Studie: Innere Uhr verstärkt Nebenwirkungen der Krebstherapie

von | Mai 19, 2025

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Eine deutschlandweite Studie zeigt: Ist die zirkadiane Uhr gestört, kann das die Nebenwirkungen gängiger Krebstherapien verstärken.

 

Störungen der körpereigenen inneren Uhr, also der zirkadianen Uhr, können Nebenwirkungen gängiger Krebstherapien verstärken. Das zeigt eine nun durchgeführte, deutschlandweite Studie, die im eBioMedicine veröffentlicht und Teil der größeren Phase-III-MAMOC-Studie ist.

Prof. Dr. Angela Relógio von der Medical School Hamburg und Prof. Dr. Elena Ioana Braicu von der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben mit ihren jeweiligen Teams und unter Beteiligung mehrerer Krankenhäuser in ganz Deutschland Patientinnen mit Eierstockkrebs untersucht, die mit PARP-Inhibitoren (PARPi) wie Rucaparib behandelt wurden. Dabei konnten sie bei jenen Patientinnen einen engen Zusammenhang mit einer erhöhten behandlungsbedingten Toxizität aufzeigen, deren zirkadianer Rhythmus erheblich gestört war.

„Unsere Ergebnisse tragen zu einem besseren Verständnis bei, wie der individuelle Biorhythmus die Reaktion auf Krebstherapien beeinflusst“, sagt Dr. Deeksha Malhan, wissenschaftliche Mitabeiterin bei Prof. Relógio in Hamburg und Erstautorin der Studie. „Dies deutet darauf hin, dass zirkadiane Störungen nicht nur eine Nebenwirkung sind, sondern direkt damit zusammenhängen könnten, wie Patientinnen diese Behandlungen vertragen.“

Mathematik als Basis

Mit Hilfe fortschrittlicher mathematischer Modelle und Genexpressionsanalysen wurden die Auswirkungen von PARP-Inhibitoren auf bis zu 800 Gene verfolgt, darunter wichtige zirkadiane Regulatoren wie BMAL1 und PER2. Diese Ergebnisse wurden mit der TimeTeller-Technologie erzielt – einem innovativen Tool, das vom Start-up TimeTeller, einem Spin-off der Charité Berlin, entwickelt wurde und derzeit an der MSH Medical School Hamburg angesiedelt ist. „TimeTeller ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie akademische Forschung und unternehmerische Innovation zusammenwirken können, um die Präzisionsmedizin weiter voranzubringen“, sagt Prof. Relógio, Professorin für Systemmedizin an der MSH und Mitbegründerin von TimeTeller. „Durch die Integration der zirkadianen Analyse in klinische Studien eröffnen wir einen neuen Weg, um die Toxizität von Behandlungen zu reduzieren und Therapien auf den biologischen Rhythmus der Patientinnen und Patienten abzustimmen.“

Prof. Dr. Elena Braicu, gynäkologische Onkologin an der Charité Berlin und Co-Seniorautorin, hebt das klinische Potenzial der Forschung hervor: „Die Studie liefert überzeugende Belege für die Bedeutung der Chronotherapie in der Krebsbehandlung.“ Durch die Anpassung der Therapiezeiten an die zirkadianen Rhythmen der Patienten könne nicht nur die Verträglichkeit verbessert und Nebenwirkungen reduziert werden, sondern auch die Effektivität der Behandlung gesteigert werden. Allerdings würden die aktuellen Erkenntnisse auch die Notwendigkeit weiterer klinischer Studien unterstreichen, um das Potenzial der Chronotherapie umfassend zu validieren.

Weiterer Schritt in Richtung Personalisierung

Die Studienergebnisse sind zudem mit Blick auf eine zunehmend personalisierte Krebstherapie vielversprechend – und zwar neben genetischer Marker auch anhand biologischer Zeitpunkte. Doch auch hier brauche es weitere Studien.

Für Prof. Relógio ist bei aller Euphorie jedoch wichtig zu betonen, dass es sich bei den neuen Erkenntnissen nicht um ein Heilversprechen handelt. Vielmehr sei es ein neuer Ansatz, der dazu beitragen könnte, bestehende Therapien für viele Patienten erträglicher und wirksamer zu machen.

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