Startschuss für die ePA

von | Jan. 15, 2025

Anhoren

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Ab heute kommt sie, die ePA für alle. Wirklich für alle? Nun ja… Aber das ist vielleicht sogar eine positive Nachricht, da nach wie vor nicht alle Kinderkrankheiten ausgestanden sind. 

 

Gesprächsthema ist sie gefühlt schon ewig, die „ePA für alle“. Heute fällt endlich der Startschuss – der erinnert zumindest den mit Blick auf sein Alter fortgeschrittenen Leser eher an den Einstieg der Asterix und Obelix Hefte: „Ganz Gallien ist von Römern besetzt. Ganz Gallien? Nein.

Und so verhält es sich auch mit der ePA: Die ePA für alle kommt. Wirklich für alle? Nein. Denn die „breite Front“, an der die ePA nun startet, setzt sich zunächst einmal nur aus den Testregionen Hamburg, Franken und Nordrhein-Westfalen zusammen. Und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) informiert direkt über eine weitere Einschränkung während dieser Pilotphase: Zunächst dürfen nur rund 300 Einrichtungen in den Testregionen die ePA lesen und befüllen. Darunter sind rund 230 Arztpraxen sowie einige wenige ausgewählte Apotheken und Krankenhäuser.

Schritt für Schritt

Ähnlich also wie die Gallier unbeeindruckt vom Großaufgebot römischer Truppen rings um das Dorf waren, scheint man hierzulande unbeeindruckt vom technologischen Fortschritt und setzt die ePA für alle lieber Schritt für Schritt um. Damit sollen die Krankenkassen ab heute beginnen und elektronische Akten für ihre Versicherten anlegen. Zunächst werden alte ePA-Akten migriert, dann neue in den Modellregionen angelegt werden. Erst dann soll sie wirklich für alle kommen – für alle die nicht widersprechen.

Dass man sich bewusst so viel Zeit lässt, liegt natürlich auch an den Mängeln innerhalb der Sicherheitsarchitektur der ePA, auf die zuletzt der Chaos Computer Club hingewiesen hat. Hier findet sein Sprecher Calvin Baus auch deshalb sehr deutliche Worte zum heutigen Roll-out: „Die ePA in ihrem aktuellen Zustand auszurollen, ist angesichts ihrer besorgniserregenden Sicherheitsprobleme eine falsche Entscheidung. Denn die Behauptung, dass die ePA sicher ist, trifft nicht zu. Dass Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach dies wahrheitswidrig und unverfroren behauptet, leugnet die belegten und beweisbaren Schwachstellen.“

Probleme bekannt

Die deutliche Kritik vom Chaos Computer Club ist auch deshalb gerechtfertigt, da die gezeigten Probleme sowohl bei den Verantwortlichen der Gematik als auch im Ministerium lange bekannt sind. Nach Angaben des Clubs teilweise schon länger als ein Jahrzehnt. Sie würden schlicht nur weiterhin heruntergespielt.

Die gezeigten Probleme, die den Verantwortlichen bei der Gematik und im Ministerium teilweise schon länger als ein Jahrzehnt bekannt sind, werden weiter heruntergespielt und nicht ernst genommen. Da die Schwachstellen auch jetzt noch kleingeredet werden, ist es überfällig, die technischen Details des teuren Mammutprojekts offenzulegen. Gemeinsam mit weiteren Organisationen aus dem Gesundheitswesen und der Zivilgesellschaft hat auch der Chaos Computer Club daher einen offenen Brief an Karl Lauterbach verfasst, der in fünf Schritten aufzeigt, wie Vertrauen in die ePA geschaffen werden kann. Aber schon der Forderung, alle berechtigten Bedenken vor einem bundesweiten Start glaubhaft und nachprüfbar auszuräumen, dürfte in einer Politik des Wahlkampfes schwierig bis unmöglich werden.

Alle Augen auf die ePA

Auch bei der KBV will man während der Testphase „genau hinschauen, ob die ePA reibungslos ist den Praxen funktioniert“, erklärt Vorstandsmitglied Sibylle Steiner: „Das ist eine Voraussetzung, um einen bundesweiten Rollout zu starten. Die zweite und keinesfalls weniger wichtige Voraussetzung ist, dass Datensicherheit und Datenschutz der ePA gewährleistet sind.“ Vor allem Kinderkrankheiten müssten nun in den ersten Wochen erkannt sowie das Zusammenspiel mit anderen TI-Anwendungen genau geprüft werden. „Die ePA muss fehlerfrei funktionieren und sicher sein – das ist Grundvoraussetzung für die Akzeptanz sowohl bei Praxen als auch bei Patientinnen und Patienten“, fasst Steiner zusammen.

Ein wenig erinnert das aktuelle Getöse um die ePA auch an den Rollout des E-Rezepts vor ziemlich genau einem Jahr. Auch damals waren Ausfälle bei der Telematikinfrastruktur eher die Regel als die Ausnahme, weshalb ein Bündnis noch im März 2024 sowohl einen E-Rezept-Streik als auch einen Appell an Bundeskanzler Scholz gerichtet hatte. Und auch heute sagen laut einer Aposcope-Umfrage noch 54 Prozent der Apothekenteams, dass es gerade technisch mal besser und mal schlechter läuft.

Und dennoch ist das E-Rezept in puncto Akzeptanz durchaus als Digitalisierungserfolg zu werten, was nun natürlich auch für die ePA einen Funken Hoffnung gibt. Bleiben wir allerdings bei der Asterix und Obelix Analogie dürfte es dauern, bis wirklich alle Bundesbürger ihre Gesundheitsdaten digital verwalten.

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