Die jährliche Studie der Apothekenkammern Westfalen-Lippe und Nordrhein zeigt aktuell: Die strukturellen Versorgungsrisiken in Nordrhein-Westfalen nehmen weiter zu.
97 Apothekenschließungen versus zwölf Neueröffnungen 2025 – das ist die Bilanz der diesjährigen Studie, die das Institut für Handelsforschung Köln jährlich im Auftrag der Apothekenkammern Westfalen-Lippe und Nordrhein durchführt. Damit ist die Zahl der Apotheken im Bundesland Nordrhein-Westfalen seit 2010 um ein Viertel zurückgegangen. Waren es vor 15 Jahren noch 4.673 Apotheken, sind es aktuell nur noch 3.510.
„Noch können wir glücklicherweise knapp von einem flächendeckenden System sprechen. Seit 2010 haben wir jedoch jede vierte Apotheke in Nordrhein-Westfalen verloren. Das ist eine Entwicklung, die wir uns langfristig nicht mehr leisten können”, resümiert Michael Schmitz, Hauptgeschäftsführer der Apothekerkammer Westfalen-Lippe. Besonders besorgniserregend sei dabei, dass Schließungen längst nicht mehr ausschließlich kleinere Apotheken betreffen. Zunehmend geben auch wirtschaftlich größere Einheiten auf – mit spürbaren Folgen für die Erreichbarkeit der nächsten geöffneten Apotheke, insbesondere in ländlichen und strukturschwächeren Regionen.
Immer mehr Kommunen mit nur einer Apotheke
Die Studie zeigt zudem, dass sich die Zahl der Kommunen mit nur noch einer Apotheke in den vergangenen zehn Jahren um fast 80 Prozent erhöht hat. „In einzelnen Kommunen zeigen sich inzwischen deutliche Unterschiede in der Apothekendichte. Gerade auf die Kommunen mit nur noch einer geöffneten Apotheke legen wir ein besonderes Augenmerk”, betont Dr. Stefan Derix, Hauptgeschäftsführer der Apothekerkammer Nordrhein. Denn diese sogenannten Solitär-Apotheken würden häufig eine überdurchschnittliche Versorgungs- und Notdienstfunktion übernehmen und seien zugleich besonders vulnerabel gegenüber wirtschaftlichen und personellen Belastungen.
Neben der Apothekenstruktur beleuchtet die Studie auch die Entwicklung der pharmazeutischen Fachkräfte. Während der Bedarf an Pharmazeutinnen und Pharmazeuten in unterschiedlichen Versorgungsbereichen steigt, geht die Zahl der in öffentlichen Apotheken tätigen Offizin-Apothekerinnen und -Apotheker seit mehreren Jahren zurück. Gleichzeitig verändern sich Arbeitszeitmodelle, Altersstrukturen und Verantwortungsprofile – Entwicklungen, die die Stabilität der wohnortnahen Arzneimittelversorgung zusätzlich beeinflussen, heißt es weiter.
Die Apothekerkammern Westfalen-Lippe und Nordrhein sehen die Ergebnisse der Fortschreibung als klaren Handlungsauftrag. „Ziel bleibt es, gemeinsam mit der Landespolitik verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen, um die wohnortnahe Arzneimittelversorgung nachhaltig zu sichern und den Apothekerberuf in der öffentlichen Apotheke zukunftsfest aufzustellen“, hört man von beiden Kammern unisono.



