Soziale Ungleichheit im britischen Gesundheitswesen kostet Leben

by | Jan 9, 2024

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Das britische Gesundheitswesen wird seit Jahren kaputtgespart und das kostet Menschenleben, wie eine neue Studie des University College London enthüllt.

Es knirscht gewaltig im britischen Gesundheitssystem NHS. Erst streikt seit Jahresbeginn der medizinische Nachwuchs – sechs ganze Tage wollen die Assistenzärzte im Land für 35 Prozent mehr Gehalt und bessere Arbeitsbedingungen kämpfen – und nun zeigt eine Studie des Institute of Health Equity am University College London, dass eine ungleiche Verteilung bei Qualität und Zugang zu Gesundheitsleistungen im Land für „mindestens eine Million frühzeitige Todesfälle“ verantwortlich ist.

Dafür untersuchte das Expertenteam um Sir Michael Marmot zwischen 2011 und 2019 die Lebenserwartung der Briten in Abhängigkeit vom Zugang zu Haus- und Fachärzten und anderen Gesundheitsleistungen. Im direkten Vergleich von ärmeren und reicheren Gegenden konnten die Studienmacher zeigen, dass in besagtem Zeitraum rund 1,06 Millionen Menschen in den ärmeren Gegenden früher starben. Knapp 150.000 Todesfälle konnten die Autoren auf die seit 2010 von der Regierung verhängte Sparpolitik im Gesundheitswesen und bei Sozialausgaben zurückführen. Ursache für das deutlich frühere Versterben sind unter anderen Krebs und Herzprobleme.

Studienleiter Marmot findet für die Ergebnisse deutliche Worte: „Eine Million vorzeitige Todesfälle, die durch Sparmaßnahmen dramatisch verschlimmert wurden, sind ein schockierendes politisches Versagen. Der schlechtere Gesundheitszustand der benachteiligten 90 Prozent der Bevölkerung im Vergleich zu den wohlhabenden zehn Prozent bedeutet, dass die gesundheitliche Ungleichheit die Mehrheit der Gesellschaft betrifft. Wenn man ein Beispiel dafür bräuchte, was man nicht tun sollte, um gesundheitliche Ungleichheiten zu verringern, dann ist es das Vereinigte Königreich. Das einzige andere Industrieland, dem es noch schlechter geht, sind die USA.“

Letztere Aussage unterstreicht zudem die Erwartung gesunder Lebensjahre nach Geschlecht in den verschiedenen europäischen Ländern im Vergleich zu Großbritannien. Während die in der Europäischen Union 2017 (damals noch mit 28 Mitgliedsstaaten zu denen auch Großbritannien zählte) für Frauen bei 63,9 Jahren und für Männer bei 63,5 Jahren lag, waren es im Vereinten Königreich 62 Jahre für Frauen und 63,3 Jahre für Männer. Am längsten gesund lebten Frauen 2017 in Malta (73,4 Jahre) und Männer in Schweden (73,2 Jahre). Auch in Deutschland waren Frauen mit 66,7 Jahren und Männer mit 65,1 Jahren länger gesund als im EU-Schnitt oder Großbritannien.

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