Soziale Ungleichheit sorgt für höheres Gesundheitsrisiko bei Frauen

von | März 5, 2025

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Eine Studie unter Federführung des Max Delbrück Center zeigt: Ein niedriger Bildungsstand und ein geringes Einkommen erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen bei Frauen stärker als bei Männern.

 

Beides sind bekannte Fakten: Erstens gibt es Geschlechtsunterschiede bei Erkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Bluthochdruck. Und zweitens erhöht ein niedriger sozioökonomischer Status des Herz-Kreislaufrisiko. Nun hat eine neue Studie unter Federführung des Max Delbrück Center beide Aspekte miteinander verbunden und konnte zeigen: Ein niedriger Bildungsstand und ein geringes Einkommen erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen bei Frauen stärker als bei Männern.

Als Basis für die aktuelle Arbeit hat das Team Daten der NAKO Gesundheitsstudie genutzt, Deutschlands größter Langzeitstudie zur Erforschung von Volkskrankheiten. Konkret nutzten die Wissenschaftler Daten von über 200.000 Teilnehmer aus dem Untersuchungszeitraum 2014 bis 2019. 50 Prozent der Teilnehmer waren Frauen. Die Analyse bezog sich auf selbstberichtete Angaben zu sozioökonomischen Faktoren wie Bildungs- und Beschäftigungsstatus sowie Einkommensniveau, der Einnahme von blutdrucksenkenden Medikamenten, chronischen Vorerkrankungen, Lebensstilfaktoren wie Rauchen und Alkoholkonsum sowie gemessenen Werten aus den medizinischen Untersuchungen im NAKO-Studienzentrum wie zum Beispiel Blutdruck, Körpermaße oder Ergebnisse der Blutuntersuchungen. In den Berechnungen berücksichtigten das Team außerdem weitere Einflussfaktoren.

Frauen mit schlechterem kardiovaskulärem Risikoprofil

Die Studie ergab, dass Frauen mit niedrigem sozioökonomischem Status im Vergleich zu Personen mit hoher Bildung und hohem Einkommen eher ein nachteiliges kardiovaskuläres Risikoprofil aufwiesen als die vergleichbare Gruppe an Männern. „Bei Frauen im Vergleich zu Männern war ein niedriger gegenüber einem hohen sozioökonomischen Status stärker mit Herzinfarkt, Bluthochdruck, Übergewicht, der Einnahme blutdrucksenkender Medikamente und riskantem aktuellem Alkoholkonsum assoziiert, aber – im Gegensatz zu Männern – weniger stark mit aktivem oder früherem Rauchen”, berichtet Dr. Ilais Moreno Velásquez, Wissenschaftlerin am Max Delbrück Center für Molekulare Medizin in Berlin-Buch. Darüber hinaus war die Wahrscheinlichkeit eines hohen Zehn-Jahres-Risikos für Herz-Kreislauferkrankungen bei Frauen mit niedrigem sozioökonomischem Status höher als bei Männern.

Das Team um den Epidemiologen Prof. Dr. Tobias Pischon plant, den Zusammenhängen weiter nachzugehen: „In unserer aktuellen Auswertung haben wir das Risiko zukünftiger Herz-Kreislauf-Ereignisse auf der Basis international etablierter Algorithmen geschätzt. Mit den vielen wissenschaftlich wertvollen Daten, die wir aus der NAKO-Studie durch die wiederholten Untersuchungen der Studienteilnehmenden gewinnen, werden wir diese Ergebnisse zukünftig im Hinblick auf neu aufgetretene Herz-Kreislauferkrankungen überprüfen können.“ Insgesamt würden die Ergebnisse aber schon jetzt darauf hindeuten, dass die Wahrscheinlichkeit für ein höheres kardiovaskuläres Risiko bei Frauen stärker vom Sozialstatus abhängt als bei Männern. „Für unsere Gesundheitspolitik in Deutschland unterstreicht dies die Relevanz, auch soziale Ungleichheiten in Präventionsstrategien im Bereich der Herz-Kreislauferkrankungen zu berücksichtigen”, schlussfolgert Prof. Pischon.

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