Strategischer Führungswechsel bei Medavis

by | Mar 25, 2024

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Thomas Simon wird neuer CEO der Medavis-Gruppe. Im Interview spricht er über Wachstumsziele, Chancen und Herausforderungen.

 

Die Medavis-Gruppe hat einen neuen Vorstand. Die Firmengründer und bisherigen Co-CEOs Elmar Kußmaul und Jörg Dittrich ziehen sich aus dem operativen Geschäft zurück und wechseln in den Beirat. Den Staffelstab übergeben sie an den neuen CEO Thomas Simon. Gemeinsam mit den beiden langjährigen Medavis-Managern Jürgen Roth und Michael Mauer, die die Posten des Chief Revenue Officer, respektive des Chief Product Officer übernehmen, soll Simon die Wachstumsgeschichte der Medavis-Gruppe weiterschreiben – organisch und anorganisch, wie Simon exklusiv im Gespräch berichtet. Denn gemeinsam mit dem Mehrheitsgesellschafter Bregal, der seit September 2022 beim Software-Anbieter für radiologische Informationssysteme beteiligt ist, hat sich die Gruppe große Ziele gesetzt.

 

Herr Simon, erst einmal herzlichen Glückwunsch zur neuen Aufgabe und natürlich auch viel Erfolg. Wie viel strategisches Kalkül steckt hinter dem Führungswechsel und der Erweiterung der Geschäftsführung?

Der Führungswechsel war tatsächlich auch eine strategische Entscheidung – allerdings keine reine. Nach über 25 erfolgreichen Jahren an der Spitze der Medavis GmbH spielen ebenso persönliche Beweggründe von Herrn Kußmaul und Herrn Dittrich eine Rolle, sich aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen. Das Positive ist jedoch: Ihre Erfahrung und Expertise bleiben uns über den Beirat erhalten. Die strategischen Aspekte hinter der Neuausrichtung der Geschäftsführung sind ganz klar die Wachstumsziele, die wir uns gemeinsam mit unserem Mehrheitsgesellschafter Bregal gesteckt haben – sowohl organisch als auch anorganisch. Und hier hat es natürlich Vorteile, dass ich auf einen breiten Erfahrungsschatz bei strategischen Partnerschaften, Zukäufen und auch Post-Merger-Integrationen zurückgreifen kann.

Verschiedene Unternehmen und vor allem Unternehmenskulturen zusammenzuführen, ist sicher kein leichtes Unterfangen…

Definitiv nicht. Und hier habe ich in der Vergangenheit mehrfach erleben dürfen, wie gut Übernahmen funktionieren, wenn vieles richtig gemacht wird, konnte aber eben auch schon aus Fehlern lernen. Auf diese Herausforderung bei der Medavis-Gruppe freue ich mich besonders. Sie war ehrlicherweise ein wesentlicher Grund, warum ich mich der neuen Aufgabe stelle. Vor allem die jeweiligen Belegschaften gut in den Merger-Prozess einzubinden, ist aus meiner Sicht sehr wichtig. Und die deckt sich glücklicherweise auch mit der von Bregal: Anders als von anderen Investoren, gerade wenn sie aus Übersee kommen, werden kulturellen Begebenheiten bei Bregal nicht übergangen.

Können Sie die Wachstumsziele, die sich Sie gemeinsam mit Bregal gesetzt haben, näher erläutern?

Für Bregal ist die Medavis-Gruppe eine strategische Plattform rund um Software für das Gesundheitswesen. Die ersten Schritte sind mit der Zusammenführung der Medavis GmbH, der ebenfalls aus der Radiologie-Software kommenden Digithurst GmbH & Co.KG sowie dem Spezialisten für Hygienemanagement-Software Epinet GmbH bereits erfolgt. Die Gruppe könnte sich sogar sehr kurzfristig noch weiter vergrößern. Dazu kann ich derzeit aber noch nichts Näheres sagen. In jedem Fall soll das Portfolio weiter ausgebaut werden und die Gruppe als solche auch organisch wachsen.

Welches Wachstumspotenzial sehen Sie für die Digitalisierung des Workflow-Managements im Gesundheitswesen?

Immenses. Sie dürfen nicht vergessen: Workflow-Management ist der Dreh- und Angelpunkt. Nehmen Sie eine Behandlung als Beispiel: Egal ob im stationären oder im ambulanten Sektor, es gibt immer eine Abteilung oder Fachrichtung, die eine Behandlung anfordert, eine, die sie übernimmt, und dann wiederum eine, die Befunde, Laborergebnisse oder Bilder auswertet. Das muss idealerweise alles reibungslos koordiniert werden. Und im besten Fall sind auch die Patienten, die eigentlich immer im Mittelpunkt stehen, in diese Workflows integriert. Aus der Praxis wissen wir, dass das nicht überall der Fall ist und viele Prozesse nach wie vor anlog oder sogar über Workarounds organisiert werden. Entsprechend groß ist aus unserer Sicht das Potenzial, unsere Kunden bei der Prozessoptimierung und -digitalisierung zu unterstützen, was für uns natürlich analog Wachstumschancen eröffnet.

Nun haben Sie mit Herrn Roth und Herrn Mauer zwei langjährige Medavis-Mitarbeiter an Ihrer Seite. Hilft das in der Einarbeitungsphase?

Da ich erst seit wenigen Tagen im Unternehmen bin, kann ich da nur meine Erwartungen und bisherigen Eindrücke teilen, die absolut positiv sind. Natürlich ist es ein Vorteil, zwei Kollegen an seiner Seite zu wissen, die sowohl Kunden als auch Produkte und Abläufe seit vielen Jahren kennen. Ich bin davon überzeugt, dass diese Erfahrung einerseits und vielleicht auch mein frischer Blick auf die Gruppe andererseits eine Kombination ist, mit der wir in der Geschäftsführung die gesetzten Ziele schnell erreichen und dann weiter ausbauen können.

 

 

Der studierte Betriebswirt Thomas Simon ist seit über 20 Jahren als Führungskraft im Gesundheitswesen aktiv. Er war unter anderem Geschäftsführer eines sozialwirtschaftlichen Verbands, bei Fresenius Medical Care sowie der Kavo Dental GmbH. Zuletzt hat er als Senior Vice President Clinical & Social Care bei der CompuGroup Medical das Klinik-, Sozial- und Laborgeschäft in Deutschland und der Schweiz verantwortet. Seit 2013 hat er dabei seine Division sehr erfolgreich ausgebaut. Zudem hat Simon zahlreiche Zukaufs- und Integrationsprojekte federführend begleitet.

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