiger Verwaltungskosten und der Einführung besserer betrieblicher Steuerung.



