Stada Health Report: Unzufriedenheit mit Gesundheitssystem nimmt zu

by | Jun 24, 2024

Anhoren

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Mit einer Arzneimittelproduktion im eigenen Land, mehr Digitalisierung und einer besseren Bezahlung des medizinischen Personals ließe sich die Gesundheitsversorgung in Deutschland verbessern, glauben die Menschen im Land.

Es knirscht im deutschen Gesundheitswesen und das bekommen nun auch die Menschen im Land deutlich zu spüren. Entsprechend sinkt die Zahl derjenigen, die dem Gesundheitssystem noch ein gutes Zeugnis ausstellt, kontinuierlich, zeigt nun der aktuelle Stada Health Report. Während 2020 noch 80 Prozent der Befragten der Ansicht waren, das deutsche Gesundheitssystem sei gut, sind es aktuell nur noch 64 Prozent (2023: 72 Prozent). Frauen sind mit 40 Prozent zudem deutlich unzufriedener mit der Gesundheitsversorgung als Männer (31 Prozent). Trotz dieses deutlichen Rückgangs steht das deutsche Gesundheitssystem im europäischen Vergleich noch relativ gut da. Denn hier liegt die Zahl derer, die insgesamt mit der eigenen Gesundheitsversorgung zufrieden sind, bei nur 56 Prozent.

Stada hat für seinen aktuellen Health Report, der seit 2014 regelmäßig erhoben wird, zwischen Februar und März dieses Jahres jeweils etwa 2.000 Menschen aus 23 Ländern befragt.

Sorgt Reformflut für Misstrauen?

Was beim Vergleich der deutschen und europäischen Ergebnisse auffällt: Hierzulande misstrauen mittlerweile 59 Prozent der Befragte der Politik. In Europa sind es nur 46 Prozent. Das mag damit zusammenhängen, dass die diversen Reformvorhaben des Bundesgesundheitsministeriums die Schlagzeilen schon seit Monaten bestimmen und es gerade von den Interessensverbänden des Gesundheitswesens diesbezüglich überproportional viel Kritik hagelt. Das sorgt in der Konsequenz offensichtlich dafür, dass Patienten mindestens verunsichert sind.

Aber auch mit Blick auf die eigene Versorgung sind die Menschen in Deutschland deutlich skeptischer als im europäischen Schnitt. 68 Prozent kritisieren beispielsweise die Probleme bei der ärztlichen Terminvergabe (Europa: 54 Prozent), jeder Dritte wurden selbst oder kennen jemanden im Umfeld, der medizinisch schlecht versorgt wurde (Europa: 47 Prozent) und jeder Fünfte berichtet von Problemen beim Zugang zu Medikamenten.

Mehr Digitalisierung und bessere Bezahlung

Wie man die Situation in Deutschland verbessern könnte, ist den Menschen laut Umfrage auch klar: Die Importabhängigkeit bei Medikamenten reduzieren, indem die Produktion wieder nach Deutschland verlagert wird, schlagen 64 Prozent vor. Zudem müsse das Gesundheitswesen besser und schneller digitalisiert werden. 55 Prozent glauben, eine digitale Patientenakte könnte es richten. Und fast zwei Drittel der Befragten sind offen für den Einsatz von KI für eine bessere Gesundheitsversorgung. 44 Prozent würden auf die Diagnose einer KI vertrauen und jeder Zweite sich von einem Roboter operieren lassen.

Interessant in dem Zusammenhang: 42 Prozent wünschen sich, dass Medikamente nach Hause geliefert werden. Eventuelle ein Ansatz für den erst letzte Woche bestellten Insolvenzverwalters des Berliner Arzneimittellieferservice Mayd.

Und auch das medizinische Personal müsse besser bezahlt werden, fordert fast jeder zweite Befragte des Stada Health Reports, weil der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen anders nicht gelöst werden könne.

Und zu guter Letzt zeigen die Befragten auch einen gewissen Pragmatismus: Gesundheitspolitiker müssen ein Studium oder eine Ausbildung im Gesundheitsbereich vorweisen, um sich für den Job zu qualifizieren. Damit wäre nicht nur der Posten des Gesundheitsministers in Zukunft wohl deutlich schwerer zu besetzen…

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Gemüsekohl für die Gesundheit

Forscher des Leibniz-Instituts für Gemüse- und Zierpflanzenbau haben jene Kohlsorten identifiziert, die besonders wertvolle Pflanzenstoffe für den Menschen beinhalten. Wie die sich auf die Gesundheit auswirken, wird nun in einer Interventionsstudie untersucht.

Grün und vielfältig sollte sie sein, unsere Ernährung. Und einem Gemüse kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: Gemüsekohl. Am Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) gibt es mit dem Projekt SharpGreens sogar ein eigenes Forschungsprojekt, das jetzt in die zweite Phase startet. Die wissenschaftliche Fragestellung: Wie beeinflusst eine vielfältige Ernährung reich an Gemüsekohl die Gesundheit? Die humane Interventionsstudie wird gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Freiburg umgesetzt. Erforscht werden sollen vor allem die Auswirkungen auf die Immunfunktionen und das Darmmikrobiom.
Der Interventionsstudie ist eine intensive erste Projektphase vorangegangen, für die am IGZ in den vergangenen 30 Jahre eine umfassende Analytikplattform für sekundäre Pflanzenstoffe und ihre Abbauprodukte entwickelt wurde. Im Fall des Gemüsekohls geht es um die sogenannten Glucosinolate, die beim Verzehr enzymatisch zu gesundheitsfördernden Abbauprodukten, den Isothiocyanaten, umgewandelt werden können. Diese Substanzen haben entzündungshemmende, antikanzerogene und antimikrobielle Eigenschaften. Bisher wurden mehr als 100 verschiedene Glucosinolate in Pflanzen identifiziert, wobei die Wirksamkeit ihrer Abbauprodukte stark variieren kann.
Über 300 Kohlsorten kultiviert
Im Rahmen des Projekts SharpGreens kultivierte das Team von Projektleiterin Dr. Katja Witzel im letzten Jahr 300 Genbank- und 17 kommerzielle Kohlsorten am IGZ und analysierte die Glucosinolat-Gehalte und Abbauprodukte. Dabei wurden 24 Kohlsorten mit verbesserten Glucosinolat-Gehalten und gewünschten -Abbauprofilen identifiziert. Diese stammen aus verschiedenen Regionen, darunter Kohlrabi aus der ehemaligen DDR, Blumenkohl-Sorten aus Italien, Weißkohl aus Japan und Spanien, Grünkohl aus Schweden und bulgarischer Rotkohl. Zur weiteren Aufklärung des enzymatischen Glucosinolat-Abbaus wurde das Proteom aller Kohlsorten am IGZ analysiert und ergänzend dazu eine genomweite Assoziationsstudie vom Projektpartner Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) durchgeführt.
In der nun gestarteten zweiten Projektphase werden die ausgewählten Kohlsorten in der Interventionsstudie am Universitätsklinikum Freiburg unter der Leitung von Prof. Dr. Evelyn Lamy eingesetzt. Es wird untersucht, ob der Verzehr einer vielfältigeren Gemüsekohl-Diät die Gesundheit beeinflusst und ob diese Effekte auf den hohen Gehalt an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen oder die Pflanzenvielfalt zurückzuführen sind. Die Probanden erhalten dafür in einem randomisierten Crossover-Versuch vier verschiedene Gemüsekohl-Diäten, die aus gefriergetrockneten Kohlpflanzen am IGZ hergestellt werden und definierte Mengen an bioaktiven Substanzen enthalten. Außerdem wird der Einfluss der Vielfalt an Gemüsekohl in der Ernährung auf die Zusammensetzung des Darmmikrobioms untersucht.
Bewusstsein für Vielfalt fördern
Die Forschungsergebnisse sollen anschließend über verschiedene Formate wie Kochevents, Feldführungen und Ausstellungen an die Öffentlichkeit kommuniziert werden. Ziel ist es, das Bewusstsein für den Erhalt der Artenvielfalt in der Landwirtschafft sowie eine vielfältige pflanzenbasierte Ernährung zu fördern. Unterstützt werden die Forscher dabei von proWissen Potsdam e.V. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert SharpGreens im Rahmen der Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt (FEdA) und der Richtlinie zur Erforschung der Zusammenhänge zwischen Biodiversität und menschlicher Gesundheit (BiodivGesundheit2) mit 1,1 Millionen Euro für einen Zeitraum von drei Jahren.

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