So gefährlich ist Zucker

von | Nov. 5, 2024

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Je weniger Zucker Kinder in den ersten 1.000 Lebenstagen zu sich nehmen, desto geringer das Risiko später an Typ-2-Diabetes zu erkranken.

Wissenschaftler der University of Southern California haben in einer nun in Science veröffentlichten Studie nachgewiesen, dass der Zuckerkonsum in den ersten 1.000 Lebenstagen entscheidenden Einfluss auf die künftige Gesundheit hat. Demnach sinkt bei begrenztem Konsum das Risiko, im Lebensverlauf an Typ-2-Diabetes zu erkranken um 35 Prozent. Zudem können die Risiken für Adipositas um 30, die für Bluthochdruck um 20 Prozent reduziert werden.

Für ihre Arbeit haben die Wissenschaftlicher quasi-experimentelle Daten vom Ende der Zuckerrationierung in Großbritannien im September 1953 genutzt. Durch die damalige Rationierung wurde der Zuckerkonsum auf ein Niveau beschränkt, das den aktuellen Ernährungsrichtlinien entspricht. Unmittelbar nach der Rationierung verdoppelte sich der Konsum nahezu. Unter Verwendung eines Ereignisstudiendesigns mit Daten aus der britischen Biobank zum Vergleich von Erwachsenen, die kurz vor oder nach dem Ende der Rationierung gezeugt wurden, fanden die Forscher heraus, dass die Rationierung in jungen Jahren das Diabetes- und Bluthochdruckrisiko entsprechend reduzierte und den Ausbruch der Krankheit um vier, respektiv zwei Jahre verzögerte. Der Schutz zeigte sich bei einer Exposition in der Gebärmutter und verstärkte sich bei einer postnatalen Zuckerbeschränkung, insbesondere nach sechs Monaten, als wahrscheinlich mit fester Nahrung begonnen wurde. Die Rationierung von Zucker in der Gebärmutter war allein für etwa ein Drittel der Risikoreduzierung verantwortlich.

Für Barbara Bitzer, Sprecherin der Deutschen Allianz für Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) und Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), sind diese Ergebnisse sind alarmierend und verdeutlichen die Dringlichkeit des politischen Handelns. „Wir brauchen ein Umfeld, das es allen Menschen in Deutschland ermöglicht, sich gesund zu ernähren, ganz besonders während der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren. Die Politik ist in der Pflicht, endlich gesetzliche Regelungen einzuführen, die die gesunde Wahl zur einfachen Wahl macht.“

Auch Sicht von Bitzer seien freiwillige Maßnahmen der Industrie „krachend gescheitert“. ie Nationale Reduktionsstrategie bleibe hinter den selbstgesteckten Zielen zurück und Appelle an die Eigenverantwortung allein würden nicht ausreichen, um den besorgniserregenden Anstieg von Übergewicht und den damit verbundenen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Bevölkerung zu stoppen. „Dringend notwendig sind verbindliche Beschränkungen der Werbung für ungesunde Lebensmittel, wenn sie sich an Kinder richtet sowie die Einführung einer Herstellerabgabe auf stark zuckerhaltige Getränke und eine steuerliche Entlastung gesunder Lebensmittel“, sagt die Expertin und ergänzt: „Ein gesundes Aufwachsen unserer Kinder sollte der Politik mehr Wert sein als die monetären Interessen der Lebensmittel- und Werbeindustrie.“

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