In den Niederlanden konnten Forschende nun aufzeigen, dass Patientinnen und Patienten mit einer belastbaren Hausarzt-Beziehung, seltener in der Notaufnahme landen und auch weniger Krankenhauskosten verursachen.
Das von der Bundesregierung geplante Primärarztsystem soll eine der großen Reformen werden, die die Versorgung in Deutschland nachhaltig verändern. Für gesetzlich Versicherte soll demnach die Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle werden, von wo aus alle weiteren Behandlungen dann koordiniert werden. Kritik an diesem Konzept gibt es unter anderem von Krankenkassen, die vor einem derart starren „Gatekeeping“ warnen. Unterstützung gibt es nun allerdings aus den Niederlanden. Dort hat ein Forscherteam eine Studie veröffentlicht, die zeigt: Eine gute, belastbare Beziehung zum Hausarzt kann Krankenhausaufenthalte und vor allem Kosten vermeiden.
Untersucht hat das Team in ihrer Kohortenstudie die Daten von über 100.000 Erwachsenen aus 48 niederländischen Hausarztpraxen zwischen 2013 und 2018. Die wurden mit nationalen Daten zu Krankenhauseinweisungen und -kosten abgeglichen. Parallel haben sich die Forschenden noch die Hausarzt-Patienten-Beziehung angeschaut und bewertet – etwa wie lange die Patienten ihrer Praxis bereits treu sind – sowie die Häufigkeit der Hausarztkontakte anhand des Herfindahl-Hirschman-Index gemessen.
Und hier zeigte sich ein eindeutiges Bild: Je länger Patienten bei einer Hausarztpraxis registriert waren, desto geringer die Wahrscheinlichkeit für eine Notfall-Aufnahme im Krankenhaus. Die geringste Wahrscheinlichkeit zeigte die Gruppe, die zwischen 15 und 20 Jahren bei einer Praxis registriert war. Außerdem wiesen alle Gruppen, die einer Praxis bisher länger als fünf Jahre treu waren, signifikant niedrigere Krankenhauskosten auf, wobei die größte modellbasierte Reduktion (minus 39,7 Prozent) in der Gruppe mit einer Registrierungsdauer von zehn bis 15 Jahren zu verzeichnen war. Eine höhere Häufigkeit von Hausarztkontakten war ebenfalls mit niedrigeren Kosten verbunden, mit einer adjustierten relativen Reduktion der gesamten Krankenhauskosten zwischen sechs und sieben Prozent.
Für das Team unterstreichen die Ergebnisse, dass eine dauerhafte und belastbare Hausarzt-Patienten-Beziehung den stationären Sektor deutlich entlasten kann.



