Auch in diesem Jahr zeigt der Stada Health Report, dass die Zufriedenheit der Menschen in Europa mit ihren Gesundheitssystemen sinkt. Dafür wird Technologie zu einem Werkzeug für Gesundheit.
Europaweit zeigt sich ein einheitliches Bild: Lediglich 56 Prozent der Menschen sind mit ihren jeweiligen Gesundheitssystemen noch zufrieden. Im vergangenen Jahr war die Lage mit 58 Prozent ähnlich, was die Autorinnen und Autoren des Stada Health Report 2026 als eine anhaltende Stagnation seit der Corona-Pandemie bezeichnen.
Als besonders gravierend nehmen die Menschen den Mangel an medizinischem Fachpersonal war. Für 67 Prozent der Befragten gehört der zur größten gesundheitlichen Herausforderung – auch, weil lange Wartezeiten daraus resultieren. 43 Prozent machen sich Sorgen um einen bezahlbaren Zugang zur Gesundheitsversorgung, 56 Prozent um die alternde Bevölkerung und chronische Gesundheitsprobleme. Aber auch psychische Probleme nehmen in der Wahrnehmung von 53 Prozent der Befragten zu.
Dieser Druck von allen Seiten führt interessanterweise dazu, dass die Europäer eine aktivere Rolle bei der Gestaltung ihrer Gesundheit einnehmen wollen – und ihre Fähigkeiten dazu auch als sehr gut einschätzen. Denn: 78 Prozent fühlen sich gut gerüstet, sich selbst zu versorgen, 94 Prozent greifen bei zumindest einigen Gesundheitsproblemen zur Selbstmedikation. Die Mehrheit (85 Prozent) nutzt zudem ein oder mehrere Hilfsmittel – von Fitness-Trackern bis hin zu Messgeräten für zu Hause –, um ihre Gesundheit zu überwachen.
KI als Gesundheitstool
Was bei so viel eigenem Engagement nicht fehlen darf, ist die KI. Laut Stada Health Report nutzen 55 Prozent der Europäer sie derzeit bereits im Zusammenhang mit ihrer Gesundheit, 82 Prozent stehen dem Einsatz von KI in ihrer Versorgung offen gegenüber. Ein erheblicher Anteil (43 Prozent) wäre sogar bereit, seine gesamten Gesundheitsdaten der KI zugänglich zu machen, um Diagnose, Prävention oder Behandlung zu verbessern, und 49 Prozent vertrauen bereits einer KI-Diagnose oder wären bereit, ihr zu vertrauen.
Für Stada-CEO Peter Goldschmidt gewinnt die Debatte um mündige, selbstbestimmte Patienten damit an Dynamik, da KI diese Entwicklung deutlich schneller vorantreibe: „Die Europäer sind nicht mehr einfach nur Patienten, die in einer Warteschlange stehen. Sie sind aktive Teilnehmer, die persönliches Handeln, digitale Tools und professionelle Beratung zu etwas Neuem verbinden. Jeder im Gesundheitswesen wird sich an diese Veränderungen anpassen und entsprechend handeln müssen.“
Dass Gesundheitsfachpersonal damit überflüssig wird, ist jedoch nicht der Fall. Auch das zeigt der Stada Health Report 2026 sehr deutlich. Die Mehrheit der Befragten bezeichnet ihren Hausarzt (77 Prozent) oder ihre Apothekerin und ihren Apotheker (57 Prozent) als wichtigsten Einflussfaktor bei gesundheitsbezogenen Entscheidungen. Und auch die Grenzen für die KI werden klar definiert. Künstliche Intelligenz wird klar als Assistenz im Gesundheitswesen willkommen geheißen. Finale Entscheidungen sollen aber weiterhin Menschen treffen. Tatsächlich sind 38 Prozent ausdrücklich besorgt über eine verminderte menschliche Interaktion in einem KI-gesteuerten System, und 35 Prozent befürchten, dass die Qualität der Kommunikation mit Fachkräften im Gesundheitswesen sinken könnte.
Veränderte Rollen für Fachkräfte
Fachkräfte im Gesundheitswesen sollen auch mit dem Vormarsch der KI nicht ins Hintertreffen geraten. Im Gegenteil: Die Europäer wünschen sich, dass sie mehr Verantwortung übernehmen. 41 Prozent der Europäer erwarten von den Fachkräften, dass sie mehr digitale Lösungen und Fernkonsultationen anbieten, 30 Prozent erwarten, dass sie als vertrauenswürdige menschliche Ansprechpartner noch wichtiger werden, und 26 Prozent erwarten, dass sie als Berater und Vermittler fungieren, die Patienten dabei helfen, sich in einer ständig wachsenden Flut von Gesundheitsinformationen zurechtzufinden. Nur 20 Prozent glauben, dass die Bedeutung von Fachkräften im Gesundheitswesen aufgrund von KI abnehmen wird.
Mit anderen Worten: KI verändert die Rolle der Fachkräfte im Gesundheitswesen, erweitert sie jedoch eher, als dass sie sie einschränkt. Aus Sicht von Stada beschreiben die Ergebnisse des Health Reports eine Realität im Gesundheitswesen, in der mündige Patienten, digitale Tools und menschliches Fachwissen keine getrennten Welten mehr sind.
„Zu den vielen eindeutigen Erkenntnissen dieses Berichts gehört, dass dieser Wandel keine vorübergehende Notlösung für ein überlastetes System ist – er wird zum Modell an sich“, fasst CEO Goldschmidt zusammen. „Selbst unter denjenigen, die der KI am offensten gegenüberstehen, besteht der Wunsch nach Unterstützung, nicht nach Ersatz.“



