Studie des German Israeli Health Forum for AI in Berlin vorgestellt

by | Jan 19, 2024

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Wie steht es um das Vertrauen in die Nutzung von Gesundheitsdaten in Deutschland und Israel? Dieser Frage sind Forscher im Rahmen einer Studie nachgegangen, die nun in Berlin vorgestellt wurde.

 

Es sind wichtige Erkenntnisse, die das German Israeli Health Forum for Artificial Intelligence (GIHF-AI) nun in Berlin vorgestellt hat. Israelis haben nicht nur mehr Wissen über das digitale Ökosystem hinter ihren persönlichen Gesundheitsdaten und dessen Potenzial, sie sind auch offener für Forschungs- und Versorgungszenarien, die auf ihren persönlichen, digitalen Gesundheitsdaten basieren. Zu diesem Ergebnis kommt die GHIF-AI-Studie zum Thema „Vertrauen in die Nutzung von Gesundheitsdaten in Deutschland und Israel“, die in Kooperation mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin (Prof. Dr. Sylvia Thun, Direktorin CEI am BIH) und der israelischen Krankenkasse Clalit (Prof. Dr. Ran Balicer, CIO, Clalit) durchgeführt wurde. Die Studie basiert auf einer Umfrage der EPatient Analytics GmbH.

Die generelle Offenheit der Israelis überrascht bei einem Blick auf die soziodemographische Teilnehmerstruktur allerdings nicht weiter: Das Durchschnittsalter lag in Deutschland 2020 bei 44,7 Jahren, in Israel 2022 bei 29,1 Jahren. Entsprechend haben 41 Prozent der Teilnehmer in Deutschland eine chronische Erkrankung. In Israel sind es nur 26 Prozent.  Dabei gab es bei der Nutzung von Smartwatches, Wearables und andere vernetzten Medizin-Geräten keine Unterschiede in der Nutzung zwischen chronisch kranken und gesunden Menschen in Deutschland und Israel.

Sowohl in Deutschland (53,5 Prozent) als auch in Israel (58,5 Prozent) ist die Mehrheit der Befragten bereit, die eigenen Daten aktiv für die Forschung zu spenden. Spannend wird es hingegen, wenn Gesundheitsdaten an Krankenkassen, in Israel an die so genannten Health Maintenance Organizations (HMO) weitergeben werden sollen. Das ist für 49,1 Prozent der Befragten in Deutschland und für 63,5 Prozent der Israelis in Ordnung. Private Akteure erhalten hingegen weniger Unterstützung für eine Datenbereitstellung. Pharmaunternehmen würden 30,7 Prozent der Deutschen, aber nur 28,3 Prozent der Israelis ihre Daten geben. Bei Big-Tech sind die Deutschen (4,4 Prozent) deutlich skeptischer als die Israelis (18,1 Prozent). In beiden Ländern gibt es dagegen nur eine Minderheit von knapp unter zehn Prozent, welche die Nutzung von Gesundheitsdaten kategorisch ausschließt.

Aus den Ergebnissen der Studie wurden in Berlin auch einige Handlungsempfehlungen abgeleitet. Es sei elementar, anonymisierte Datensätze mit Patienteninformationen für die notwendige Forschung im öffentlichen und privaten Sektor zu nutzen, so die Forscher. Darüber hinaus seien vertrauensbildende und breit angelegte Kampagnen in der Gesellschaft notwendig, die das Potenzial der Daten, aber auch wichtige Themen wie Datenschutz und Datensicherheit in den Fokus rücken. Kurzum: Eine transparente Kommunikation und umfassende Aufklärung über die Datennutzung und deren Nutzen für die medizinische Forschung und Anwendung sind unabdingbar.

In der anschließenden Diskussion und Fragerunde wurden die unterschiedlichen Rahmenbedingungen und Herausforderungen vertieft. Prof. Dr. Ran Balicer wies darauf hin, dass es in Israel bereits seit 25 Jahren eine elektronische Patientenakte (EHR) gibt. Aus der Nutzung und den gesammelten Daten ergebe sich die Akzeptanz und Vorreiterposition. Clalit Health Services als größte israelische HMO mit 4,6 Millionen Versicherten habe den Namen „Sick Fund” bereits vor einigen Jahren hinter sich gelassen. Prof. Dr. Sylvia Thun betonte das Vertrauen in die Gesundheitsberufe bei der Nutzung von Gesundheitsdaten. Die Industrie sei jedoch ein wesentlicher Innovationstreiber. Deshalb müsse hier Aufklärung betrieben und Vertrauen in der Bevölkerung geschaffen werden. Die Tür für Innovationen sei jedoch offen.

Auch zwei weitere Themen ohne direkten Zusammenhang zur Studie wurden in Berlin diskutiert: Künstliche Intelligenz und digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA). Ein zentrales Element für die Akzeptanz und Nutzung von Künstlicher Intelligenz sei Vertrauen, sagte Prof. Balicer. Clalit kommuniziere dies in Israel bereits seit einiger Zeit proaktiv und werbe offensiv für entsprechende Dienste. Bei DiGA schaue man dagegen intensiv nach Deutschland, um von den dortigen Erfahrungen zu lernen. Gerade dieser Bereich werde außerhalb Deutschlands als sehr innovativ wahrgenommen.

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